Namibia stand bei uns für Urlaub. Nach der aufregenden Reise wollten wir hier gerne noch ein paar Sehenswürdigkeiten besuchen, die wir noch nicht kannten, außerdem in Erinnerungen an eine wunderschöne Reise mit unseren Kindern Florian und Sabine schwelgen, mit denen wir das südliche Afrika 2004 bereist hatten. Zudem interessierte uns natürlich noch der "Zweitwohnsitz" der Schwiegereltern unserer Tochter Catrin, die vor vielen Jahren einmal in Namibia gelebt und die Verbindungen zu Land und Leuten nie hatten abreißen lassen.

Nach dem Passieren der kleinen Grenzstation im Osten des Landes war unser erstes Ziel das Living Museum eines Clans der Buschleute/San in Grashoek. Eine deutsch-namibische Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Kultur der Ureinwohner Namibias zu bewahren, in dem interessierten Touristen die Lebensweise der Altvorderen praktisch nahe gebracht wird. Dies dient unter anderem auch der Armutsbekämpfung, denn es werden Arbeitsplätze geschaffen und Geld in die Kassen der Community gespült. An verschiedenen Standorten im Land gibt es solche Museen für unterschiedliche Tribes. Bei Grashoek betreiben die San einen kleinen Campingplatz mit Buschdusche und -toilette und organisieren verschiedene Aktivitäten. An der "Rezeption", Tisch und Stuhl unter einem großen Baum auf dem Dorfplatz, lief gleich das halbe Dorf zusammen, um zu sehen, wer da angekommen war. Vielen der ungewaschenen Kinder lief die Nase und trockener Husten ertönte aus jedem Eck. Eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm zog lange und genüsslich an einem Joint. Wir buchten einen Bushwalk für den nächsten Morgen. Am Abend bekamen wir Besuch von zwei ca. dreizehnjährigen Jungen, die sich vorsichtig unserem Camp näherten und respektvoll Abstand hielten. Michael beauftragte die beiden gleich mal mit dem Anfachen des Feuers. Allerdings war der Erfolg nur rudimentär, der Westler musste mit Grillanzünder helfen :-) Einer der beiden sprach recht gut englisch und zeigte sich sehr interessiert an unseren Tätigkeiten und den Gimmicks am Auto. Da wir ja Kinder nicht zum Betteln erziehen möchten und darum auf Verlangen keine Süßigkeiten herausgeben, hatten wir noch recht viele Gummibärchen übrig und hielten es jetzt für eine gute Gelegenheit, unseren Gästen welche anzubieten. Wir staunten nicht schlecht, als der eine Junge sein leeres Tütchen ins Feuer warf, der andere in unsere aufgehängte Mülltüte! Glücklicherweise gab es an diesem Abend Reisfleisch-Eintopf, der sich mit einer Dose Mais noch gut strecken ließ. Die Kinder freuten sich über die Einladung zum Essen – vermutlich war das auch ihre Hoffnung gewesen, als sie kamen – und ließen sich ihre Näpfe zweimal füllen. Und wieder waren wir positiv überrascht. Ohne Aufforderung gingen sie mit den leeren Näpfen zu unserer Wasserstoßstange und spülten die Schälchen bevor sie sie mit einem scheuen "Thank you" zurück gaben. Anschließend füllten sie noch ihre Wasserflasche (wahrscheinlich dachten sie, die Touris haben halt überall fließendes Wasser...), gähnten und streckten sich theatralisch und zogen sich zur Nacht ins Dorf zurück. Wir hatten wirklich Spaß an dem netten Besuch gehabt! Am kommenden Morgen erschienen die San in traditioneller Bekleidung, dem Lendenschurz. Mit einem Hunter – Jäger – und einem Übersetzer brachen wir zum Spaziergang in die Wildnis auf. Einige Frauen folgten, ebenfalls nur mit einem Lederschurz um die Hüften bekleidet. Die erste Station war Feuermachen mittels Feuerstäben. Es war eine ganz schöne Arbeit, bis die Reibung das dürre Stroh entfacht hatte und das Feuer brannte. Mit zahlreichen Klicklauten wurde das Ganze "angefeuert". Es hörte sich an wie beim Wettkampf in der Schwimmhalle... Anschließend bekamen wir viele Pflanzen gezeigt und erklärt, welche Medizin woraus wofür gewonnen wird. Beim Fallenstellen mittels Zweigen und Schnur durften wir die große Freude des Jägers an der szenischen Darstellung eines Perlhuhns erleben, das mit dem Kopf in der Schlinge steckt...

Auf guter Straße fuhren wir nach dem interessanten Morgen nach Westen, um eine Gästefarm zu besuchen. Vor 13 Jahren war sie die Vorzeigefarm eines echten Südwesters, auf der man mit der Familie beim Abendessen am runden Tisch saß und den Erlebnissen des Gastgebers lauschte. Wir waren gespannt, ob es sie in dieser Form noch gäbe. Eine junge Frau öffnete uns, und wir erfuhren, dass sich der ehemalige Besitzer aus dem Gästebetrieb zurückgezogen habe und nur noch die Farm betreibe. Einen Teil der Farm hat er an einen Hamburger Investor verkauft. Die junge Familie ist bei der Investorenfamilie angestellt und hat viel Energie und Arbeit investiert, den Gästebereich weiter zu entwickeln. Die Chefin ist eine echte Südwester Farmerstochter, der Vater des Chefs war Soldat. Als studierte Hotelfachfrau und gelernter Koch (und passionierter Jäger) bringen beide die Grundlagen mit, eine Gästefarm erfolgreich zu führen. Die Zimmer waren wunderschön und liebevoll gestaltet, Bar, Pool und Essen ließen keine Wünsche offen. Dennoch ist uns diese Welt der in Traditionen verhafteten Südwester fremd. Eine wie auch immer geartete Durchmischung von Schwarz und Weiß ist undenkbar, die Menschen leben in verschiedenen Welten. Das wurde im Gespräch immer wieder deutlich, dass man "mit denen" nichts zu tun hatte, hat und haben will. Angst vor Enteignungen wie in Simbabwe beherrschen die Gedanken, da sich der jetzige Präsident angeblich inzwischen Mugabe zum Vorbild nähme. Die Sorge vor Überfällen ist ebenfalls präsent, der Chef registrierte jedes Auto, das die Gravelroad passierte, mit Argwohn und ließ keinen Zweifel an seiner Fähigkeit zur Verteidigung seiner Familie mit Waffengewalt. Mit am Tisch saß (der Quotenschwarze...) John aus dem Ovamboland, der Tourismus studiert hat und jetzt einen Master in PR draufsetzt. Das Gespräch mit ihm war sehr interessant, er hielt viel vom neuen Präsidenten... Insgesamt war der Aufenthalt auf der Farm sehr schön und interessant, das Denken dieser Menschen ist uns jedoch fremd geblieben, möglicherweise auch europäisch verklärt.

Trotz der immer noch ungünstigen Jahreszeit zur Tierbeobachtung hatten wir uns entschieden, den Weg nach Nordwesten über den Etosha-Nationalpark zu nehmen. Im Ostteil trafen wir auf Gazellen, Antilopen und Unmengen von Giraffen, einige sogar an einem Wasserloch, das sie sich mit einer trächtigen Hyäne teilten. Ansonsten war der Park erwartungsgemäß und dennoch etwas enttäuschend leer gefegt. Immerhin sahen wir unsere ersten Oryx-Antilopen auf dieser Reise, die ihre säbelartigen Hörner stolz in die Höhe reckten. Am schön angelegten Wasserloch im Restcamp Halali konnten wir uns am späten Abend dann noch an einer Elefantenherde freuen, die viel Spaß am Plantschen und Trinken hatte. Mit Dagmar und Stephan, die mit ihrem toll ausgebauten Defender vier Monate durch das südliche Afrika reisen, durften wir einen sehr netten Abend verbringen. Viele Ideen für Modifizierungen unseres geliebten Landis nahmen wir mit. Kurz vor der Ausfahrt aus dem Park konnten wir dann wenigstens noch ein paar Geier beim Riss beobachten. Sie zogen mit Leibeskräften an der Wirbelsäule einer Antilope herum. Und wenig später bekamen wir auch noch eine Löwin zu Gesicht, die in der Nähe eines Wasserlochs im Schatten eines Baumes ruhte. Doch länger als 24 Stunden lohnte sich für uns der Park nicht, sodass wir mittags pünktlich ausfuhren und schon früh bei unserem geplanten Nachtplatz, dem Eldorado-Camp ankamen. Uns reizte, dass es im Game-Park der Gästefarm auch Geparden geben sollte, diese Raubkatze hatten wir noch nicht gesehen. Um 16.30 Uhr fanden wir uns zum Info-Vortrag des Besitzers auf der Terrasse der Lodge ein, bevor um 17 Uhr die Traktorrundfahrt durch den Gamepark startete. Der Besitzer hat inzwischen das Farming aufgegeben und lebt nur noch von der Gästefarm und den Wildtieren, die sich auf seinem Gelände befinden, und seiner Aussage nach dort schon immer lebten oder durch den niedrigen Etosha-Zaun einwandern und großen Schaden in seinen Herden anrichteten. Er ließ kein gutes Haar an der Regierung, von der er sich im Stich gelassen fühlt und Naturschützern wie Greenpeace, Cheetah-Conservation und Africat, die den Farmern das Leben zusätzlich zu Dürre, Preisverfall und Wildriss schwer machten. Es ist immer schwierig, sich hier ohne fundierte Kenntnisse ein objektives Bild zu machen – vermutlich haben beide Seiten irgendwo recht. In jedem Fall hatten wir so die Gelegenheit, auch seltene Tierarten wie kleine Caracal-Raubkatzen, eine sehr schöne braune Hyäne und Geparden zu sehen. Zwei junge Löwenmännchen zeigten deutlich, dass sie immer noch Wildtiere sind, in dem einer Michael beim Fotografieren fixierte und sich anschließend gegen den glücklicherweise vorhandenen Zaun warf.

Unser nächstes Ziel, das Roadside-Camp, war ebenfalls nicht weit entfernt. Unser Reisetempo hatte sich verlangsamt und wir genossen die letzten Wochen. Auf dieser Campsite waren andere Reisende im Dezember von Löwen attackiert worden, und auch wir wurden sofort darauf hingewiesen, dass es im Camp ein Problem mit Löwen gäbe. Nach zwanzig Uhr am Abend und vor sieben Uhr am Morgen sollten wir mit dem Toilettengang vorsichtig sein, zunächst die Gegend mit der Taschenlampe ableuchten. Ein Team von Africat, einer Organisation des namibischen Umweltministeriums zum Schutz von Raubkatzen, hat inzwischen ein festes Zeltcamp am Platz installiert. Wir spazierten in der wunderschönen Landschaft umher, kletterten über Felsen auf den Viewpoint und genossen den traumhaften Blick. Allein die Unmengen von Minifliegen und geflügelten Ameisen nervten richtig. Am Abend entfachten wir unser Lagerfeuer in der Nähe des Autos und lauschten in die Dunkelheit. Da kam tatsächlich noch ein Auto, allerdings keine Touristen sondern vermutlich Montage-Arbeiter auf der Durchreise, die sich grußlos an ein kleines Feuer setzten. Irgendwann hörte ich nur noch ein kurzes Auflachen und das Wort "lions..." - dann war Stille. Fassungslos stellte ich fest, dass die beiden sich zum Schlafen vor ihr Auto gelegt hatten! Waren sie nicht gewarnt worden oder hatten sie die Warnung nicht ernst genommen? Bis wir ins Bett gingen blieb es ruhig, und wir fielen schnell in tiefen Schlaf. Mitten in der Nacht weckte mich Michael: "Löwen!". Das Brüllen war deutlich zu hören. Sie konnten also nicht allzu weit sein. Natürlich drückte jetzt erst einmal die Blase, es war drei Uhr morgens. Wir mussten auf Toilette. Jetzt sofort! Damit stiegen unsere Chancen, die Löwen bei der Jagd zu beobachten, sprunghaft. Todesmutig wagten wir uns nach draußen, sicherten die Umgebung und waren sehr erleichtert, als wir die beiden Bodenschläfer sprechen hörten. Sie waren also auch aufgewacht und warteten im Jagdfieber als Beute ebenfalls auf die Löwen. Ihnen war das Lachen vergangen. Uns aber auch und wir taten, was getan werden musste, in der rund 50 m entfernten Toilette. Glücklich, das Auto ohne allzu hautnahe Jagderfahrung wieder erreicht zu haben, schliefen wir mit dem Brüllen der Nacht wieder ein. Die Beutemenschen wohl eher nicht, zumindest verließen sie beim ersten Licht des Tages den Platz. Als wir dem Campbetreiber am Morgen berichteten, dass die beiden schutzlos vor dem Auto campiert hatten, war er völlig entsetzt. Er erzählte uns, dass es zu viele Löwen gäbe für ein Camp und darum auch die Arbeiten an einer Lodge im Dezember eingestellt worden waren. Der Zusammenhang mit der Löwenattacke auf die deutschen Traveller liegt da auf der Hand.

Nun ging es für uns ein letztes Mal in den Norden, wir wollten gerne noch einmal ein authentisches Himbadorf besuchen. Allerdings ist es mit der Authentizität so eine Sache und ähnlich wie bei den San lebt die Kultur eigentlich nur noch für die Touristen fort. Dennoch entdeckten wir ein Dorf, in dem eine junge Frau eine ganze Schar Kinder betreute. Neben einem halbwüchsigen Mädchen, einer alten Frau und einem männlichen Aufpasser war niemand zugegen. Vermutlich befanden sich die übrigen Bewohner im Städtchen Opuwo als Fotomodell für die Touristen und beim Verkaufen von Schmuck. Wir hatten uns präpariert mit Reis, Salz und Zucker, die wir als Geschenke mitbrachten. Die einzigen englischen Worte, die die junge Frau sprechen konnte, waren "Hello", "How are you?" und "Fifty!". Das war die Währung – die Naturalien wurden nur dankbar dazu angenommen. Dafür konnten wir jedoch Fotos von den Anwesenden machen, außerdem ihre Hütte von innen besichtigen. Es gab keinen Zweifel, dass wir beileibe nicht die einzigen Touristen in dem abgelegenen Dorf waren und zukünftig sein werden. Immerhin konnten wir hier unsere letzten Süßigkeiten gut los werden.

Das Kaokoveld im Norden Namibias ist nicht nur bekannt für die Himbas und Hereros sondern auch für die schöne karge Berglandschaft mit zahlreichen meist trocken liegenden Flussbetten. Im Hoanib-River hat man manchmal die Gelegenheit, Wüstenelefanten zu sehen. So fuhren wir über das kleine Seisfontein in die Palmwag-Konzession und machten uns auf die Suche. Noch vor zwei Wochen muss hier das Wasser nach heftigen Regenfällen durch das an manchen Stellen enge Flussbett gedonnert sein, jetzt war die Durchfahrt kein Problem mehr. Dagmar und Stephan hatten uns von ihrer Fahrt im Hoarusib-Rivier erzählt, bei der sie regelrecht abgesoffen waren und nur mittels ihres Satelliten-Telefons Hilfe herbei telefonieren konnten, auf die sie sieben Stunden warten mussten. Wir haben kein Sat-Phone dabei, und hielten es vor der Reise für eher unwahrscheinlich, es einmal zu brauchen, da Afrika Handy-Land ist. Nun ja, manchmal kommt es anders, als man denkt...

Wir hatten uns entschieden, dem Main-Track zu folgen, d.h. zunächst den Hoanib zu durchfahren, um schließlich in einem anderen Flussbett nach Süden abzubiegen. Unser Ziel war das kleine Städtchen Palmwag. Die Landschaft war wunderschön, die Strecke zunächst sandig und gespickt mit kleinen Wasserdurchfahrten, anschließend steinig. Wir kamen gut voran und machten uns schon auf die Suche nach einer schönen Stelle für die Mittagsrast, als wir plötzlich einen Geruch nach verschmortem Gummi wahrnahmen. Im Motorraum war zunächst nichts zu sehen, wir fuhren langsam weiter. Der Geruch blieb und wir beschlossen, unsere Rast zu machen, damit der Motor abkühlen konnte. Blöd nur, dass er nach der Pause nicht mehr ansprang. Die Zündung orgelte, der Motor drehte nicht. Jetzt hatte es uns doch erwischt! Nicht wirklich günstig auf einsamer Strecke in der Wüste, bei fast 40°C, im Funkloch und ohne Satellitentelefon. Glück im Unglück war, dass keine zehn Minuten später ein namibisches Fahrzeug des Weges kam. Tourguide Volker hatte zwar nicht viel Ahnung von Motoren, aber das begehrte Telefon, das er uns auch großzügig überließ. Über Hugo, den Schwiegervater unserer Catrin, konnten wir deren namibische Freunde Dagmar und Dietmar erreichen, die wir eigentlich zwei Tage später besuchen wollten. Inzwischen waren auch Volkers Tourfahrzeuge eingetroffen und dabei befanden sich auch einige gewandte Mechaniker, die schnell heraus fanden, dass das Problem unsere Klimaanlage war, die sich fest gefressen hatte, so dass der Keilriemen nicht mehr weiterlaufen konnte. Reparieren konnten sie den Schaden allerdings nicht. So hieß es erst einmal warten im Vertrauen auf die Organisation der uns noch unbekannten Eheleute Fleiss. Die nächsten 24 Stunden kam kein weiteres Auto mehr vorbei, wir schmorten in der Sonne und erwehrten uns mittels Moskitonetzen der Unmengen von kleinen Fliegen und geflügelten Ameisen, die uns regelrecht angriffen und versuchten in die Augen zu fliegen. Wasser und Nahrung hatten wir glücklicherweise genug dabei, dennoch begannen wir zu rationieren, unnötigen Wasserverbrauch wie beim Haarewaschen oder Rasieren zu unterlassen und wir kochten Tee mit unserem Stoßstangenwasser. Am nächsten Mittag kamen mal wieder zwei Autos vorbei, leider ohne Telefon, so dass wir nicht nachfragen konnten, wie es um die Hilfe bestellt war. Wir baten die Reisenden, die in ein Camp am Hoanib unterwegs waren, am Entry-Gate oder an ihrem Campingplatz Bescheid zu geben, dass wir in der Wüste fest steckten, jedoch bereits Hilfe erwarteten. Sie ließen sich unser Problem genau erklären und wussten, dass wir einen kürzeren Keilriemen brauchten. Wieder hieß es warten, bei jedem Motorengeräusch horchten wir auf, doch es handelte sich immer nur um ein Flugzeug. Am Nachmittag kam dann endlich wieder ein Fahrzeug, ein Land Rover von Wilderness Safaris mit Elias, der mit einem Keilriemen wedelte. Wir fragten ihn, ob er von Dietmar und Dagmar Fleiss geschickt sei, doch er verneinte und meinte, er käme vom Hoanib-Camp. So vermuteten wir, dass die freundlichen Reisenden im Camp Bescheid gegeben hatten. Wir ahnten nicht, dass alles ganz anders war und das Missverständnis uns im schlimmsten Fall das Leben hätte kosten können...

Elias konnte vor Ort nichts machen, da der Keilriemen leider nicht passte. Er bot uns an, uns abzuschleppen, was wir fatalerweise ablehnten, da wir ja immer noch auf die organisierte Hilfe warteten und nicht wollten, dass diese möglicherweise von weit her kommt und wir dann nicht mehr da wären. Wir versuchten, dies Elias zu erklären und baten ihn, in zwei Tagen wieder zu kommen, wenn wir uns bis dahin nicht gemeldet hätten. Inzwischen verbrachten wir unsere zweite Nacht in der Wüste. Die Gegend war traumhaft, der Vollmond stieg hinter den Bergen auf und tauchte das Gebiet in ein unwirkliches Licht. Elias hatte uns erzählt, dass es hier Nashörner gäbe, doch leider ließ sich keines blicken. Obwohl wir so lange am selben Platz ausharrten, sahen wir leider außer einer Gazelle kein weiteres Tier (von den furchtbaren Insekten einmal abgesehen). Außer Lesen blieb uns nicht viel zu tun, zum Glück hatten wir noch genügend Lesestoff und Michael beendete passenderweise das Buch "Choral am Ende der Reise", in dem es im weitesten Sinne um die Musikanten geht, die beim Untergang der Titanic bis zuletzt gespielt haben... Der nächste Morgen brach an, die Situation war unverändert. Inzwischen waren wir schon fast zwei volle Tage in der Wildnis und wunderten uns zunehmend, wo denn die versprochene Hilfe bliebe. Da näherte sich erneut ein Fahrzeug von Wilderness Safaris und Elias kam einen Tag zu früh, aber dafür mit einem zweiten Mechaniker, Gaylord, und einem Sat-Phone zurück. Wir konnten endlich Bescheid geben, dass wir nun glücklicherweise vom Hoanib-Camp gerettet würden. Doch nun klärte uns Dagmar auf, dass sie uns diese Hilfe geschickt hatte! Wie wir erst später in Omaruru erfuhren, hatte Dagmar Andrew informiert, einen langjährigen Geschäftspartner und zuständig für alle Fahrzeuge von Wilderness Safaris, die Dietmar früher zu Safarifahrzeugen umgebaut hatte. Andrew hatte daraufhin mit dem Flugzeug den neuen Keilriemen auf den Weg gebracht, der aber ja leider nicht passte. Unverständlich war für alle – neben Dagmar und Dietmar auch für Hugo und Andrew – warum wir Elias Angebot, uns abzuschleppen, abgelehnt hatten. Er war extra zu uns geschickt worden, aber leider ohne die für uns wichtige Information, wer der "Auftraggeber" war. Nun war Andrew verärgert, dass er Dagmar und Dietmar zuliebe Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte, uns Keilriemen und Mechaniker schickte, und wir schließlich ablehnen. Wir sind unfassbar dankbar, dass sich Dagmar, ohne uns zu kennen, ihre Gedanken machte, dass irgendetwas schief läuft und Andrew erneut anrief, um ihn zu bitten, noch einmal ein Fahrzeug zu uns zu schicken, diesmal mit Verstärkung. Wenn sie das trotz ihres verständlichen Ärgers nicht gemacht hätte, weiß ich nicht, wie die Sache auf der einsamen Strecke ausgegangen wäre. Später hörten wir, dass kaum jemand diesen Weg befährt...

Nachdem sich leider auch mit Gaylords Hilfe der Schaden nicht beheben ließ – der Ventilator drehte in die falsche Richtung und konnte darum den Motor nicht kühlen – blieb nur das Abschleppen über 40 km Sand, Geröll und einen Trockenfluss. Endlich erreichten wir die Garage des Hoanib-Camps, einem Luxus-Zelt-Camp, das praktisch nur über die Luft zu erreichen ist. Gaylord brachte uns erst einmal zu einer Unterkunft, so dass wir uns Staub und Schweiß der letzten 48 Stunden abwaschen konnten. Bei Andrew in Windhoek bestellte er ein weiteres Ersatzteil, einen Bulli, der nötig war, damit der Keilriemen wieder in die richtige Richtung laufen konnte. Die Klimaanlage lässt sich erst wieder in Deutschland austauschen, was aber natürlich ein vernachlässigbares Problem darstellt. Nachdem die nächsten eingeflogenen Reisenden das ersehnte Teil mitbrachten, wurde unser Landi wieder startklar gemacht. Wir durften inzwischen für einen Bruchteil des regulären Preises die Vollverpflegung der Sterneküche und die Annehmlichkeiten einer Luxuslodge genießen, fingen den Abend am Feuer mit Gin Tonic an, machten mit erlesenen Weinen weiter: "Can I top up the Chardonnay?", "Ready for Red?" und endeten bei Cafe Americano... Die "normalen" Gäste der Lodge, zumeist Amerikaner und Kanadier, zeigten sich fasziniert von unserer Reise und lauschten mit wohligem Schauer unseren Erlebnissen, bevor sie sich wieder in ihre Suiten zurückzogen. Der Blick ins Gebirge war traumhaft und am zweiten Nachmittag bekamen wir sogar einen der seltenen Wüstenelefanten zu sehen, der in der Nähe des Camps die Wasserleitung zerlegte... Als wir unsere Rechnung beglichen, waren wir fassungslos, dass weder für Reparatur noch für das Abschleppen auch nur ein Dollar berechnet wurde! Wir können uns nur bei dem ganzen Team von Wilderness Safaris um Andrew und Gaylord mehr als bedanken. Welches Glück wir hatten, dass Volker mit dem Sat-Phone vorbeikam, Hugo in Deutschland und Dagmar in Namibia Zuhause waren und Dagmar anschließend so umsichtig reagiert hat, kann man gar nicht ermessen! Dafür ist jeder Dank zu klein.

Durch das Hoanib-Tal fuhren wir schließlich wieder zurück nach Seisfontein und weiter über Palmwag in den Süden. Wir stellten beide fest, dass wir nun doch etwas reisemüde geworden waren, keine große Lust mehr auf Besichtigungen und Gravelroad hatten. Dennoch mussten wir noch einmal einen platten Reifen wechseln, den gleichen, der uns schon in Simbabwe Probleme gemacht hatte. Da wir leider wieder im "Zaunland", d.h. im Land der Farmer angekommen waren, fanden wir keinen Platz mehr in der Wildnis und verbrachten die Nacht auf der Campsite der Bambatsi-Gästefarm mit traumaftem Ausblick und fünf Giraffen in der Morgensonne. Endlich erreichten wir das schöne Städtchen Omaruru, einem Ort, in dem einem ähnlich wie in Swakopmund alles deutsch vorkommt. Hier konnten wir im wunderschönen Neubau von Catrins Schwiegereltern im Wildlife Estate übernachten und uns bei Dagmar und Dietmar endlich persönlich bedanken. Die beiden sind echte Südwester der sympathischsten Art, und wir verbrachten mit der herzerfrischend fröhlichen und aufgeschlossenen Dagmar einen wunderschönen Abend bei leckerem Game-Steak. Am nächsten Abend durften wir Dietmars hervorragenden Kochkünste in ihrem schönen Haus genießen. Beide haben das Herz auf dem rechten Fleck und können ihr Land mit allen Vor- und Nachteilen der Unabhängigkeit unserer Ansicht nach hervorragend einschätzen.

Unser letztes Ziel in Namibia war das Küstenstädtchen Lüderitz mit der nah gelegenen Geisterstadt Kolmanskop. Auf dem Weg passierten wir die Hauptstadt Windhoek, die wir noch nicht kannten. Die Kapitale ist bei Reisenden ein wenig in Verruf geraten, fanden hier doch einige Autoaufbrüche und Diebstähle statt. Davon mussten wir zum Glück nichts bemerken, verbrachten allerdings auch nur wenig Zeit in der City. Das alte "Südwester"-Reiterdenkmal, das an die Kolonialzeit erinnerte, wurde inzwischen abgebaut, so konnten wir nur die alten Gebäude betrachten, außerdem die Christuskirche und den Tintenpalast, in dem das Parlament regiert. Über eine eher langatmige Strecke fraßen wir Kilometer für Kilometer Richtung Süden, um im Örtchen Aus einen Schlafplatz zu finden. Da der hübsche Campingplatz vor dem Ort zu unserer Überraschung voll war, waren wir froh, ganz in der Nähe einen sehr schönen fast uneinsichtigen Platz in der Wildnis zu finden. Gazellen sprangen bei unserer Ankunft davon, ansonsten war absolute Stille und ein fantastischer Sternenhimmel, in dem die Milchstraße hell leuchtete. Früh am nächsten Morgen machten wir uns auf die letzten hundert Kilometer zur Geisterstadt, um in eine faszinierende Welt einzutauchen. Jeder hat schon die Bilder des vom Sand verschlungenen Städtchens gesehen, das seit 1908 für fast 50 Jahre der Sitz der Diamantensammler war. Da immer noch geschürft wird, gehört auch das Geisterstädtchen zum Sperrgebiet, doch zwischen 8 und 13 Uhr darf man sich unbehelligt in dem atemberaubenden Szenario bewegen. Eine kurzweilige Führung gab uns vertiefte Einblicke in das Leben der Menschen, die von Kegelbahn über Eisfabrik, Metzgerei und Bäckerei bis zum Schwimmbad alles hatten, was sie zum Leben und zur Zerstreuung brauchten. Besonders ergreifend waren die Texte der Nachfahren der Bewohner, die in den 80er und 90er Jahren oft zum ersten Mal die Wohnstätte ihrer Vorfahren besucht haben. Im Anschluss lernten wir Lüderitz mit seiner hübschen Waterfront am glitzernden Ozean kennen und besuchten schließlich den sturmumtosten Diaz-Point, an dem ein schlichtes Steinkreuz an die Ankunft des Seefahrers Bartolomeo Diaz erinnert, der 1488 am "Kap der schwierigen Manöver" zum ersten Mal anlandete. Mit entfesselter Urgewalt brechen sich hier die Wellen vor den Nebelbänken über dem Meer – ein faszinierendes Spektakel im Angesicht der Wüste. Auf der Rückfahrt zu "unserem" Bushcamp in Aus schafften wir noch eine Punktlandung bei der Wasserstelle Gharub, an der man kleine Wildpferde beim Trinken beobachten kann. Ein Dutzend dieser schönen Pferdchen tranken, wälzten sich und wieherten um die Wette, als wir ankamen – fünf Minuten später waren sie sämtlichst wieder verschwunden.

Über Rosh Pinah ging es nun nur noch in den Süden. Die wunderschöne, wenn auch karge Bergwelt entlang des Oranje Rivers erinnerte uns zum Teil an den Sudan – so schön waren die Katarakte des Grenzflusses zu Südafrika. Am Flussbett genossen wir noch eine letzte Nacht in Wilderness bevor wir die letzte Etappe in Südafrika starteten.

Namib, das Wort stammt vermutlich aus der Nama Sprache und bedeutet "große Fläche" oder "Weite der Landschaft". Diesen Namen trägt auch die älteste Wüste der Welt, die einen großen Teil der westlichen Landesfläche Namibias ausmacht. Auf unserer Reise und natürlich bei unserem Zwangsaufenthalt in der Wüste konnten wir diese Weite und Einsamkeit Namibias voll "auskosten". In der Einsamkeit und beim Warten wird einem bewußt, wie schnell sich eine Situation ändern kann. Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man freiwillig in der Wüste steht und am nächsten Morgen wieder weiter fährt, oder eben genau dass nicht möglich ist. Wir waren absolut auf fremde Hilfe angewiesen und hätten ohne diese nicht weiter gewusst. Allen Helfern bleiben wir zu tiefem Dank verbunden. Andererseit hat uns dieses Erlebnis wieder einmal deutlich gemacht, dass es immer irgendwie weiter geht.

Namibia – kein anderes Land vereint so viele Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Hautfarben. Das bunte Durcheinander auf den Straßen ist alltäglich Brot und wird zur Selbstverständlichkeit. Wir konnten nur ganz am Rande in diese bunte Vielfalt eintauchen, sind aber wieder einmal begeistert von dem friedlichen Miteinander, dass hier in Namibia an vielen Stellen möglich geworden ist. Dies wünschen wir dem Land auch für die Zukunft. Für uns war Namibia wieder das erhoffte Urlaubs- und Reiseland in dem wir wieder viel Neues entdecken konnten.

28 Namibia - 3. bis 20. Mai 2017
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