Nachdem wir ja eigentlich schon in Südafrika angekommen waren, wollten wir unsere letzten Reisewochen gerne noch zum "Urlaub machen" nutzen. Die Planung hierfür war jedoch rudimentär. Zum einen, da wir den Süden Afrikas schon 2004 bereist haben, zum anderen, da wir bei größeren Problemen unterwegs hier hätten Zeit einsparen können. Doch nun waren wir glücklich da und freuten uns auf Botswana. Die Grenzformalitäten verliefen wieder unproblematisch und schnell. Weil wir uns nun in der Zollunion befanden, verweigerten die Zöllner auch das Stempeln des Carnets – wir hätten uns also gar keine Sorgen machen müssen, dass die Blätter nicht reichen würden. Als Fahrer eines ausländischen Fahrzeugs wurden 270 Pula Straßennutzungsgebühr fällig (sonst 150), umgerechnet ca. 25 Euro. Die Menschen schauten freundlich und interessiert, wenn sie uns vorbei fahren sahen. Je mehr wir uns jedoch den Touristenhotspots näherten, desto uninteressierter wurden sie. Hier sind auch ausländische Fahrzeuge keine Besonderheit mehr, da viele Europäer ihre Autos in den Süden Afrikas verschiffen und hier jahrelang stehen lassen, um sie dann während des Urlaubs zu nutzen. Die Gegend um Palapye, unserer ersten Station wirkte recht wohlhabend. Viele Kühe am Wegesrand zeugten vom Wohlstand – Botswana ist Cattle-Land. Ansonsten war die Landschaft eher unspektakulär, um nicht zu sagen langweilig. Bei 2,2 Millionen Einwohnern in diesem riesigen Land bevölkern lediglich 3 Menschen einen Quadratkilometer – kein Wunder, dass hier nicht viel los ist. Dabei schaffen es Staat und Bevölkerung jedoch auch 200 000 Flüchtlinge aus Simbabwe mehr oder weniger in die Gesellschaft zu integrieren.

Auf der A33 in den Norden gerieten wir (mal wieder) in eine Polizeikontrolle. Wir waren mit 108km/h geblitzt worden als wohl nur 80 erlaubt war. Besonders ärgerlich, da wir davor gewarnt worden waren, dass es auf der Strecke viele Radarkontrollen gibt. Michael schaffte es glücklicherweise freundlich aber beharrlich die recht hohe Strafe von umgerechnet ca. 60 Euro wegzudiskutieren, da auf dem Messgerät unser Auto nicht abgebildet war. Wir waren die ganze Zeit einem anderen Fahrzeug hinterher gefahren, das nicht angehalten worden war. Glück gehabt! Die Strecke wurde leider auch hinter Francistown nicht spannender. Wir beschlossen, das Nata Bird Sanctuary zu besuchen, da die berühmten Makgadikgadi Salzpfannen wegen der heftigen Regenfälle der letzten Zeit unpassierbar waren und im Reiseführer zu lesen war, dass sich in der Regenzeit besonders viele Vögel im Schutzgebiet tummeln würden. Nun – Vögel waren fast keine zu sehen, dafür stand auf den Wegen das Wasser immer noch in riesigen und tiefen Pfützen. Meist konnte man sie ganz gut durchfahren, doch plötzlich sackte mitten in einer riesigen Wasserstelle der Boden weg und wir soffen buchstäblich bis zum Chassis ab. Der Boden war vollkommen verschlammt, so dass Michael sich zunächst seiner Hose entledigte und anschließend knietief im Brackwasser stand. Mit Hilfe von Sandblechen gelang es dem Landi zum Glück beim zweiten Anlauf sich wieder auszubuddeln. Am Aussichtsturm, der leider keinerlei Aussicht auf ein wie auch immer geartetes Gefieder bot, trafen wir dafür ein deutsches Ehepaar, Burkhard und Susanne aus Düsseldorf. Sie waren mit einem Mietwagen zum ersten Mal in Afrika unterwegs und sehr dankbar, als wir ihnen anboten, gemeinsam den schwierigen Rückweg zu absolvieren. Beim Autowaschen sahen wir uns wieder und verabredeten uns für den Abend zum Essen in der Pelikan Lodge, wo sie ein Zimmer gebucht hatten und wir den Campingplatz nutzten. Es wurde ein richtig schöner Abend! Den kommenden Vormittag verbrachten wir mit Mathias aus Oberbayern, der mit seinem MAN ebenfalls auf dem Campingplatz stand. Er kennt das südliche Afrika wie seine Westentasche und hatte viele gute Tipps für unsere weitere Planung. Wir konnten ihm in Gegenzug von Ostafrika erzählen, was er möglicherweise demnächst auch unter die Räder nehmen wird.

Die Strecke nach Norden wurde nicht wirklich interessanter. Richtig toll war es jedoch, dass alle paar Kilometer Elefanten die Straße überquerten. Die Parks sind nicht eingezäunt und die Elefanten können frei wandern. Darum gelten sie als die am natürlichsten Lebenden weltweit. Wir hatten beschlossen, nach Norden hin die sogenannte "Hunters Road" zu nehmen, eine Strecke, die vor 150 Jahren dem Elfenbeinhandel diente. Heute läuft sie genau an der Grenze zwischen Simbabwe und Botswana und wird vor allem vom Militär auf Patroulliefahrt genutzt. Unsere Nachfrage beim kleinen Grenzposten Pandamatenga ergab jedoch, dass die Piste seit den heftigen Regenfällen nicht mehr von Offiziellen befahren wurde und uns somit niemand sagen konnte, ob sie überhaupt passierbar war. Nun – sie war es nicht, doch dazu später mehr. Zunächst sah alles gut aus, wir fuhren durch eine schöne Landschaft vorbei an buschiger Landschaft und Grasebenen mit Bäumen und Palmen immer entlang der simbabwischen Grenze, die durch kleine weiße Pfosten gekennzeichnet war. Mal waren diese näher, mal weiter weg, doch immer regelmäßig alle 100 Meter, so dass man sich auch im hohen Gras nicht verfahren konnte. Die wohl bessere Parallelstrecke auf simbabwischer Seite war überhaupt nicht zu sehen. Bald kam die erste Herausforderung in Gestalt eines langen und tiefen Wasserlochs. Tapfer buddelte sich unser "Bub" durch den Schlamm und wühlte sich nach kurzem Schreckmoment wieder auf´s Trockene. Weiter ging es durch zunehmend eintöniger werdende Landschaft. Da Elefanten die Passagen mit schwarzer Lehmerde komplett zerstört hatten, holperten wir durch tiefe Löcher. Die Strecke war nun komplett überspült, so dass wir etwas zur Seite ausweichen mussten. Das Gras wurde immer höher. Im gleichen Moment, indem ich mir zum einen überlegte, dass wir quasi blind weiterfahren und zum anderen feststellte, dass die Grenzpfosten immer näher gerückt waren, war es auch schon passiert! Es knallte – wir standen – ein Grenzpfosten lag. Glücklicherweise hatte unsere Wasserstoßstange den Schlag weitestgehend abgefangen, so dass am Auto keine Schäden waren. Die Stoßstange selbst ziert nun eine riesige Delle... Das war es nun mit der Hunters Road, Weiterfahren undenkbar, da sich am Wasserstand auf der Piste erstmal nichts änderte. Das Drehen im Gelände war auch eine Herausforderung, und als die gemeistert war, traten wir den Rückzug an. Manchmal muss man wissen, wann man besser aufgibt – auf der Strecke hätten wir vermutlich bis zur Trockenzeit warten können, bis uns jemand herausgezogen hätte. Zum Glück hatten wir einige Kilometer entfernt eine Zufahrt gesehen, die auf besserer Trasse zur Straße führte. Da es inzwischen dämmerte, verbrachten wir die Nacht jedoch erst einmal in der Wildnis. Ein Feuer brannte zu unserem Schutz, denn die Spuren der Wildtiere waren unübersehbar. Doch die Nacht blieb ruhig unter grandiosem Sternenhimmel. Nachdem wir ständig hin und her geplant hatten, folgten wir nun dem Tipp von Mathias und fuhren noch einmal durch den Chobe Nationalpark. Wir haben den Park noch in sehr guter Erinnerung, da er so ursprünglich ist. Dieses Mal entschieden wir uns für die Chobe-River-Front, eine Strecke direkt am Fluss, die wir vor 13 Jahren nicht gefahren waren. Und sie war grandios! Zahlreiche Tiere säumten unseren Weg. Wir beobachteten längere Zeit Elefanten beim Baden, die von uns keinerlei Notiz nahmen – zumindest so lange wir im Auto blieben. Als Michael kurz verbotenerweise ausstieg, um den Fotoakku zu laden, baute sich ein grauer Riese sofort bedrohlich auf und begann in unsere Richtung zu laufen. Zu seinem Schutz machten wir uns schnell davon... Am Fluss lagen Mengen von Krokodilen jeder Größe, Vögel übten das Anschleichen und fingen erfolgreich kleine Schmetterlinge. Massen von Giraffen streckten ihre langen Hälse in das grün belaubte Buschwerk, von den unzähligen Antilopen gar nicht erst zu sprechen. Die Piste war tiefsandig und oft auch nass, doch eine Freude zu fahren. Bei bestem Wetter entdeckten wir hinter jeder Kurve neue Tiere. Wir waren noch ganz erfüllt von den wunderschönen Tierbeobachtungen, als uns direkt nach der Ausfahrt aus diesem Teil des Parks ein übellauniger Polizist in die Quere kam. Eigentlich wollten wir nach dem Weg fragen, doch er baute sich sofort vor uns aus und fragte, warum wir nicht angeschnallt seien. Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir eben erst den Park verlassen haben, doch das hielt ihn nicht davon ab, uns zu erläutern, dass es sich hier um eine Ordnungswidrigkeit handeln würde – gar ein "crime"! Das hielten wir nun doch für übertrieben, so dass er uns "anbot", ihn ins Office zu begleiten, um die Sache dort zu klären. Das ist wohl der Moment, an dem jeder "normale" Reisende einlenkt, nicht jedoch wir – solche Situationen hatten wir schon zu oft. Völlig verdattert musste er zusehen, wie wir in Windeseile das Auto verließen und verriegelten, um ihm ins Office zu folgen. Das wollte er nämlich in keinem Fall! Verdutzt hub er noch einmal an, uns unseren Fehler zu erklären. Endlich sprach ich die Zauberwörter: "We apologize! Wir entschuldigen uns!". Nun hatte er sein Gesicht wahren können und wünschte uns lediglich eine sichere Reise. Auf einer netten Campsite in der Nähe verbrachten wir die Nacht und machten uns am nächsten Tag auf in den zweiten Teil des Chobe Nationalparks. Was war die Freude groß, als wir die Tiefsandstrecke erblickten, die uns vor 13 Jahren als blutige Geländewagen- und Sandanfänger so fasziniert hatte! Die Landschaft in diesem Teil des Parks war leider nicht so abwechslungsreich und da es – mal wieder bedingt durch die Jahreszeit – eher wenig Tiere gab, nicht so spannend. Beim legendären Savuti-Camp bekamen wir durch eine fixe Angestellte noch einen der teuren Plätze (100 $!), nachdem uns ein Mann an der Rezeption wieder weggeschickt hätte. Am Ende stand tatsächlich noch ein Platz leer, da die Angestellten ihr kompliziertes Buchungssystem selbst nicht wirklich überblicken. Unsere Mittagsrast verbrachten wir am Camp in Begleitung von schönen Vögeln, Eichhörnchen und Erdmännchen, bevor wir uns auf die nächste Pirschfahrt begaben. Und nun hatten wir Glück! Denn ganz in der Nähe des Camps hielt ein Rudel der seltenen Afrikanischen Wildhunde ein Schläfchen. Eine ganze Weile beobachteten wir die zuckenden Ohren der einzelnen Tiere. Ab und zu hob einer der Tiere lauernd den Kopf, um dann wieder in tiefen Schlaf zu sinken. Doch was waren wir begeistert, als wir nach zwei Stunden wieder an die Stelle zurück kehrten. Die Tiere hatten ihren Tagschlaf beendet und liefen mitten auf der Piste und direkt um das Auto herum. Einer kam so nahe an Michael offenes Fenster, dass ich schon Sorgen hatte, er würde sich gleich mit den Pfoten auf den Rahmen stützen und seinen Kopf ins Innere stecken. Die folgende Nacht war leider furchtbar und die Legende des Savuti-Camps muss man endgültig beerdigen. Nicht nur der Generator der Waschanlagen brummte stundenlang – der im benachbarten Militärcamp lief sogar die ganze Nacht. Dazu riefen, lachten und hämmerten die Soldaten bis spät in die Nacht, so dass von einer afrikanischen Nacht keine Rede sein konnte – schade! Die einzigen wilden Tiere, die uns heimsuchten waren unzählige Moskitos, die uns entsetzlich piesackten und vom Schlafen abhielten. Insgesamt hatte sich dieser Abstecher für uns jedoch dennoch sehr gelohnt. Allerdings ist die Strecke in Richtung Maun eine Tortur, da sie als Tiefsandstrecke beginnt und als furchtbare Wellblechpiste endet. Über 100 Kilometer mussten wir uns durchschütteln lassen, bis wir endlich wieder die Teerstraße erreichten. Bei voller Fahrt knallte es plötzlich ganz furchtbar. Ein Hornbill, ein großer Vogel mit riesigem Schnabel, war von der Seite gestartet und gegen die Windschutsheibe gekracht! Diese nahm glücklicherweise keinen Schaden, was man von dem Vogel leider nicht sagen konnte. Ein wenig schockiert fuhren wir weiter, das arme Tier dauerte uns natürlich. Auf der Suche nach einem wilden Übernachtungsplatz fuhren wir von der Straße ab, glücklicherweise gab es gerade mal keine Zäune. Bei einem prachtvollen Baum fanden wir eine geeignete Stelle, an der wir unser Lager aufschlagen konnten. Michael rangierte ein wenig, stieg aus und es traf ihn fast der Schlag! Der Leichnam des beklagenswerten Vogels hing kopfüber vor der geöffneten Fahrertür, mit der Kralle verfangen in unserer Markise. Tote Augen über dem starken Schnabel blickten ihn leer an. Das Tier musste sich nach dem Aufprall zwischen Dach und Dachgepäckträger verfangen haben. Beim Rangieren hatte er sich dann gelöst und war herunter gerutscht...

Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass es in Botswana Tankstellen ohne Diesel gibt, was leider in Sehitwa der Fall war. So mussten wir einen 70 Kilometer Umweg nach Gumare und zurück in Kauf nehmen, um wieder flüssig zu sein. Nun ging es nach Westen in Richtung Namibia. Wir fuhren durch Buschmann-Land, sahen auch immer wieder Hererofrauen mit ihrem typischen Kopfschmuck in Form von Kuhhörnern am Wegesrand sitzen. Die Grenze passierten wir nach sandiger Piste bei Dobe. Hier im Nirgenwo durchfuhren wir zunächst ein Viehgatter und mussten dann auf die Offiziellen warten, die irgendwoher geholt worden waren. Viele Reisende verirren sich nicht hier her – auf der Strecke war uns kaum einmal ein Auto begegnet.

Botswana wäre langweilig, wenn da nicht die Nationalparks wären. Und die wilden Elefanten, die einen auf jeder Strecke kreuzen. Menschen gibt es dagegen in diesem dünn besiedelten Land kaum. Botswana gilt als Musterland in Afrika in Bezug auf Sicherheit, Antikorruption, Menschenrechte und Demokratie. Das macht das Reisen unbeschwert, und so trifft man doch häufig mal Touristen, was ja auch ganz nett ist. Für uns war Botswana insbesondere in Bezug auf die vielen Wasserdurchfahrten eine Herausforderung. Selten hat es in diesem Land soviel geregnet wie zur letzten Regenzeit, die noch überall ihre Spuren hinterlassen hat. Und so war Botswana für uns keinesfalls langweilig!

27 Botswana - 27. April bis 3. Mai 2017
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