Nach unserem in vielerlei Hinsicht interessanten Aufenthalt in Malawi ging es weiter in Richtung Sambia. Aufgrund der langsam zu Ende gehenden Regenzeit waren einige Wege unpassierbar geworden. Dennoch wagten wir eine Abkürzung, die eine Flussdurchquerung beinhaltete, nicht sicher, ob das eine gute Idee sei. Bis zum Fluss kamen wir auf einfacher Piste problemlos, allerdings winkten kurz vor Erreichen einige Männer ab und wiesen uns darauf hin, dass der River unpassierbar sei. Wir schauten uns die Sache erst einmal selber an und fanden am Ufer zahlreiche Frauen am Wäsche waschen, Kinder am Planschen. Das Wasser schien nicht sehr tief zu sein, das Problem war vielmehr die nicht mehr vorhandene Zufahrt, die der Regen weg gespült hatte. Dennoch war Michael optimistisch, holte sein Beil und hieb den festen Boden weg, um genügend Breite für den Landi haben. Dass das recht einfach ging, hätte uns lieber mal zu denken geben sollen... Die Menschen beobachteten interessiert unser Tun und als sie begriffen, was wir vor hatten, begaben sie sich schnell aus der Gefahrenzone. Nun kam es darauf an: Michael fuhr langsam los, die Passage war breit genug für den Landi, allerdings zeigte sich nun, warum der Boden so leicht wegzuklopfen war! Das Auto begann zu rutschen, sackte seitlich weg, ebenso wie mein Herz, doch ganz cool bugsierte Micha den Landi durch die schwierige Stelle und erreichte ohne Probleme den Fluss. Die Menschen applaudierten begeistert und raunten beeindruckt "Land Rover, ...Muzungu..". In den Dörfern auf der anderen Seite des Flusses ernteten wir überraschte Blicke, war hier doch seit Monaten kein Fahrzeug mehr durchgekommen.

Die Grenze passierten wir bereits im Dunkeln, sie ist die einzige, die 24 Stunden geöffnet hat. Auf malawischer Seite herrschte Dunkelheit, der Strom war mal wieder ausgefallen und lediglich eine batteriebetriebene Stablampe beleuchtete die Szenerie. Ein Wunder, dass der Beamte die richtige Stelle für seine Stempel in Pass und Carnet fand. Auf sambischer Seite sah das Ganze etwas heller aus. Zunächst hielt uns jedoch ein hungriger Soldat an der Schranke und bat um Essen... Das Gute an der späten Stunde war, dass die Geldwechsler-Heuschrecken, die in der Regel das Auto umlagern, so dass man kaum einen Fuß aus der Tür setzen kann, bereits nach Hause gegangen waren. Die Beamten waren unfassbar freundlich und die Formalitäten professionell in kürzester Zeit erledigt, Visa und Carbontax bezahlt. Eine Straßenbenutzungsgebühr wurde wider Erwarten nicht fällig. Dafür überraschte uns auf dem Tresen eine riesige Packung Kondome zur freien Verfügung. Ein Mann kam herein, holte sich zwei Hände voll und ging wieder. Für Afrika ist der offene Umgang mit den Verhüterli eher ungewöhnlich, wird über derlei Dinge doch eher nicht gesprochen. Doch muss man wissen, dass in Sambia ein Drittel der Kinder zumindest ein Elternteil durch Aids verloren hat, etwa 20% der Bevölkerung den Virus in sich trägt. Von den vielen Tausend Waisenkindern können Bruchteile in Heimen aufgenommen werden, der Rest lebt auf der Straße, besucht nie die Schule und bettelt vor den Supermärkten um Essen. Jeder Einkauf in den hervorragend sortierten Supermärkten ist ein Spießrutenlauf durch hungrige Kinderscharen. Wir haben uns angewöhnt, immer extra Brot für die armen Menschen zu kaufen, die in ihrem Leben nie den Hauch einer Chance erhalten haben.

Nach wenigen Kilometern fanden wir einen sicheren Schlafplatz abseits der Straße, wurden jedoch morgens von hungrigen Menschen besucht. Anders als in Äthiopien hielten sie jedoch großen Abstand, deuteten lediglich durch das Reiben der Bäuche an, dass sie Hunger hatten und freuten sich unglaublich über eine Banane. An unserer ersten Versorgungsstation Chipata rüsteten wir uns mit Geld, Lebensmitteln und Simkarte für unseren Aufenthalt im South Luangwe Nationalpark aus. Der Park gilt als einer der großartigsten in ganz Afrika. Natürlich ist die Regenzeit nicht gerade optimal zur Tierbeobachtung, dennoch durften wir zwei ganz besondere Tage erleben. Wir bezogen Platz Nr. 7 im Wildlife Camp, direkt an einer Schleife des Flusses gelegen. Die Szenerie war atemberaubend! Hippos lagen gemütlich im Wasser und röhrten sich immer wieder irgendwelche Nachrichten zu. Jede Mengel Vögel flogen über den Fluss, ein Waran besuchte uns im Camp. Auf der gegenüberliegenden Flussseite im Parkgelände kamen Gazellen zum Trinken an den Fluss, ein Elefant badete in der Abendstimmung. Flusspferde gingen zum Fressen wie an einer Perlenschnur aufgereiht ans Ufer. Als wir uns zum Sundowner hinsetzten, trieb ein Stück Holz vorbei, dass sich jedoch schnell als Krokodil entpuppte. Noch weitere folgten im Laufe der nächsten Stunden, denn der seichte Bereich direkt unter unserem Stellplatz entpuppte sich als Jagdgebiet der Panzerechsen. Mit rotglühenden Augen lagen sie im Wasser und lauerten auf Beute. In rasantem Tempo erhoben sie sich auf ihre vier Stummelbeine und schossen ins Wasser, wenn sie Beute erspürt hatten oder aufgeschreckt wurden. In der Dunkelheit war in unregelmäßigen Abständen das Platschen zu hören. Am Campfire weihten wir die Grillsaison ein und freuten uns am guten Wein aus Südafrika. Die begleitenden Geräusche der afrikanischen Nacht waren unvergleichlich. Ein Löwe brüllte mal auf der Park- mal auf unserer Campseite... Auch ein Elefant ließ sein Trompeten hören, Paviane zogen über das Camp, versuchten zu plündern und weckten uns am frühen Morgen durch lautes Gekreische. Der Blick aus dem Autofenster ließ mich direkte Zeugin der Paarung werden, von einer anderen eifersüchtigen? Pavianfrau mit unfassbarem Gekeife begleitet. Der frühmorgendliche Gamedrive enttäuschte uns ein wenig, waren doch nur wenige Tiere zu sehen. Freundlicherweise hatte sich zumindest eine satte Löwin zum Schläfchen direkt neben den Weg gelegt. Ansonsten genossen wir die Zeit an unserem wunderschönen Camp, auch wenn zum Teil sturzbachartigen Regenfälle anzeigten, dass die Regenzeit noch nicht ganz vorüber war.

Nach diesen wunderschönen Tagen war allerdings wieder Strecke machen angesagt, denn die letzten Wochen unserer Reise sind angebrochen. Auf hervorragender Straße schafften wir die gut 700 Kilometer bis in die Hauptstadt Lusaka an einem Tag. Im Village Rest Camp südlich der Stadt bereiteten wir uns auf eines der schwierigeren Länder unserer Reise vor – Simbabwe. Von den meisten Travellern inzwischen gemieden, da die schikanösen Polizeikontrollen der korrupten Beamten das Nervenkostüm nachhaltig zerrüttet, wollen wir den Aufenthalt dennoch wagen. Wir sind gespannt, wie er uns gelingt. Die Ausreise von Sambia über den Kariba Stausee verlief schon mal problemlos....

Sambia – in kaum einem anderen Land sind uns so viele hungrige Menschen begegnet. Insbesondere die vielen Aidswaisen vor den Supermärkten haben uns erschüttert. Wenn Kinder betteln, geben wir grundsätzlich nie etwas. Bestenfalls den Hinweis, dass sie zur Schule gehen und etwas lernen sollen. Bei diesen Kindern haben wir uns die Belehrungen erspart und ihnen meist schlichtweg ein Brötchen oder eine Banane in die Hand gedrückt, was in der Regel mit großer Dankbarkeit sofort verschlungen wurde. Das Reisen war einfach. Geld, Diesel, Straßen – alles kein Problem. Die Polizei war durchweg sehr freundlich. Aber wenn man mit den Menschen spricht, dann merkt man, wie es hinter vorgehaltener Hand brodelt. Wer etwas gegen den Präsidenten sagt, verschwindet einfach. Bedingt durch die Regenzeit waren die Tierbeobachtungen nicht so atemberaubend wie in Tansania oder Kenia. Dennoch war die Stimmung am Luangwe unvergesslich schön. Afrika hat mal wieder gezaubert.

23 Sambia - 3. bis 7. April 2017
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