Wir hatten das große Glück am Ende unserer Malawireise einen Abstecher zur Mua-Mission zu machen und dort etwas von diesen traditionellen Tänzen der Chewa, der größten Bevölkerungsgruppe in Malawi miterleben zu dürfen. Dieses außergewöhnliche Erlebnis ist uns ein Sonderbeitrag wert, zumal die Chewas aus dem südlichen Afrika in Malawi eingewandert sind und auch heute noch unter anderem in Zambia, unserem nächsten Reiseland, leben.

Mua wurde 1902 von den sogenannten "Weißen Vätern", katholischen Missionaren, gegründet gegründet. Entwickelt hat sich die Mission seit Mitte der 70er Jahre zu einer überregionalen Kulturbegegnungsstätte. Verantwortung trägt hierfür Father Claude Boucher, der als Künstler, Helfer und Missionar aus Kanada nach Afrika kam und die Menschen das Schnitzen wunderbarer Skulpturen lehrte. Inzwischen 75 Jahre alt bezeichnet er sich selbst als "Schwarzes Schaf" innerhalb der katholischen Kirche, setzt er doch andere Prioritäten als vom Vatikan vorgegeben. Ein kettenrauchendes Original ist er, der es geschafft hat, zahlreiche Menschen nicht nur auszubilden sondern auch überregional bekannt zu machen. Eigene Werke und vor allem die seiner Schützlinge stehen und hängen nicht nur in verschiedenen Kirchen Afrikas sondern ebenfalls in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Sogar das norwegische Königshaus besitzt Werke der Mission. Nebenbei versieht er natürlich seinen geistlichen Dienst, liest die Messe und spendet die Sakramente, organisiert Ausstellungen, verfasst Bücher wie den Bildband "When Animals Sing an Spirits Dance - Gule Wamkulu: the Great Dance of the Chewa People of Malawi" und übersetzt derzeit die Tagebücher der Missionare seit 1902 aus seiner fast vergessenen Muttersprache Französisch ins Englische. Das gesamte Gelände strahlt eine Oase der Ruhe aus. Hohe Bäume werfen Schatten, wunderbare Pflanzen werden gehegt und gepflegt, alle Gebäude sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Geschichte des Landes findet sich in naiven Gemälden auf den Außenwänden des Chamare Museums. Die Außenmauern der Kirche sind geschmückt mit biblischen Motiven, afrikanisch aufbereitet. Der Besuch der unverhofft schwangeren Maria bei der aus anderen Gründen ebenso unverhofft schwangeren Elisabeth wird hier mit zwei munter palavernden bunt gekleideten Afrikanerinnen dargestellt. Im Innenraum der Kirche schwebt Gott als Frau gestaltet über dem Altar. Doch noch etwas ganz anderes macht diesen wunderbaren Ort zu einem ganz besonderen Highlight. Wie überall in Afrika haben auch in Malawi Musik und Tanz eine wichtige kulturelle Bedeutung. Bei den Chewas geht das noch ein Stück weiter. Der Gule Wamkulu ist ein Tanz, bei dem die geehrten und gefürchteten Tänzer in fantasievollen Kostümen aus verschiedenen Lederstreifen, Holz- oder Pappmachémasken, Federn und vielem mehr auftreten. Die Tänzer gehören einem Geheimbund an, niemand außerhalb darf wissen, wer sich hinter der Verkleidung verbirgt. Für den Touristen ist es nicht einfach, solchen Tänzen zuzusehen, da die Zeremonien in der Regel nicht für Besucher geöffnet sind. Hier in der Mua Mission bekamen wir jedoch die Chance, eine Tanzdarbietung mit klassischen Tänzen der Ngoni und einige Charaktere der Chewa zu erleben. Dafür nahmen wir auch eine Extra-Nacht in der schönen Umgebung in Kauf, die uns allerdings mal wieder an die sanitären Grenzen brachte, da das Plumpsklo des Nachts von Schwadronen von Kakerlaken bevölkert war. Da außerdem unter dem Loch im Fußboden im Lichte der Taschenlampe noch zahlreiche Fledermäuse herumschwirrten, zog ich es vor, es wie die Hunde (und Vater Claude...) zu machen und den Garten zu wässern. Der kanadische Missionar hat sich dem Sammeln und Katalogisieren der zahlreichen verschidenen Masken verschrieben und nach vierzigjähriger Recherchearbeit den besagten Bildband herausgebracht. Ihm selbst wurde die Ehre zuteil nach einem Initationsritus Mitglied des Geheimbunds zu werden und so trägt er zusätzlich den Namen "Chisale".

Üblicherweise erfolgt ein Gule Wamkulu auf Antrag der Dorfvorsteher anlässlich von Beerdigungen, Initationsriten von Mädchen und Jungen zu Erwachsenen, die Vertreibung von bösen Geistern oder Krankheiten wie Malaria oder Aids oder auch der Krönung des neuen Chiefs. Es gibt auch politische Themen und ständig werden neue Charaktere erschaffen. So gibt es auch eine Maske, die Präsident Obama darstellt. Diese verstaubt nun aber zusehends. Manche Charaktere sind böse, andere harmlos. Alle sind umgeben von Geheimnis und Intrige. Gule Wamkulu symbolisiert das Spektrum der Emotionen und Handlungen des Lebens.

Für uns war Gule Wamkulu ein ganz besonderes Stück Afrika.

 

22 Gule Wamkulu
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