Da wir uns entschieden haben, über Tansania komplett zu berichten, müssen wir in unserer Reise wieder etwas zurück gehen.

Froh, das so gut durchorganisierte, aber dennoch für uns etwas schwierige Ruanda zu verlassen, beschlossen wir, noch abends die Grenze zu Tansania zu überqueren. Die Beamten waren ausgesprochen freundlich, die Formalitäten vollkommen problemlos. Alles spielte sich im selben Gebäude ab, so dass Michael und ich uns zeitsparend an getrennten Schaltern anstellen konnten. Die nette Muslimin hatte überhaupt kein Problem damit, dass ich Michaels Visum-Antrag unterschrieb, sie meinte, wir seien ja eins, da könnte ich auch für ihn unterschreiben. Der ruandische Immigration-Beamte war hingegen ein ernsthafter Mann, der mich gleich nach den Eindrücken seines Landes befragte. Diplomatisch antwortete ich, dass das Land sehr schön sei, worauf er sofort konterte, "but a lot of people!". Daraufhin wollte er wissen, was Afrika meiner Ansicht nach brauche, und wir waren uns schnell einig, dass das Bevölkerungswachstum das größte Problem auf dem Kontinent ist. Außerdem sei Bildung unerlässlich. Michael fragte er später, was es brauche, um einen Job zu bekommen. Auch hier war die Anwort Bildung!

Gleich der erste Eindruck von Tansania war sehr positiv, die Menschen am Wegesrand freundlich und offen. Die Landschaft hatte sich sofort komplett verändert. Anstelle der blühenden dichtbesiedelten Landschaft war menschenleeres Buschland getreten. Für uns herrlich, hatten wir doch keinerlei Probleme, einen schönen und sicheren Schlafplatz zu finden – das wäre in Ruanda in "wilderness" undenkbar gewesen! So standen wir nicht einsehbar von der Straße unter einem fantastischen afrikanischen Sternenhimmel. Am nächsten Tag fuhren wir die lange Strecke nach Mwanza, der zweitgrößten Stadt in Tansania, direkt am Viktoriasee gelegen. Zwischendurch wurde die Strecke mal wieder katastrophal, dann jedoch auch wieder sehr gut, was allerdings haufenweise Polizeikontrollen mit sich brachte. Autofahren in Tansania macht keinen großen Spaß, wird die Geschwindigkeit doch ständig auf 50 km/h reduziert, häufig schon Hunderte von Metern vor einem Ort. Aufgehoben wird dafür nicht zuverlässig, so dass man immer schauen muss, wie schnell man fahren darf. Ununterbrochen finden Kontrollen statt. Entweder wird geblitzt oder nur der Führerschein kontrolliert oder die beiden Warndreiecke oder der Feuerlöscher oder die Versicherung oder alles zusammen. Das ist natürlich einigermaßen lästig. Obwohl Michael furchtbar aufpasste, erwischte es ihn doch und er übersah ein 50-er Schild hinter einem parkenden LKW. Glücklicherweise sind die Strafen wenigestens gering, so dass wir lediglich umgerechnet 15 Euro zahlen mussten, obwohl er fast 80 gefahren war. Im späteren Verlauf passierte uns das dann noch mal das ein oder andere Mal... Doch zur Ehrenrettung der tansanischen Verkehrspolizei sei angemerkt, dass sie fast durchweg äußerst freundlich und höflich, sogar deeskalierend waren.

In Mwanza angekommen fanden wir einen schöne Stellplatz am Yachtclub, direkt am Wasser. So konnten wir bei einem kühlen Bier die wunderbare Abendstimmung genießen. Fischer glitten in ihren Schilfkähnen über den See. Im Restaurant bestellten wir zwei leckere Fische, die hervorragend schmeckten. Auf dem Rasen standen gedeckte Tische unter Zelten, die 50 Meter voneinander aufgestellt worden waren. Wir waren sehr gespannt, was da gefeiert wurde, fanden es allerdings nicht heraus. Dafür erlebten wir jedoch, dass Männer und Frauen getrennt voneinander saßen, bei den Männern floss der Alkohol und hob die Stimmung, bei den Frauen war das alles eine etwas langweilige Veranstaltung. Da hätte ich mit meinen Mädels mehr Spaß gehabt. :-) Mwanza zeichnet sich durch ein besonderes Flair aus, befinden sich doch einige Hindu-Tempel in der Stadt direkt neben Moscheen. In Tansania gibt es ungefähr ebenso viele Christen wie Moslems, andere Religionen sind wenig vertreten. Es gefiel uns gut, wie die verschiedenen Gotteshäuser nebeneinander standen und ein freundlicher Hindu zeigte uns gleich begeistert seinen Tempel.

Doch nun stand ein besonderes Highlight auf unserem Programm, das jedem Deutschen unserer und unserer Elterngeneration bekannt sein dürfte – die Serengeti! Jeder erinnert sich an Bernhard Grzimek, der mit seiner näselnden Stimme und dem Satz: "Guten Abend, meine lieben Freunde" seine Sendung "Ein Platz für Tiere" begann. Auch der Film "Die Serengeti darf nicht sterben" seines während der Dreharbeiten tödlich verunglückten Sohnes Michael ist Erinnerung an die Kindheit. So freuten wir uns riesig, dieses besondere Tierreservat zu besuchen. Da wir uns entschieden hatten, bis nach Moshi zu fahren, damit ich den Kilimandscharo sehen konnte, mussten wir die Serengeti nicht nur queren sondern auch die sich anschließende Ngorongora Conservation Area durchfahren. In dieser befindet sich etwas Besonderes: Der Ngorongoro Krater, ein riesiger Vulkankrater mit See, in dem sich wohl die höchste Raubtierdichte der Welt befindet. Am Eingangstor zur Serengeti angekommen, waren wir erst enmal positiv überrascht. Gegen unsere Befürchtungen mussten wir für den Landi keinen "Ausländerpreis" zahlen, so dass wir "lediglich" 270 $ los wurden. Die Strecke zum Public-Camp-Bereich führte 140Kilometer weit durch wunderschöne Landschaft. Zahlreiche Huftiere, Gazellen, Antilopen und Zebras bevölkerten die liebliche Waldlandschaft. Leider brach wie in Äquatornähe üblich nicht nur die Dunkelheit sehr schnell herein sondern auch der Regen. In Tansania hatte uns die Regenzeit schon eingeholt und so waren die Tage eher bedeckt. Doch jetzt schlug ein Gewitter los mit Sturmböen und heftigsten Schauern, so dass der Weg kaum noch zu sehen war. Die kleinen Flüsse traten blitzschnell über die Ufer und als wir eine Brücke passieren mussten, war vor lauter Wassermassen kein Weg mehr zu erkennen. Zum Glück entschieden wir uns richtig und erreichten sicher die andere Seite. Im strömenden Regen erreichten wir bereits im Finstern unser Camp und räumten schnell für die Nacht um. Glücklicherweise ließ der Regen nun nach und wir konnten den Geräuschen der Nacht lauschen – Löwenbrüllen in nächster Nähe. Dann wieder das Trompeten von Elefanten. Das alles in einem nach allen Seiten offenen Camp, und wir natürlich am äußersten Rand des Graslandes. Von einem Ranger war auch nichts zu sehen, dem war es wahrscheinlich zu nass. Wir bewaffneten uns also mit unseren Stöcken, die Michael nach der Pavian-Attacke in Äthiopien gesucht hatte und leuchteten regelmäßig in die Dunkelheit. Glühende Augen beobachteten uns, wir konnten nicht identifizieren, welchem Tier sie gehörten. Den nächtlichen Klo-Gang verkniffen wir uns lieber. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Osten und wir erreichten die Savanne – und die Gnus. Die Migration der Gnuherden in der Masai Mara in Kenia ist weltberühmt, doch auch außerhalb dieser Zeit müssen sich die Tiere ja irgendwo aufhalten. Nun – sie waren hier. Zu Zig- nein sogar Hunderttausenden. Was für ein Bild! Am Mittag erreichten wir das Ausgangsgate der Serengeti, das gleichzeitig das Eingangsgate zur Ngorongoro-Conservation-Area darstellt. Wir wussten, dass wir hier noch einmal zu zahlen hatten, doch wir waren geschockt, als wir hörten wieviel. Inclusive des Kraters mussten wir fast 600 $ berappen! Für einen Tag! Das ist einfach zu viel, vor allem für das Gebiet außerhalb des Kraters, das wenig Wildtiere und dafür viele Rinderherden aufweist, außerdem zahlreiche Massai, die ständig versuchen das Auto zu stoppen, um sich für Fotos bezahlen zu lassen. Von unserem Patensohn Matovu hatten wir in Uganda ja zwei riesige Bananenstauden geschenkt bekommen und so konnten wir bei den Massai-Kindern eine neue Währung aushandeln: Foto gegen Banane! Da diese Kinder in der kargen Natur aufwachsen, war diese Frucht für sie eine ganz besondere Köstlichkeit. Endlich kamen wir zu einem Aussichtspunkt, bei dem man in den Krater hineinsehen konnte. Fast unwirklich schön lag er da. Wir freuten uns auf den nächsten Tag. Die Nacht verbrachten wir zehn Kilometer vom Krater-Eingang entfernt im Public Camp Simba A. Wir wollten am nächsten Morgen gleich um 6 Uhr am Gate stehen, um die Morgenstimmung im Krater auszunutzen. Büffel und Zebras weideten friedlich neben den Zelten und Autos. Zwei Ranger kamen vorbei, um uns zu bitten die Bananen vom Dach zu holen, da regelmäßig des Nachts Elefanten ins Camp kommen würden. Mit Affenattacken hatten wir ja gerechnet, aber ein Elefantenrüssel auf dem Dach erschien uns nicht wirklich erstrebenswert. Außerdem warnten sie uns davor, weiter in den Dschungel zu gehen, da hier zahlreiche Büffel und Leoparden lebten. Der eine der beiden Ranger war ganz begeistert von unserem Landi. Die Zeit dieses Methusalems ist auch in Afrika leider weitestgehend vorbei, auch diesen Kontinent hat der Toyota inzwischen erobert. Doch wir stoßen immer wieder auf Menschen, die wie wir dieses Auto lieben und der guten alten Zeit hinterher trauern.

Am nächsten Morgen stellten wir den Wecker bereits auf 4.50 Uhr, um pünktlich um 5.30 Uhr die halbstündige Fahrt zum Eingangsgate des Ngorongoro-Kraters zu starten. Was waren wir verstimmt, als wir an der Ausfahrt unseres Camps standen, und der Nachtwächter uns mitteilte, dass wir vor 6 Uhr nicht los dürften, kein Tor im Park würde vor 6 Uhr öffnen. So ein teures Eintrittsgeld ohne dafür wenigstens eine Karte mit eingezeichneten Wegen zu bekommen und dazu noch die Fehlinformation, um 6 Uhr einfahren zu dürfen, das war schon ärgerlich. Doch da es nun mal nicht zu ändern war, warteten wir mehr oder weniger geduldig und erreichten schließlich als zweites Auto die Zufahrt. Steil ging es hinab in der beginnenden Morgendämmerung, eine fast mystische Schönheit hatte sich auf die Landschaft gelegt. Kaum gab es Bäume oder Sträucher, der Blick glitt über die Ebene und unzählige Tiere, Antilopen, Gazellen, Zebras, Hyänen, Schakale und und und. Wir fuhren verschiedene Wege ab und entdeckten schließlich eine Löwin auf einem Hügel, ruhig über das Land blickend. Rosafarbene Flamingos standen im Kratersee, die Tierwelt Afrikas hatte sich auf diesem Fleckchen Erde versammelt. Wir waren hingerissen! Die Mittagspause verbrachten wir auf einem schönen Picknickplatz mit Blick auf eine stattliche Anzahl Hippos in einem kleinen schlammigen See. Kurz vor unserer Weiterfahrt beschlossen einige, ihr ruhiges Dösen aufzugeben und gingen maulaufreißend aufeinander los. Was für ein Spektakel!

Unsere Begeisterung stieg ins Unermessliche, als wir schließlich auf zwei kapitale Löwenmännchen direkt neben der Straße stießen. Wir hatten die beiden schon einige Stunden zuvor im hohen Gras liegen gesehen, doch nun hatten sie sich freundlicherweise in den Schatten eines Baumes gelegt, so dass wir ihnen keinen halben Meter entfernt ins Angesicht blicken konnten. So hatte sich für uns der hohe Aufpreis für den Krater in jedem Fall gelohnt.

Nach der Ausfahrt fuhren wir direkt weiter über Arusha nach Moshi, dem kleinen Städtchen, das von der Besteigung des Kili lebt. Von hier aus wollten wir am nächsten Tag die Teil-Umrundung des Berges starten. Die gewählten kleinen Wege führten uns zunächst in die Vorbergwelt und unser Pfad wurde immer schmaler. Die Menschen am Wegesrand blickten uns erst überrascht an und strahlten dann über das ganze Gesicht. Hier verirrte sich wohl selten ein Auto hin! Schließlich versperrte uns ein Baum den Weg, ließ sich aber glücklicherweise geradeso umfahren. Wir waren doch ganz erleichtert, als wir den Pass und die Abfahrt auf der anderen Seite erreicht hatten. Doch als wir das nächste Dorf erreichen, in dem wir eine Brück passieren mussten, war es dann doch passiert. Die Brücke wurde neu gebaut, die einzige Strecke über den Fluss unpassierbar. So mussten wir wieder auf die Hauptstraße zurück, um auf regulärer Straße erneut den Weg um den Berg zu finden. Hier waren wir allerdings schnell entnervt, als uns wieder eine Polizeikontrolle nach der nächsten stoppte. Nachdem ein Polizist die Radarpistole hob und Michael anzeigte, 5km/h zu schnell gefahren zu sein, weigerte der sich zu bezahlen – war er sich doch ganz sicher, die erlaubte Geschwindigkeit nicht übertreten zu haben. Motor aus, Arme verschränkt – Nein! Der Polizist beschloss daraufhin, für 5 km/h keine weiteren Verwicklungen zu riskieren und ließ uns ziehen. Nachdem wir einige schöne Blicke auf den Berg erhaschen durften, zwar nicht wolkenfrei, dafür aber wolkenarm, waren wir doch erleichtert, als wir die kleine Grenze nach Kenia erreichten, die in unserer Tansaniakarte nicht eingezeichnet war.

Nach unserem Aufenthalt in Nairobi und dem schönen Tiwi-Beach im Süden Mombasas (siehe Kenia-Blog), erreichten wir ein zweites Mal die Grenze zu Tansania. Bei der Ausreise gab es etwas Konfusionen, da wir auf kenianischer Seite wohl ein Roadfee zu zahlen gehabt hätten, was allerdings niemand von uns verlangt hatte, so dass wir es beide Male nicht getan hatten und jetzt auch nicht mehr tun wollten. Nachdem diese leidige Diskussion zu unseren Gunsten entschieden war, ging es auf die tansanische Seite. Da unser Visum noch gültig war und wir Ostafrika nicht verlassen hatten, brauchten wir kein erneutes Visum beantragen sondern lediglich die Straßennutzungsgebühr entrichten. Zum ersten Mal auf unserer Reise mussten wir hier unsere Impfbücher mit der gültigen Gelbfieberimpfung vorzeigen.

Da das Wetter an der Küste noch traumhaft war und es im Rest des Landes bereits regnete, beschlossen wir, unseren Urlaub auf tansanischer Seite fortzusetzen und der Empfehlung unserer neuen Reisefreunde aus Südafrika zu folgen. Iain und Solveig hatten wir ja am Tiwi-Beach in Kenia kennen gelernt und sie hatten uns von Peponi Beach bei Pagani vorgeschwärmt. Als wir dort eintrafen, freuten sie sich riesig, dass wir ihrem Vorschlag gefolgt waren. Mit ihrem "Twiga-Penthouse" (Twiga heißt Giraffe auf swahilisch) standen sie in erster Reihe und wir verbrachten gemeinsam wunderbare Urlaubstage. Der Sandstrand war durchlöchert von Krebslöchern, und die kleinen Tierchen tummelten sich dort in Hundertscharen. Bei der geringsten Vibration verschwinden sie blitzschnell in ihren Löchern, was sehr witzig anzusehen ist. Die faule Zeit verbrachten wir mit Lesen, Baden, Spaziergängen zu den Fischern, die bei Ebbe ihre Netze flickten und ihre Boote ausbesserten und netten Gesprächen und saugten die Sonne noch einmal richtig auf. Doch schon in unserer letzten Nacht am Meer brach ein starkes Unwetter auch über die Küste herein, so dass uns der Abschied vom "Sommerurlaub" leicht gemacht wurde.

Eigentlich hatten wir geplant auf der Küstenstraße über Bagamoyo nach Daressalam zu fahren, allerdings mussten wir das Unterfangen ärgerlicherweise am Tor eines Nationalpark aufgeben, durch den der Weg verlief und der uns wieder viel Geld gekostet hätte. Dieser Umstand brachte uns einen Umweg von 150 Kilometern ein, was natürlich nicht gerade zu unserer guten Laune beitrug. Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Bagamoyo, die ehemalige deutsche Hauptstadt der dunklen Kolonialzeit (1888 bis 1891), bevor diese nach Daressalam verlegt wurde. Die Gründung reicht bereits ins 8./9. Jahrhundert zurück. Ende des 18. Jahrhunderts war sie ein wichtiger Handelshafen für Elfenbein und Sklaven, die vom Hinterland geraubt und zum Weiterverkauf nach Sansibar gebracht wurden. Der Name Bagamoyo bedeutet "Leg dein Herz nieder", da die armen verkauften Menschen ihre Heimat niemals wiedersahen.

Wir wussten, dass es neben einigen leider inzwischen dem Verfall preisgegebenen Gebäuden auch noch einen Soldatenfriedhof geben solle. Was wir nicht wussten war, dass für Ausländer wohl ein Eintrittsgeld zu entrichten ist, ohne das nichts fotografiert werden darf. Die Tourist-Information war leider geschlossen, ein dienstbarer Geist, der uns gerne herum geführt hätte, ließ uns freundlich ziehen, ebenfalls ohne diese Info. Da es bereits recht spät war, wollten wir lediglich zwei/drei kurze Stopps machen und dann weiter in die Hauptstadt. Beim Fotostopp am ehemaligen deutschen Verwaltungsgebäude stürzten sich sofort eine Anzahl Andenkenverkäufer auf uns, wollten uns Souvenirs verkaufen und Geld für ein Foto. Wir fuhren weiter, knipsten von der Straße aus und suchten den Soldatenfriedhof direkt am Meer. Beim Halten passierte es dann: Ein Motorrad raste heran, ein Mann blockierte die Beifahrertür und brüllte uns sofort an. Wir wussten überhaupt nicht, was er von uns will, ich zwängte mich aus dem Türspalt und Michael fragte, wer er überhaupt sei und was er wolle. Weiter schrie er, dass wir bezahlen müssten, wir dürften nichts fotografieren und überhaupt nicht da sein. Inzwischen war Michael auch wütend geworden, denn der Motorradfahrer war so auf 180, dass er jedes normale Gespräch, das die Situation hätte bereinigen können, verweigerte. Ich beschloss, die Gelegenheit zu nutzen und und betrat den Friedhof, um wenigstens einen Moment die Gräber der jungen deutschen Soldaten zu besuchen, die während eines Aufstands der Bevölkerung in einem falschen Krieg für eine falsche Sache ihr Leben lassen mussten. So konnte ich auch wenigstens einige Handyfotos machen, da Michael nicht mehr zum Fotografieren kam. Der Typ war natürlich noch mehr wütend, als ich wieder kam, da ich einfach gegangen war. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass es sich hier um einen Friedhof handele, und es wohl doch erlaubt sein müsse, deutsche Soldatengräber zu besuchen. Daraufhin schrie der Mann mich an, dass wir keine Kolonialherren mehr seien und ihm nichts zu sagen hätten. So Leute wie uns wolle man in Bagamoyo nicht haben. Die ganze Diskussion war völlig aus dem Ruder gelaufen, der Mann keinem Argument zugänglich und wir ebenfalls furchtbar wütend, da wir kein Gehör fanden und zahlreiche deutsche Institutionen verschiedene Projekte in der Stadt finanzieren. Wir fühlten uns hier als Weiße diskriminiert. Wir hätten selbstverständlich sofort den verlangten Eintrittspreis bezahlt, wenn er uns einmal genannt worden wäre. Doch so eskalierte die Situation und wir waren froh, als wir die Stadt hinter uns gelassen hatten. Die Kolonialzeit hat auch nach über hundert Jahren schlimme Spuren hinterlassen.

Aufgewühlt machten wir uns auf den Weg in Tansanias Hauptstadt Daressalam. Über eine kleine Autofähre (ich musste wie immer aussteigen und durfte nicht mit dem Auto mit) erreichten wir den Osten der Stadt und den Camingplatz Mikadi Beach, der nicht nur sehr schön gelegen ist, sondern auch die Möglichkeit bietet, das Auto sicher abzustellen, um Sansibar mit der Personen-Fähre zu besuchen. Allerdings verbrachten wir eine schrecklich heiße Nacht im Auto. Es gibt kaum etwas Schlimmeres. Vielleicht.. eine heiße Nacht im Auto mit Moskitos. Die hatten wir dann auch, nachdem wir leichtfertigerweise versucht hatten zu lüften. Entsprechend gerädert brachen wir am nächsten Morgen mit dem TukTuk zum Fähranleger auf. Dort kauften wir ein Ticket auf der langsamen Einheimerfähre, die in dreieinhalb Stunden ihr Ziel erreicht (statt 2 Stunden), dafür aber 10 Dollar günstiger ist. Was freuten wir uns auf zwei Nächte im Hotel mit Klimaanlage! In Stonetown, der Hauptstadt von Sansibar, angekommen, suchten wir gleich unser Hotel Al-Minar, direkt am Rande der Altstadt gelegen. 1964 hatten sich die beiden ehemalig unter britischem Mandat stehenden Staaten Tanganjika und Sansibar zum neuen unabhängigen Staat Tansania zusammengeschlossen. Dennoch hat Sansibar neben der eigenen Hauptstadt auch ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Auf der Insel leben zu 98% Muslime, was an der ehemaligen arabischen Präsenz im 19. Jahrhundert liegt. In dieser Zeit verlagerte auch der Sultan von Oman seine Hauptstadt nach Sansibar. Traurige Berühmtheit erhielt die Insel durch den seit dem 18. Jahrhundert blühenden Karawanen- und Sklavenhandel. Wie bereits erwähnt wurden die Zigtausende Menschen von den Feldern und aus ihren Dörfern geraubt, meist von anderen afrikanischen Stämmen. Häufig stammten sie vom Tanganjika- oder vom Malawisee. Ganze Landstriche wurden hierbei entvölkert. Auf Brachialmärschen wurden sie an die Küste gebracht, nach Sansibar gerudert und von dort vor allem nach Arabien verkauft. Hier waren die arabischen Händler für ihre Grausamkeit gefürchtet. Menschenleben zählten nichts, jeder war froh, wenn er selbst nicht betroffen war. Der Sklavenhandel wurde erst durch die Kolonamächte gestoppt, was den europäischen Mächten Motivation und zweifelhafte Rechtfertigung der Kolonialisierung gab. Erst viel später erfuhren wir, dass noch viele Jahre später der Sklavenhandel in dem reizenden Fischerort Pangani, bei dem wir so unbeschwert Urlaub gemacht hatten, weiter ging. In der Nähe haben Archäologen Massengräber der Opfer ausgegraben, die es nicht über das Meer geschafft haben. Leider scheint das Zusammenleben der Religionen auf Sansibar nicht so zu funktionieren wie im restlichen Tansania, denn dort kam es in der Vergangenheit zu Anschlägen auf Kirchen und christliche Mitarbeiter. Offensichtlich steckt eine radikal-islamische Gruppierung dahinter, die die Abspaltung der Insel vom Festland erreichen möchte. So war auch der Eingang zur St. Josefs-Kathedrale nur schwer zu finden, wie uns eine Einheimische berichtete, die uns zum versteckten Törchen führte: "For safety". Ansonsten atmet Stonetown den Hauch des Orients, die Straßen sind voll von Kunsthandwerk- und Souvenirshops, Malern und Schnitzern. An jeder Ecke steht ein hilfreicher Geist, der dem Tourist gerne eine Tour über die Insel, auf´s Meer oder durch die Alstadt verkaufen möchte, bei einer abschlägigen Antwort bleiben die Menschen jedoch stets freundlich und wünschen einen schönen Tag. Wir besichtigten das Palace-Museum, das zum Teil noch mit alten Möbeln aus der Zeit der Sultane eingerichtet ist, von der Terrasse hat man einen wunderschönen Blick über das Meer und die im Wind dümpelten Fischerboote. Im Mercury´s stärkten wir uns mit einer Cola – der charismatische Sänger von Queen wurde in Sansibar geboren. Auf dem authentischen Fischmarkt hielten wir es nicht lange aus, eigentlich wollten wir die alte Werft besichtigen, doch Dreck und der widerliche Gestank ließen uns bald wieder umkehren. Die hervorragend konzipierte Ausstellung am alten Sklavenmarkt bei der anglikanischen Kathedrale berührte uns sehr. Besonders erschüttert waren wir von den beiden Kellerverliesen, die noch erhalten sind. In engen kleinen Räumen, in denen es unmöglich ist, aufrecht zu stehen, wurden zwischen 50 und 70 Sklaven vor ihrem Verkauf "aufbewahrt". Was für eine Menschenverachtung! Trotzdem genossen wir die beiden Tage auf Sansibar sehr, tauchten in das Gassengewirr ein, aßen auf dem Nachtmarkt im Forodhani-Garten bei Straßenständen standesgemäß Sansibar-Pizza und tranken Saft aus Zuckerrohr, Ingwer und Limone. Zum gemütlichen Bier setzten wir uns in eine Strandbar und genossen den Abend. Nach diesem Ausflug in 1001 Nacht ging es zurück auf´s Festland, dieses Mal mit der schnellen Katamaranfähre, die in atemberaubendem Tempo über das Wasser flitzte. Zurück an unserem Mikadi-Camp fanden wir unseren Landi wohlbehalten und gut von den Massai-Guides bewacht wieder und verbrachten eine weitere heiße Nacht unter dem schönen afrikanischen Sternenhimmel.

Nun waren die letzten Tansaniatage angebrochen, zügig ging es in Richtung Süd-Westen, Malawi zu. Den Mikumi-Nationalpark quert die Nationalstraße 50 Kilometer lang und tatsächlich kostete hier der Transit überraschenderweise nichts. Dafür sahen wir unerwartet viele Tiere von der Straße aus, sogar Zebras, Elefanten und Giraffen. Auf 1500 Metern Höhe fanden wir einen wunderschönen und vor allem angenehm kühlen Schlafplatz, was in dieser dichter besiedelten Region gar nicht so einfach war. Das Panorama war traumhaft, durch die jüngsten Regenfälle leuchteten Berge und Felder in satten Grüntönen. Doch die Tansanier sind unglaublich angenehme Menschen, die frühen Feldarbeiter winkten uns am nächsten Morgen lediglich freundlich zu, jeder ging jedoch seiner Beschäftigung nach und keiner näherte sich dem Auto. Weiter ging es der Grenze zu, aufgeforstete Wälder säumten die Straße, kleine bepflanzte Parzellen setzten Farbtupfer in die grüne Landschaft. Unsere letzte Nacht in Tansania wollten wir noch einmal in der Natur verbringen. Kurz vor der Grenze bestaunten wir eine Naturbrücke, God´s bridge bei Mbeya. Leider konnte der Zuständige nur sehr schlecht englisch, was dazu führte, dass er unsere Frage nicht verstand, ob wir in der Nähe die Nacht verbringen dürfen. Freundliche Dorfbewohner liefen grüßend vorbei, keiner störte sich offensichtlich an unseren Vorbereitungen für die Nacht. Nach dem Abendessen ging ein heftiges Unwetter nieder und als wir uns gerade dem Nachtisch widmen wollten – einer köstlichen Mango– wurde unsere Idylle jäh gestört. Zwei Soldaten stiegen von ihrem Motorrad und machten uns freundlich, aber unmissverstänlich klar, dass das Armee-Gebiet sei und eine Übernachtung damit absolut unmöglich. Nicht einmal das Argument, dass wir schon Alkohol getrunken und darum nicht mehr fahren können, half – die beiden waren unerbittlich. Es wunderte uns auch nicht wirklich – so hatten wir auch die Polizisten in Tansania erlebt. Also mussten wir ziemlich frustriert im Stockfinstern zusammen packen und uns auf den Weg zurück machen. Glücklicherweise wussten wir von einem Camp, das nicht allzu weit entfernt war, so dass wir doch noch einen sicheren Schlafplatz hatten. Die Ausreise am nächsten Tag war einigermaßen problemlos, wenngleich auch die Myriaden von Geldwechslern, die sich auf uns stürzten, sobald wir das Auto in Richtung Immigration verließen, an den Nerven zerrten. Außerdem mussten wir noch 5000 TSH (ca. 2,50 €) bezahlen, um überhaupt in das Grenzgebiet einfahren zu dürfen. Das ärgerte uns natürlich ziemlich, zumal wir unsere letzten Shillinge bereits vertankt hatten und jetzt noch einmal tauschen mussten. Doch ärgern hilft ja nichts und so freuten wir uns auf neue Abenteuer in Malawi.

Tansania hat so ziemlich alles, was das wohlbetuchte Urlauberherz begehrt. Auch uns hat die Serengeti, der Ngorongoro Krater und Sansibar zum Leidwesen unserer Reisekasse verwöhnt. Andererseits haben wir als Individualtouristen auf der Straße oder im Alltag keinen Bonus erfahren und wurden wie das gemeine Volk von der Polizei terrorisiert. Die Behörden sind allerorten im wahrsten Sinne des Wortes äußerst bürokratisch. Vorschriften werden niemals hinterfragt sondern 1:1 umgesetzt. Von Korruption haben wir allerdings nichts mitbekommen, alles lief immer 100 % korrekt ab. Außerdem werden wo immer möglich 10 Dollar oder mehr an Eintrittsgeldern erhoben ohne dafür irgendeine Gegenleistung zum Beispiel in Form von Instandhaltung zu bieten. "Africa is money" – auf Tansania trifft diese Einschätzung absolut zu. Dem gegenüber sind die Menschen fast ausnahmslos sehr freundlich, zurückhaltend und lachen viel. Die Kolonialzeit ist an vielen Orten noch präsent und gerade für uns Deutsche natürlich nicht sehr angenehm. Insgesamt haben wir uns in Tansania jedoch immer wohl, willkommen und sicher gefühlt.

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