Die Weiterfahrt über die grüne Grenze nach Kenia hielt einige Aufregungen bereit, über die wir im Kenia-Blog separat berichten werden, da wir uns in diesem Land erst nur kurz aufhielten. Unser nächstes Ziel war Uganda, auf das wir aus vielerlei Gründen sehr gespannt waren. Vor neun Jahren war ich bereits mit meiner ehemaligen Kollegin Christel Henecka, Catrin, Sabine und Manuela in Kyamulibwa bei Masaka gewesen, um in einem von Christel auf- und ausgebauten Projekt zu helfen. Manu war im Anschluss drei Monate geblieben, mein Patenkind Patricia im letzten Jahr fünf Monate. Ich war gespannt, wie sich das Projekt in den Jahren weiter entwickelt hat, außerdem wollten wir unsere Patenkinder besuchen. Natürlich reizten uns in Uganda auch besonders die fantastischen Nationalparks, wenngleich diese in Ostafrika auch besonders teuer sind. Doch der Reihe nach:

Die Einreise bei Malaba verlief grundsätzlich problemlos, wenngleich uns die große Zahl von Schleppern auf kenianischer Seite furchtbar nervte. Keinen Meter konnten wir alleine zurück legen, ständig versuchte uns jemand unerwünschte Hilfe anzubieten. Auf ugandischer Seite zog sich die Prozedur lediglich durch die Begleichung der Roadtax etwas in die Länge. Zahlreiche Polizeikontrollen säumten die Straße in Richtung Kampala, zumeist wurden wir einfach durchgewunken. Auffällig waren die schönen sauberen Uniformen der Polizei, kein Vergleich zu den oft zerlumpten Offiziellen in Äthiopien. In Tororo konnten wir uns mit Internet versorgen, wieder eine langwierige Sache. Dafür stellten wir allerdings fest, dass Uganda über ein sehr gutes Netz verfügt.

Am frühen Abend erreichten wir Jinja, wo wir uns die Quelle des Weißen Nils anschauen wollten. Im Source Garden Ressort buchten wir eine Bootsfahrt zur Quelle und erfreuten uns an der Abendstimmung mit Tausenden von Vögeln. Die Quelle (die möglicherweise ja eigentlich in Burundi ist...) faszinierte durch zahlreiche Strudel und artesisch aufsteigende Wässer angeblich an der Stelle, an der der Nil aus dem Victoria-See entspringt. Auf der schönen Terrasse des Ressorts genossen wir den Abend. Am nächsten Tag fuhren wir weiter in Richtung Nordosten und hielten an den Sipi-Falls am Rande des uralten Vulkans Mount Elgon, 4321 Meter hoch. Der unterste der vier Wasserfälle ziert mit seinen 60 Metern Fallhöhe zahlreiche Kalender-Motive in Uganda, war zum Ende der Trockenzeit jedoch nicht so sehr beeindruckend. Auf immer "afrikanischer" werdender Piste durchquerten wir das Land in Richtung Norden, vorbei an ursprünglichen Hütten und Männern mit lustigen Hüten auf den Köpfen. Insgesamt machte Uganda hier einen gut organisierten und vergleichsweise wohlhabenden Eindruck auf uns. In den Dörfern standen kleine Steinhäuser, auch der Straßenbau machte einen fortschrittlichen Eindruck. Die meisten Menschen gingen betriebsam ihren Beschäftigungen nach. Durchweg freundlich wurden wir begrüßt, nur sehr wenige bettelten. Was für eine Wohltat nach Äthiopien!

In der Region Karamoja fanden wir einen wilden Stellplatz für die Nacht. Ein wenig mulmig war uns zumute, befanden wir uns hier doch im Gebiet der Karamojong, der ehemals kriegerischsten Ethnie des Landes. Sie leben halbnomadisch und nur für ihr Vieh. So gab es auch hier zahlreiche Cattle Rustlers, die von anderen Stämmen auch grenzüberschreitend nachts ganze Viehherden stahlen. Nach dem Sturz Idi Amins hatten sie zudem Zugriff zu seinen Waffenarsenalen und waren nun nicht nur in Besitz von Pfeil und Bogen, sondern auch von Kalaschnikows. In den letzten 10 Jahren wurde jedoch ein Entwaffnungsprogramm der Regierung gestartet, das wohl weitestgehend Erfolg hatte. Unsere Nacht verlief erfreulich ruhig. Am nächsten Morgen bekamen wir dann Besuch, erst von einer Gruppe Frauen, dann von einem ehemaligen Krieger in traditioneller Kleidung, der mitnichten bedrohlich war, sondern gegen eine Mango für ein Foto posierte. Wir mussten ihm erklären, wie eine Mango zu essen ist, eine solche Frucht hatte er noch nicht gesehen. Je weiter wir in den Norden vorstießen, desto einfacher wurden die Behausungen. Stromleitungen gab es irgendwann gar keine mehr, vor den Häuschen lagen Solarpaneele zum Laden von Kühlbox und Handy. An einer Tankstelle staunten wir nicht schlecht, als der Kraftstoff per Handkurbel aus dem Tank gepumpt wurde – so etwas hatten wir noch nie gesehen.

Endlich erreichten wir den "unberührtesten Nationalpark der Welt", den Kidepo Valley Nationalpark. Vergleichsweise wenig besucht ist er aufgrund seiner abgelegenen Lage im äußersten Norden im Dreiländereck Uganda, Kenia und Süd-Sudan, in den der Park auch übergeht. Nationalparks in Ostafrika sind leider extrem teuer. Mit ausländischen Fahrzeugen muss man 150 $ Eintritt bezahlen, dazu kommen dann noch einmal 40 $/pP für 24 Stunden zuzüglich der Campinggebühren. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, lediglich eine Nacht im Park zu bleiben – die hat sich aber mehr als gelohnt! Im Kidepo findet man jede Menge Tiere. Die größte Büffelpopulation Ugandas hat sich hier ebenso angesiedelt wie die unterschiedlichsten Antilopen- und Gazellenarten, Elefanten, Zebras, Giraffen, Warzenschweine, Paviane, Affen und Vögel. Allerdings besiedelt den Park bedauerlicherweise auch die aggressive Tse-Tse-Fliege, Überträgerin der Schlafkrankheit. Kaum eingefahren, griffen die Biester an, umschwirrten das Auto und versuchten einzudringen. Glücklicherweise ließen die Angriffe irgendwann nach, sonst hätten wir wenig Freude gehabt. Später erfuhren wir dann, dass im Kidepo in den letzten Jahren keine Erkrankung nachgewiesen wurde, der Stich allerdings äußerst schmerzhaft sei. Bekannt ist der Park auch für seine wunderschöne Landschaft, umgeben von Bergen und Felsen. Hier sind auch Löwen Zuhause, die gerne einmal auf die Felsen klettern und ihr Reich überblicken. Auf unserer ersten Pirschfahrt fanden wir auch drei der prachtvollen Tiere gemütlich schlafend unter einem Baum. Ein wenig mickrig sah das Kleeblatt allerdings aus und später erfuhren wir, dass es sich hier um Geschwister handelte, deren Mutter früh gestorben war, sodass sie keine guten Jäger wurden und sogar ab und an von den Rangern gefüttert werden mussten. Die Nacht verbrachten wir an einer schön gelegenen Campsite mit Blick auf die riesigen Büffelherden im grünen Narustal. Kein Tourist war am Camp, lediglich ein Ranger verbrachte die Nacht als Wächter bei uns. Am großen Lagerfeuer verbrachten wir schöne Stunden mit dem netten Sam, der uns viel über die Tierwelt des Parks erzählte. Seine Familie sieht der Ranger nur alle ein bis zwei Monate, da sie 200 km entfernt wohnt. Er wiederum war fasziniert von unseren Erzählungen aus Äthiopien, die Fotos der Omo-Völker konnte er kaum fassen. Die ganze Nacht konnten wir dem Brüllen der Löwen lauschen, die irgendwo Beute gemacht hatten und sich nun unter dem fantastischen Sternenhimmel satt fraßen. So war es in jedem Fall gut, unseren bewaffneten Ranger in der Nähe zu wissen... Am nächsten Morgen hatten wir das Glück, auf unserer zweiten Pirschfahrt auf dem "Löwenfelsen" nicht nur eine ruhende Löwin, sondern im benachbarten Baum auch einen Leparden auszumachen. Zwar leider etwas weit weg und beschirmt von Ästen, dennoch waren wir sehr zufrieden mit unserem Game-Drive.

Weiter ging es nun nach Westen durch eine wunderschöne grüne Landschaft mit der typischen roten Erde, die allerdings als feiner Staub jede Ritze des Autos fand und sich in jedes Eck setzte. Und wer den Landi kennt weiß, dass es zahlreiche Ritzen gibt... Viele winkende Kinder säumten den Wegesrand, auffällig waren die zahlreichen Schulen. Bei der Anzahl von 8 Kindern im Durchschnitt auch wenig verwunderlich. Frauen balancierten schwere Lasten auf den Köpfen, Michael half einmal einer Frau nach dem Kauf von Bananen, die Last wieder aufzuheben und war beeindruckt vom Gewicht. Fast alle Menschen sprechen Englisch, oft auch untereinander, was daran liegt, dass in Uganda zahlreiche unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. So ist Englisch die offizielle Sprache geworden.

Aufgrund der teuren Eintrittspreise hatten wir beschlossen, nicht mit dem Auto in den Murchison Falls Nationalpark zu fahren, sondern lediglich einen Launch-Trip zu den Wasserfällen zu machen. Das führte allerdings dazu, dass wir den Park weiträumig umfahren mussten. Als wir den Albert-Nil (Name des Weißen Nils zwischen Albertsee und Süd-Sudan) erreichten, machte Michael ein Foto der Brücke und der ansässigen Nilpferde, was ihm gleich Ärger mit der Polizei einbrachte. Glücklicherweise ließ sich der Polizist besänftigen, als er sah, dass wir harmlose Touristen waren. Nun ging es einige Kilometer in Richtung Kongo, bevor wir die kostenfreie Fähre wieder zurück über den Albert-Nil nahmen. Da die Fähre nur einmal am Tag ablegt, hatten wir großes Glück, eine halbe Stunde vor Abfahrt einzutreffen. Nach Registrierung in einem großen Buch und Unterschrift auf dem Handballen, mussten lediglich die Hände noch in einer Desinfektionslösung gewaschen werden, da es in der Region die Cholera gibt. Dann ging es gemeinsam mit mehreren hundert Menschen los auf die sage und schreibe vierstündige Fahrt kreuz und quer vorbei an grünen Inseln und vorbei an Nilpferden in praller Sonne. Der Wasserstand war so niedrig, dass das Schiff sich zeitweilig durch den Schlamm wühlte und fast zum Stehen kam. Wir waren ziemlich erleichtert, dass wir uns nicht irgendwo festfuhren, sondern sicher ankamen. Die kurz vor dem Main-Gate gelegene Nile Safari Lodge verfügt über eine schöne Campsite, das Shoebill-Camp. Hier organisierten wir zum einen unseren Bootstrip und genossen zum anderen einmal das Luxusleben in einer Lodge beim Abendessen mit Kerzenschein auf der wunderschönen Terrasse unter dem Sternenhimmel. Die ganze Nacht über hörten wir die Hippos auf dem Victoria-Nil (Weißer Nil zwischen Victoriasee und Albertsee) brummen. Am nächsten Tag genossen wir dann auch noch ganz unbeabsichtigt das Frühstück, da unser vermeintlich reservierter Trip am frühen Morgen bereits ausgebucht war. Um 11 Uhr konnten wir dann zum Glück aber doch noch starten. Mit dem Motorcycle ging es zu dritt inc. Fahrer zum Main-Gate, um den Parkeitritt zu entrichten und weiter zur Bootsanlegestelle. Das war ein wildes Vergnügen auf der unebenen Strecke und wir waren froh, als wir sicher ankamen. Die Tour war dann wirklich unfassbar schön, wir hatten zu zweit ein Motorboot mit einem Ranger, der an jeder interessanten Stelle stoppte und erklärte. Riesige Nil-Krokodile lagen am Ufer und glitten geschmeidig ins Wasser sobald sie das Boot kommen hörten. Große Hippo-Herden dösten im schlammigen Wasser in der Sonne und unzählige Vögel, Antilopen, Gazellen, Warzenschweine, Elefanten und Giraffen säumten das Ufer. Ein beim Kampf mit einem Konkurrenten tödlich verletztes Nilpferd lag am Ufer und wartete auf den nahenden Tod, bewacht von einem Krokodil, das auf die leicht zu erlangende Mahlzeit lauerte. Die Fahrt ging bis zu den beeindruckenden Murchison Wasserfällen und wieder zurück. Trotz der verhältnismäßig hohen Kosten für die vergleichsweise kurze Zeit im Park (40 $/pP Eintritt + 32 $/pP Bootsfahrt + 10 $ Shuttle für 3 Stunden) hatte sich der Ausflug absolut gelohnt.

Auf ordentlicher Strecke fuhren wir nun weiter in den Süden, wo wir bei Hoima im schön angelegten Garten des KonTiki-Hotels campen und den Pool benutzen durften. Das war bei der Schwüle eine willkommene Erfrischung. Denn so langsam machte sich das Nahen der Regenzeit mit der steigenden Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Durch blühende grüne Landschaften mit zahlreichen Banenstauden ging es nun auf kleinen und kleinsten Straßen nach Kyamulibwa, dem eingangs erwähnten von uns seit Jahren unterstützten Projekt.

Von der Sozialarbeiterin Jacky, mit der Patricia während ihres Aufenthaltes eng zusammen gearbeitet hatte, wurden wir herzlich empfangen. Wir bekamen einen wunderschöner Platz im Garten hinter Patricias Rundhütte für das Auto zugewiesen und gleich den Schlüssel für das Häuschen in die Hand gedrückt. Als wir das entzückende Zimmer sahen, konnten wir nicht widerstehen und quartierten uns gleich innen ein. Einige andere Deutsche, die andere Projekte in der Region betreuen und im Gästehaus wohnten, trafen eine Stunde nach uns ein, sodass an den Abenden eine nette Runde zusammen saß. Was war es für eine Freude, als plötzlich unser Patensohn Matovu vor uns stand! Weder über Facebook noch über Mail war er erreichbar gewesen, da er derzeit kein Internet hat. Dennoch hatte er von Bekannten erfahren, dass ein deutsches Auto angekommen war. Da er wusste, dass wir irgendwann 2017 zu Besuch kommen wollten, war er gleich nachschauen gekommen. Sein Versuch, uns eine Freude zu machen, ging leider gründlich daneben. Er tat uns sehr leid, als er mit zwei lebenden Hühnern vor uns stand, die in der Küche für uns zubereitet werden sollten, und wir versuchten, ihm klar zu machen, dass wir keine Tiere essen können, die eigens für uns geschlachtet werden. Wir sind uns unserer Inkonsequenz durchaus bewusst, bringen es aber einfach nicht fertig. Er konnte das weder fassen noch verstehen, doch glücklicherweise gab Jacky Hilfestellung bei diesem interkulturellen Problem. Wir verabredeten uns für den nächsten Nachmittag, um seine Familie zu besuchen. Den Morgen verbrachten wir mit Robert, dem Projektleiter vor Ort, der uns die verschiedenen Schulen zeigte, die von der Projekthilfe Uganda auf- und ausgebaut worden waren. Ein Unwetter ging nieder, als wir die St. Kizito-Primary-School besuchten, was die Kinder nicht davon abhielt, im Freien rumzuspringen und ihre Pause zu genießen. Die Schulleiterin zeigte uns das Anwesen und wir durften verschiedene Klassen- und Schlafräume besuchen. Der Höhepunkt war die Aufführung der Trommel- und Tanzgruppe der Schule, die mit viel Freude und Energie uns zu Ehren eine tolle Show bot. Die benachbarte St. Leonard-School ist eine der besten Schulen der Region und besitzt sogar einen Computer-Raum mit modernen Geräten. Auch hier wurden wir durch die Klassenzimmer geführt, das "Most Welcome, dear visitors!" schallte durch den Regen. Für diese Schule hatten meine Schwiegereltern anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit eine stattliche Summe gespendet, die in den Bau eines Schlafsaals investiert wurde. Dieses Geschenk ist durchaus noch präsent und uns wurde mehrfach dafür gedankt. Inzwischen ist die Schule gewachsen, so dass zahlreiche Betten für die Mädchen fehlen. Wir versprachen der Schulleiterin, uns nach unserer Rückkehr nach Deutschland darüber Gedanken zu machen. Als nächstes schauten wir uns das neugebaute Krankenhaus an, das erst 2013 eingeweiht wurde. Die alte Krankenstation sah noch so aus wie ich sie in Erinnerung hatte, dort werden um die 450 Menschen monatlich ambulant behandelt. Im neuen Haus gibt es Räume für HIV-Patienten, die hier monatlich ihre Medikamente erhalten, außerdem einen Impfraum. Dennoch war das Krankenhaus leider fast leer und wird von der Bevölkerung nicht gut angenommen. Robert meinte, dass in der Gegend noch viel Hexenmedizin angewendet wird. Es ist in jedem Fall sehr schade, dass hier die Anerkennung fehlt. Die Holy-Family-Secondary-School war unser nächstes Ziel, bei dem wir uns von den Fortschritten überzeugen konnten. Auch arbeitet hier unser Matovu derzeit als Aushilfslehrer, nachdem er als Bauingenieur im Moment keine Arbeit gefunden hat. Die Schulleiterin ist sehr zufrieden mit ihm. In dieser Schule fehlt es neben Schlafräumen an einer Küche mit Mensa, was wir sehen konnten, als sich die jungen Leute zur Lunch-Time im Freien anstellen mussten. In der Regenzeit mag man sich das gar nicht vorstellen. Nachdem Matovu Feierabend hatte, nahmen wir ihn gleich mit und fuhren in Begleitung von Robert zu seiner Familie. Die Eltern haben 10 Kinder und inzwischen bereits 20 Enkelkinder, weil der älteste Sohn ebenfalls schon Vater von 8 Kindern ist. Hier war wieder das größte Problem zu sehen, dem sich Uganda zu stellen hat – das rasante Bevölkerungswachstum von an die 5%. Was war das eine Freude beim Vater, als er uns sah! Wir waren sehr gerührt über die große Dankbarkeit. Die Mutter kochte Tee und servierte uns Erdnüsse und gekochte Eier – das Beste, was die Familie anzubieten hatte. Als Dankeschön bekamen wir außerdem noch zwei riesige Bananenstauden überreicht. Kurz vor unserer Abfahrt knatterte Matovus Bruder auf einem Moped an, darauf festgebunden eine riesige Staude Kochbananen. Wir hatten Matovu nach dem Hühnerdesaster gesagt, dass wir stattdessen gerne das Traditionsgericht Matoke versuchen würden, dabei aber eher an die zubereitete Form gedacht. Wir konnten ihn jetzt nicht schon wieder enttäuschen, nahmen die Staude dankbar an und übereigneten sie schließlich der Küche des Gästehauses – so hatten alle etwas davon und wir konnten das fachmännisch zubereitetes Matoke probieren. Am Abend besuchte der Pfarrer die Gäste, den wir bereits am ersten Tag im Pfarrhaus kennen gelernt hatten. Er ist ein wirklich interessanter Mann, der über die Probleme des Landes im Bezug auf den bereits über 30 Jahre regierenden Präsidenten Museveni kein Blatt vor den Mund nimmt. Er meinte, er würde den Herrgott auf den Knien anflehen, Museveni endlich zu sich zu nehmen – das wäre ein Freudentag! Eher ungewöhnliche Worte für einen Pfarrer... Er hat auch keine Hemmungen "von der Kanzel" herunter für anwesende Soldaten zu beten, die Unrecht begehen, indem sie die wertvollen Wälder abholzen, um das Holz für sich zu verkaufen. Am Samstag machte sich Michael mit Robert noch an die Besichtigung der Gewerbeschule. Viele Abteilungen laufen sehr gut, allerdings gibt es auch den ein oder anderen Verbesserungsbedarf. Robert zeigte sich Michaels Vorschlägen gegenüber sehr offen. Wir haben wirklich das Gefühl, dass hier der richtige Mann am richtigen Platz ist. Ich nutzte die Zeit, um das nach der schlechten Strecke völlig verstaubte Auto wieder etwas in Schuss zu bringen und auf den Besuch unserer Patentochter Nambatya zu warten. Sie hatte sich mit Sammeltaxi und Motorcycle auf den langen Weg von Kampala gemacht, um uns zu sehen. Aus dem schüchternen kleinen Mädchen, das ich vor neun Jahren kennen gelernt hatte, war eine junge attraktive Frau geworden. Sie studiert Finanzwesen und arbeitet in ihrer wenigen freien Zeit, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, da unser durchaus hoher monatlicher Beitrag lediglich die Studiengebühren deckt. Da sie ihre Großmutter telefonisch nicht erreichen konnte, machten wir uns auf zu einem Überraschungsbesuch. Nambatyas Eltern sind früh verstorben, und ihre Großmutter ist darum alles für sie – Mutter, Vater, Großmutter und Großvater. Durch die hohen Fahrtkosten kann Nambatya während des Semesters ihre Oma kaum besuchen. Was war das für eine Freude, als sie sich wieder sahen! Und als die Großmutter uns sah, konnte sie sich vor Begeisterung gar nicht mehr fassen. Ihr standen Tränen in den Augen, sie umarmte uns immer wieder, warf die Hände in die Luft. Einige Verwandte waren zufällig anwesend, außerdem Freunde der Familie, sie alle schüttelten uns immer wieder die Hand. Wir waren unglaublich gerührt. Schnell organisierte die Oma ein Geschenk für uns, einen wunderschönen geflochtenen Teppich, wie er in Uganda so typisch ist. Begeistert besah sich die Familie unser kleines Fotobuch, Nambatya erklärte stolz alle Familienmitglieder aus Deutschland. Wieder einmal hatte sich das Büchlein mehr als bezahlt gemacht. Nach dem ergreifenden Besuch verbrachten wir noch einige schöne Stunden mit Nambatya, bevor sie sich auf den langen Weg zurück in ihre bescheidene Unterkunft in Kampala machte. Am nächsten Tag hieß es leider Abschied nehmen von diesem herzlichen Ort mit seinen wunderbaren Menschen. Wir sind sicher, dass wir wieder kommen!

Als nächstes stand ein besonderes Highlight auf unserem Reiseprogramm, nämlich das Gorilla-Tracking im Bwindi Impenetrable National Park. Die Straße von Masaka nach Westen ist sehr gut ausgebaut und ließ uns schnell voran kommen. Zum Teil auch zu schnell, denn auf einmal winkte uns ein Verkehrspolizist mit Radarpistole in der Hand an den Straßenrand. In Uganda gibt es häufig Geschwindigkeitsbegrenzungen, die nicht wieder aufgehoben werden. So war Michael davon ausgegangen, wieder 80 km/h fahren zu dürfen und mit 87 km/h geblitzt worden. Unglücklicherweise waren an der Stelle allerdings nur 50 km/h erlaubt. Nun hatte es uns also korrekt erwischt und wir sollten 200 000 UGS bezahlen, umgerechnet ca. 60 Euro – eine stattliche Summe, belegt durch die Gebührentabelle, die uns auch gleich vorgelegt wurde. Tatsächlich war das unser letzte ugandisches Geld, was wir mittels Geldbeutel auch belegen konnten. Michael entschuldigte sich und fragte, ob man diese hohe Summe nicht reduzieren könne, da er wirklich nicht wusste, dass er nicht schneller fahren durfte. Er ergänzte aber sofort: "I don`t want to corrupt you", was wir auch in keinem Fall gewollt hätten. Dieser Satz hat dem Polizisten wohl gefallen, denn plötzlich sagte er "Go!" 50 Kilometer weiter dann eine ähnliche Situation und doch ganz anders. Wieder wurden wir gestoppt, wieder von einem Polizist mit Radarpistole. Dieses Mal hatte Michael aber genau aufgepasst und wusste, dass er nicht zu schnell gefahren war. Als der Polizist uns den überhöhten Wert auf der Pistole zeigte, verneinte Michael diesen vehement. Auch hier schickte uns der Polizist wieder weg, allerdings hatten wir den Eindruck, dass er uns vielleicht gerne abgezockt hätte.

Im Bwindi-Nationalpark leben über 400 der letzten Berggorillas Afrikas in verschiedenen Familiengruppen zusammen. Ca. 20 Gruppen leben wild, eine wurde für Forschungszwecke und 11 für Touristen habituiert. Tickets für dieses besondere Erlebnis sind nicht nur sehr teuer, sondern auch schwer zu bekommen, bereits 24 Monate vorher kann man sie bei der Uganda Wildlife Agency (UWA) buchen. 80% der Karten werden über Reiseagenturen vertrieben. Natürlich konnten wir nicht Monate im Voraus sagen, wann wir im Bwindi eintreffen würden und versuchten darum mehrfach per Mail anzufragen, ob in unserem Zeitraum freie Plätze verfügbar seien. Leider bekamen wir nie eine Antwort, sodass wir uns einfach auf gut Glück auf den Weg in den Nationalpark machten. Beim Main Gate angekommen, erfuhren wir, dass das Headquarter bereits geschlossen sei, wir aber am nächsten Morgen kommen sollten, um nach verfügbaren Tickets – möglicherweise in einem anderen Teil des Parks – zu fragen. So suchten wir eine nahe gelegene Campsite, deren Manager uns versprach, seine Kontakte spielen zu lassen, um uns noch am gleichen Abend zu sagen, ob wir erfolgreich sein würden. Und er hatte Erfolg! Am nächsten Morgen wollte er um halb acht mit uns zum Hauptquartier gehen, um alles klar zu machen. Wir konnten es kaum glauben, stellten den Wecker auf 6 Uhr und waren gespannt auf den Folgetag. Der begann erst einmal gar nicht wie erwünscht, der Wecker läutete nämlich nicht und wir wachten nicht um 6 Uhr, sondern um Viertel nach sieben auf! Natürlich war kein Vesper gerichtet, Klamotten und Wanderstöcke fehlten. Wir hatten genau 15 Minuten, um alles an den Start zu bringen und uns ohne Frühstück auf den Weg zu machen. Wir wissen nicht so recht, wie das mit den Karten gelaufen ist, schließlich hielten wir unsere zwei Tickets in Händen und hatten sogar noch einen Discount von 100 $ erhalten, da wir ein "Canceled Ticket" bekommen konnten. Allerdings waren mit uns in unserer Trackinggruppe plötzlich 10 statt der eigentlich zulässigen 8 Personen... Wir waren der Mubare-Gruppe zugeteilt worden, der am längsten habituierten und damit besonders freundlichen Gruppe. Von anderen Reisenden hatten wir gelesen, dass sie beim Tracking zu dieser Gruppe den Verdacht hatten, einer großen Gaunerei aufzusitzen, da die Tiere bereits nach kürzester Zeit in der Nähe des Dorfes gesichtet und sie eine Stunde im Kreis herum geführt wurden. Das hätte mir ja gar nicht so schlecht gefallen – doch es kam anders! Wir wanderten drei Stunden durch den Regenwald, erst bis ganz nach oben, dann durch schmale Schneisen immer weiter in die Wildnis. Häufig musste der Guide den Weg mit der Machtete frei schlagen. Die Tracker, die die Tiere aufspürten, teilten mit, dass die Gruppe von Waldelefanten gestört und darum weiter gezogen sei. Endlich war es soweit – wir hatten die Gorillas erreicht. Nach den letzten Instruktionen (nicht näher als 7 Meter herangehen, leise sprechen, keine hektischen Bewegungen, etc.) trafen wir auf die faszinierenden Tiere. Die Mubare-Gruppe besteht aus einem Silberrücken, dem männlichen Leittier und 13 weiteren Berggorillas, darunter vier Babys. Gemütlich fraßen die Tiere Blätter ohne sich von uns im mindesten aus der Ruhe bringen zu lassen. Nachdem wir die ersten Weibchen mit ihren Babys gebührend bewundert hatten, stiegen wir ein Stück weiter zum Silberrücken. Auch er fraß ungerührt, immer wieder umringt von seinem kleinen Sohn, der dem Vater kaum von der Seite wich. Plötzlich kam Bewegung in die Sache. Der Silberrücken marschierte auf unsere Gruppe zu, lief mitten durch uns hindurch. Nicht einmal einen halben Meter von mir entfernt, blieb er stehen. Ich hätte ihn kraulen können, so nah war er. Dann ging er langsam weiter, um sich einen neuen Busch zu suchen, dessen Blätter er abfressen konnte. Sein Söhnchen folgte ihm und schließlich kam auch dessen Mutter aus dem Wald und legte sich keine drei Meter von uns entfernt auf den Boden. Der Kleine kletterte auf sie und trank genüsslich aus der Brust. Was für ein Erlebnis! Schließlich hatten die Alten erst einmal genug gefressen und zogen sich zum Mittagsschläfchen zurück. Dabei schlief der Chef so tief und fest, dass er sich weder von seinem Baby aus der Ruhe bringen ließ, dass ihm ununterbrochen auf die Brust trommelte, noch von seinen beiden anderen Kindern, die über ihm durch den Wald turnten und Äste regnen ließen. Nur das vierte Baby war noch zu klein zum Blödsinn machen, es blieb die ganze Zeit bei der Mama. Eine Stunde lang durften wir diese faszinierenden Tiere beobachten, in ihrer Nähe bleiben. Eigentlich wurden die 7 Meter fast dauerhaft unterschritten, allerdings meist von den Tieren selbst, die uns Menschen komplett ignorierten. Mit dem letzten Foto begann der Regen – was hatten wir für ein Glück gehabt! Nach einer Lunchpause ging es auf den langen Rückweg, insgesamt waren wir 7 Stunden unterwegs im Wald und kehrten schließlich mit vielen begeisterten Eindrücken und einem Zertifikat in Händen in unser Camp zurück.

Unseren letzten Abend in Uganda verbrachten wir am schönen Lake Bunyoni, traumhaft gelegen zwischen Hängen, die bis zum Ufer hinunter bewirtschaft sind. Hier wächst in tropischer Fülle von Kohl bis Banane alles was das Herz begehrt. Da uns die Regenzeit inzwischen erreicht hat, sind die Abende nicht mehr ganz so gemütlich und warm, dafür gab es Myrriaden von Lake-Flies (zum Glück aber noch keine Moskitos). Doch wir genossen nachts die Kühle, die uns gut schlafen ließ.

Uganda ist aufgrund seiner natürlichen Ressourcen die Perle Afrikas, so hat Winston Churchill einst über Uganda gesprochen. Für uns war es das erhoffte faszinierende Reiseziel. Mit seinen fantastischen Nationalparks, seinen wunderschönen typisch afrikanischen Landschaften und nicht zuletzt mit den durchweg freundlichen und fröhlichen Menschen war es ein sehr schönes Reiseland. Uganda hat uns mit seiner unglaublichen Anzahl an Grüntönen überrascht. Insofern hatte Churchill sicher recht. Der Besuch des Hilfsprojektes in Kyamulibwa hat uns darin bestätigt, wie wichtig solch ein Projekt für die Menschen hier ist. Auch wenn man das System nicht ändern kann, so bringt man doch ein wenig Hoffnung in das Leben der Menschen. Unsere Patenkinder sind inzwischen erwachsen und haben eine gute Chance erhalten für sich und ihre Familien das Leben ein wenig besser zu machen. Das Gorilla-Tracking war absolute Weltklasse und die Nähe zu den Tieren, die sich überhaupt nicht von den Menschen beeindrucken ließen, bleiben ein unvergessliches Erlebnis. Uganda auch!

17 Uganda - 17. Februar bis 1. März 2017
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