Djibouti – ein Land, das es zwar gibt, in dem man aber nicht gewesen sein muss...

Nach unseren spannenden Erlebnissen in Somaliland, freuten wir uns auf die nächste Station unseres spontanen Abstechers am Horn von Afrika – Djibouti. Die Ausreise verlief auf somalischer Seite genauso entspannt wie die Einreise, offensichtlich ist es der Regierung gut gelungen, die Bürokratie zu minimieren. Wir freuten uns schon, als wir die gute Asphaltstraße auf der djiboutischen Seite sahen. Nach den letzten 200 Kilometern eine willkommene Abwechslung! Ein hochmoderner Neubau für Immigration und Customs empfing uns, wir konnten nicht ahnen, welche Aufregung er für uns im Innern bereit hielt.

Wir parkten das Auto vor dem Gebäude und wurden freundlich gebeten, die Pässe abzugeben und zu warten. Das war zwar ungewöhnlich, aber noch nicht wirklich beunruhigend, wir setzten uns also in den Wartebereich und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Sie kamen in Gestalt eines jungen Officers, der sich zu uns setzte und in gutem Englisch nach unserer Reise befragte. Zunächst lief alles wie immer, wenn sich Menschen für unseren Trip interessieren. Doch manche Fragen kamen uns schon etwas merkwürdig vor, zum Beispiel, ob wir arabisch sprächen, wie die Grenzstationen seien, wir würden das doch bestimmt aufschreiben, was wir so erleben... Wir kamen uns immer mehr ausgehorcht vor und später verstärkte sich der Eindruck noch, hier dem unauffälligen Verhör eines Geheimpolizisten ausgesetzt zu sein. Auf unsere Frage, wie es denn nun weiterginge und wo unsere Pässe seien, vertröstete er uns, alles nähme seinen Gang. Schließlich kam ein Mitarbeiter des Zolls auf uns zu, ließ sich das Carnet zeigen und zum Auto führen. Nun fing das Theater richtig an. Wir haben inzwischen ja schon viele Grenzen erlebt, das Auto wurde mal genau, mal gar nicht kontrolliert, aber das hier war wirkich Premiere. Mehrere Zöllner machten sich über unser Auto her, jede Kiste wurde geöffnet und durchwühlt, jede Tasche wurde heraus geholt. Als sie meine Kleidertasche auf den schmutzigen Boden stellen wollten, wurde Michael richtig sauer und bestand auf einem sauberen Platz. Die schwere Tasche wurde also auf betonierten Boden geschleppt und geöffnet. Ich hatte bereits vorher darauf hingewiesen, dass es sich hier um meine Kleider für acht Monate handele und war total sauer, als ein Zöllner anfangen wollte, in meinen Klamotten zu wühlen. Bedauerlicherweise verlor ich nun ein wenig die Contenance...

Michael: Meine liebe Frau schob den Zöllner zur Seite, griff in ihre Unterwäsche-Tasche und zog zwei BHs heraus. Wutenbrannt schwenkte sie die beiden Büstenhalter über ihren Kopf und wedelte damit vor der inzwischen interessiert zusammen gelaufenen Menge in diesem streng muslimischen Land herum.

Zugegeben kein Ruhmesblatt von mir, allerdings verhielt sich mein lieber Mann auch nicht besser, denn er schimpfte weiter wie ein Rohrspatz. Als der Chef des Zolls schließlich genug von uns hatte drohte er, uns wieder zurück nach Somalia zu schicken. Die Drohung wirkte, und wir verhielten uns nun ganz kooperativ. Ohne Visum für Somaliland hätten wir uns wohl auf eine ungewisse Dauer im Niemandsland einrichten müssen, was natürlich nicht so lustig geworden wäre, zumal ohne diplomatische Vertretung in Somaliland... Die Zöllner bemühten sich nun wenigstens um korrekte Vorgehensweise als sie weiter nach etwas suchten, was sie uns nicht verraten wollten. Dennoch brodelte es in uns, als sie wirklich jede Kleidertüte auseinandernahmen, den Waschbeutel durchsuchten (allerdings ohne das Pfefferspray zu finden) und Michael das ganze Dachzelt öffnen musste. Auf unsere Fragen antworteten sie nur, dass es nichts mit uns zu tun habe, lediglich mit dem Land, aus dem wir gerade kamen. Uns war schon beim ersten Checkpoint vor der Immigration aufgefallen, dass die Soldaten meinten, wir kämen aus Somalia. Auf unseren Hinweis, in Somaliland gewesen zu sein, erklärten sie uns, dass sie es besser wüssten, sie seien schließlich die Nachbarn. Somaliland würde versuchen, sich abzuspalten, habe aber keinen Erfolg. Für sie wäre das Somalia. Ein anderen Mann schnauzte uns nun an, dass wir einen großen Fehler gemacht hätten, in diesem Land gewesen zu sein. Nach der unerfreulichen Kontrolle, wurden wir wieder geheißen, innerhalb des Gebäudes zu warten. Unsere Pässe waren immer noch weg, jetzt verschwand auch noch das Carnet. Doch wenigstens gesellte sich unser Geheimpolizist wieder zu uns und erklärte, dass es Probleme zwischen den beiden Ländern gäbe. Doch auch er wollte uns nicht verraten, was die Zöllner eigentlich gesucht hatten. Wir waren in jedem Fall sehr erleichtert, als endlich ein Beamter wieder mit unseren Pässen auftauchte und ein anderen mit dem Carnet de Passage, dem Zolldokument für unser Auto. Wir vermuten, dass die Pässe in der Zwischenzeit an oberster Stelle genau geprüft und erst als kein Hinweis auf Spionagetätigkeit vorlag, wieder zurück gegeben wurden. Was waren wir froh, als wir dieser unerfreulichen Grenze endlich den Rücken kehren durften und kollabierten fast, als uns der Ausfuhrbeamter nicht aus dem Gelände fahren lassen wollte sondern uns auf "Anweisung vom Chef" zurück schickte. Doch glücklicherweise kam gleich darauf der Chef?, nämlich unser Geheimpolizist und gab Anweisung, uns fahren zu lassen.

Nach diesen Grenzerfahrungen der besonderen Art freuten wir uns zumindes über die gute Straße nach Djibouti-Stadt. Der erste Eindruck des Landes war auch durchaus viel versprechend. Fabriken waren zu sehen, Autowracks wurden an einem Schrottplatz gesammelt. Doch nach wenigen Kilometern veränderte sich das Bild. Zunehmend mehr Müll verunreinigte die Landschaft, je mehr wir uns Djibouti-Stadt näherten, desto schlimmer wurde es. Dennoch war die Ost-Einfahrt noch akzeptabel. Banken säumten den Wegesrand, einige Restaurants und Tankstellen. Und die Möglichkeit zum Autowaschen! Nach der furchtbaren Strecke in Somaliland, sah das Auto schlimmer aus denn je. Riesige Matschklumpen klebten an unserem Landi, es war unglaublich! Die Jungs am Hochdruckreiniger hatten also alle Hände voll zu tun, die Schlammlaube wieder in unser Reise-Zuhause zu verwandeln. Eigentlich hatten wir vor, in Djibouti-Stadt zu übernachten, wollten nach einem Hotel mit gutem Internet schauen und ein wenig französische Lebensart genießen. Die Stadt ist klein und schnell hatten wir den östlichsten Zipfel erreicht, ein recht ordentliches Viertel, in dem die Botschaften und NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) ihren Sitz hatten. Gegooglet hatten wir, dass der Marché Central französichen Charme versprühe und naiverweise freuten wir uns auf Klein-Paris. Niemals hätten wir mit solch einem Slum mitten in einer Innenstadt gerechnet. Niemand kann sich vorstellen, wie die Menschen hier dahinvegetieren. In Pfützen sammelte sich der Müll, Menschen lagen und saßen mitten drin und versuchten, irgendetwas zu verkaufen. Ein furchtbarer Gestank zog sich durch die ganze Innenstadt, wir waren fassungslos - und ergriffen die Flucht! Was waren wir froh, unser Äthiopien-Visum gegen alle Erwartung bereits in Somaliland erhalten zu haben. Ansonsten wäre es unabdingbar gewesen, in diesem Dreckloch eine Nacht verbringen zu müssen. Wir können nicht verstehen, wie eine Regierung, ihre Einwohner in solchen Zuständen wohnen lassen kann. Djibouti hat eine ziemlich totalitäre Regierung und ist Stützpunkt der internationalen Mission gegen die Piraterie vor Somalia. Zudem wickelt Äthiopien über den großen Hafen in Djibouti fast seinen gesamten Außenhandel ab. Niemand kann uns erzählen, dass hierfür nicht viele Devisen fließen, die das Land in die Lage versetzen würden, zumindest einen Grundstandard für die Bevölkerung zu sichern.

Die EU hat dem Land eine tolle Straße durch das Land finanziert, so dass wir wenigstens gut voran kamen. Zumindest den berühmten Lac Assal, einen Salzsee mit umgebenen Vulkanen am tiefsten Punkt des Kontinents Afrikas, wollten wir sehen. Grau in grau war die Strecke dorthin. Bei einem Aussichtspunkt auf dem Weg mit Blick auf die Bucht hielten wir an. Sofort waren auch hier wie anderswo Souvenirverkäufer zur Stelle, die unter anderem Fossilien verkaufen. In Michael fanden sie – wie gewohnt – einen interessierten Abnehmer. Immer tiefer führte uns die Straße, immer wärmer wurde es. Endlich lag er vor uns, der Lac Assal. Ein wunderschöner schneeweißer Salzsee, der auch befahren werden kann. Unser Navi zeigte -140 Meter, der Karte nach sollen es sogar noch 9 Meter mehr sein. Nicht mehr lange werden Reisende diese Pracht genießen können, bauen doch Chinesen ein riesiges Werk, in dem sie in drei Phasen für 4 Milliarden US Dollar Soda-Bromid und Salz abbauen wollen.

Die Wärme in der Tiefe trieb uns wieder etwas in die Höhe, wir fanden tatsächlich einen wunderschönen Schlafplatz, an dem wir vollkommen ungestört die Nacht verbringen konnten. Mehr wollten wir uns nicht anschauen in diesem Land, in dem es uns zwar ziemlich heiß war, mit dem wir aber überhaupt nicht warm wurden. Am nächsten Tag machten wir uns daher so schnell wie möglich auf den Weg in Richtung Äthiopien. Die gute Straße war irgendwann zu Ende und Djibouti schafft es nicht, auch nur die geringste Straßenunterhaltung an dieser unglaublich stark frequentierten Straße zu organisieren. Tausende von LKWs, die den Warentransport von Djibouti-Hafen nach Äthiopien transportieren, müssen sich im stundenlangen Zickzack zwischen Schlaglöchern und Mantelpavianen zur Grenze quälen. Was uns jedoch wirklich erschreckte, waren die unzähligen Wracks, die am Wegesrand von schrecklichen Unfällen zeugten. So viele umgekippte LKWs haben wir noch nie gesehen. Zahlreiche Unfälle schienen auch aktuell passiert zu sein, die Ladung war noch nicht gelöscht, Männer saßen vor den Fahrzeugen und bewachten die Container.

Nicht ahnend, dass wir nur so kurz im Land sein würden, hatte Michael viel zu viel Geld abgehoben, so dass wir jetzt zumindest noch einkaufen wollten. In einem Dorf hielten wir vor einem netten Laden an, schön bemalt von außen. Gleich klopfte ein älterer Mann auffordernd an unser Auto, was uns zugegeben immer etwas ärgerlich macht. Wir ließen uns jedoch nicht beirren, sondern betraten den Laden. Der Mann kam hinterher und versuchte sich ständig in unseren Einkauf zu drängen. Nachdem wir das Wichtigste in dem spärlichen Angebot beisammen hatten, wollten wir bezahlen. Der unangenehme Mann sagte ungefragt: "For you 100 $." Er versuchte, unsere Waren an sich zu nehmen, was wir jedoch nicht zuließen. Während Michael bezahlte, ging ich bereits mit den Sachen zum Auto, um die Einkäufe zu verräumen. Der Mann folgte mir und fing nun unverhohlen und aggressiv an zu betteln. Ich solle ihm Geld geben, denn ich sei schließlich Ausländer. Selten habe ich einen Menschen so angebrüllt wie diesen Typ. Ich bin nicht stolz darauf, wenn ich die Fassung nicht bewahre, aber dieser Khat-kauende Mann, der sich durchaus noch im arbeitsfähigen Alter befand, hatten für mich das Djibouti-Fass einfach zum Überlaufen gebracht.

Mittags erreichten wir endlich die Grenze. Etwas mulmig war uns schon Zumute nach unseren Erfahrungen bei der Einreise. Doch diesmal waren die Sorgen ganz und gar unbegründet. Freundlich wurde die Ausreise abgewickelt, niemand störte sich an unserer Anreise durch Somaliland, Immigration und Custom befanden sich wie gewohnt nicht in einem teuren Neubau sondern in einer schäbigen Baracke. Wir werden oft gefragt, was das schönste Land unserer Reise ist/war. Eine Antwort fällt uns da schwer. Bei der Negativfrage haben wir nach unserer Djibouti-Tour einen klaren Favoriten. Vielleicht tun wir dem Land ja unrecht, es gibt schließlich sehr schöne Ecken wie den Lac Assal, und auch die Unterwasserwelt soll faszinierend sein. Die graue Monotonie und insbesondere die Verwahrlosung allerorten waren jedoch schlimm. Selten waren wir so froh, einem Land den Rücken kehren zu dürfen.

14 Djibouti - 6. bis 7. Februar 2017
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