Unser Flug von Kairo nach Khartum war kurz und unspektakulär, für uns jedoch unglaublich aufregend – sollte doch nun unser Abenteuer Afrika erst richtig beginnen. Pünktlich gelandet empfing uns erst einmal die warme Abendbrise. Nach den eher kühlen Abenden in Ägypten war das eine angenehme Überraschung. Norbert, der Inhaber des International Guesthouse (früher German Guesthouse) holte uns ab, und wir freuten uns darauf andere Traveller kennen zu lernen. Der erste Eindruck war vielversprechend: Eine Reihe Landis, Toyos und andere Marken standen vor der Tür, fast alle mit italienischem Kennzeichen, dazu ein LKW aus Friedrichshafen. Die Außenanlagen sahen bezaubernd aus. In warmes Licht getaucht waren Terrasse und Pool, verschiedene Menschen saßen beim Abendessen – vielversprechend. Der Eindruck wandelte sich allerdings etwas, als wir unser Zimmer sahen. Das glich eher den billigen Hostels, die wir eigentlich zukünftig meiden wollten. Das viele Geld, das wir für drei Übernachtungen bezahlen mussten, reute uns. Der Service beinhaltet dafür Shuttledienst vom Flughafen, Laundry, Vollpension, Softgetränke und Unterstützung bei Registrierung und Travelpermit, aber 120 $ für die Nacht fanden wir doch deutlich zu viel! Als Autoschläfer zahlt man für den gesamten Service 20$/pP mit der Möglichkeit, die Sanitäreinrichtungen eines Zimmers zu benutzen – das ist absolut angemessen. Als Bini und Jörn eintrafen, zeigte sich Norbert dafür jedoch großzügig und berechnete ihnen nichts – das relativierte den schlechten Start wieder. Die anwesenden Reisenden waren sehr nett, Ilse und Albi aus Immenstad gaben uns viele wertvolle Tipps für Äthiopien, da sie sich quasi andersherum von Süd nach Nord auf der Rückreise befanden. Die italienische Reisegruppe war noch nicht komplett, lediglich der Leader Claudio und Fabrizio waren schon da, außerdem der Münchner Adi, der seit 10 Jahren mit der Gruppe fährt. Die anderen trafen nach und nach aus Italien ein. Claudio ist eine schillernde Persönlichkeit, die uns interessant und kurzweilig von seinen Reiseabenteuern erzählte. Besonders interessierten uns natürlich seine Erlebnisse vor 10 Jahren, als er im Tschad für zwei Monate von Banditen entführt worden war. Seit 30 Jahren pendelt er zwischen seiner Firma in Mailand und seinen Reisen hin und her. Für uns war nun nicht viel mehr zu tun als zu warten. Den Freitag verbrachten wir mit einem kleinen Ausflug. Erst buchten wir eine Bootstour in Khartum um Tuti - Island, um uns den Zusammenfluss von blauem und weißem Nil, die sich aus Äthiopien bzw. Uganda entspringend, in Khartum vereinen. Anschließend brachen wir auf nach Omdurman, um bei den Gebeten und Tänzen der Sufi-Derwische zuzusehen. Die Sufis gehören einer besonderen Glaubensrichtung des Islam an und können diesen im Sudan im Gegensatz zu anderen Ländern frei praktizieren. Jeden Freitag treffen sie sich am Mausoleum auf dem Friedhof in Omdurman. Mit dem Minitaxi trafen wir in Khartums Nachbarstadt ein und bummelten erst einmal durch die Stände der Händler und Teeverkäufer am Straßenrand. Freundliche Menschen riefen uns ein Willkommen zu, ein Dromedar drehte beständig eine Ölmühle im Kreis und wir nahmen das Afrika-Feeling in uns auf. Schließlich begaben wir uns zum Friedhof, auf dem die Zeremonie beginnen sollte. Lautsprecher wurden aufgebaut, von allen Seiten strömten die Menschen zusammen. Wir wurden freundlich angesprochen und eingeladen zuzuschauen und zu fotografieren. Schließlich ging es los und die bunt gekleideten Sufimeister begannen sich in Trance zu tanzen – was für ein Spektakel! Wir waren beeindruckt von der fröhlichen Stimmung und fasziniert von den Tänzen.

Am Heiligen Abend wollten wir eigentlich gerne einen Gottesdienst besuchen, nahmen allerdings davon Abstand, als wir bei unserer Recherche herausfanden, dass christliche Kirchen im Sudan häufig Angriffen ausgesetzt sind, Pfarrer grundlos verhaftet werden. Nachdem wir von mehreren Seiten hörten, dass es im Land brodelt, gar ein Putschversuch nicht ausgeschlossen scheint, wollten wir kein unnötiges Risiko eingehen. So versuchten wir in unserem Zimmer ein wenig Weihnachtsstimmung herzustellen, indem wir die schönen Stoffsterne aufhängten, die uns eine liebe Bekannte aus Grötzingen mitgegeben hatte, und Teelichter entzündeten. Zu Früchtetee aßen wir Dominosteine meiner Mutti und dachten an die Lieben Zuhause. Wir hatten uns sehr gefreut, dass wir beide Elternpaare telefonisch erreicht hatten und mit allen Vieren sprechen konnten. Das war es dann aber auch schon mit der Weihnachtsstimmung, wenigstens hängten wir unsere Weihnachtssterne auch über unserem Esstisch im Garten auf, worüber sich auch Ilse und Albi freuten. Mit netten Gesprächen verlief der Abend zwar nicht unbedingt besinnlich, aber dennoch kurzweilig.

Am folgenden Tag konnten wir endlich wieder aktiv werden! Flugtickets nach Port Sudan abholen (Gott sei Dank hatten wir mit viel Glück noch welche bekommen), Äthiopien-Visum in der Botschaft besorgen (leider bekamen wir kein double-Entry), Travelpermit stempeln lassen (unspektakulär). Dann hieß es unseren Kram zusammenpacken und ab zum Flughafen. Eine interessante Erfahrung war bei diesem kurzen Flug, dass niemand sich an die auf der Bordkarte gedruckten Sitzplätze hält, sondern sich einfach hinsetzt, wo er mag. Für die letzten Passagiere heißt das schauen, wo noch etwas frei ist. Durch den günstigen Schwarzmarktkurs kosteten uns die Flüge keine 50 €/pP. In Port Sudan angekommen, fiel uns als erstes das Seeklima auf. Es war deutlich kühler, dafür ging ein stetiger zum Teil böiger Wind bei einer hohen Luftfeuchtigkeit. Leider verbarg eine Wolkendecke auch die nächsten Tage die Sonne fast komplett, was sehr schade war – waren wir doch wieder einmal zur Untätigkeit verdammt und hätten sonst zumindest den Pool im Hotel nutzen können. Am nächsten Morgen machten wir uns gleich zur Darka-Company auf, um Mrs. Sulafa kennen zu lernen, die all die Zeit immer hervorragend mit Michael kommuniziert hatte. Bei der Agentur ging alles seinen Weg, wir hatten nicht viel mehr zu tun außer mal vorbei zu schauen, um eine Info zu geben oder zu bekommen oder mal den Reisepass abzugeben. Der Leiter der Agentur ist Mr. Aladdin – ein Mann wie ein Baum, freundlich, wohlhabend und sehr fähig in seinem Business. Er hat bereits die ganze Welt bereist im Rahmen seiner Arbeit und lud uns zu einem typischen sudanesischen Grillabend ein. Als er hörte, dass wir unsere Kinder gerne vom Flughafen abholen wollten, beschleunigte er den Prozess um einen Tag und schaffte die gesamte komplizierte Cleraring-Prozedur in knapp drei Tagen! Was waren wir erleichtert, als wir unseren Landi heil an Karosserie und Motor wieder in die Arme schließen konnten. Schnell bereiteten wir ihn für die Weiterreise vor und machten uns an die Einkäufe. Dabei kamen wir zweimal zufällig an einer von Scharfschützen gesperrten Straße in der Nähe der Universität vorbei, auf der zahlreiche junge Menschen in Grüppchen zusammenstanden. Wieder in Khartum hörten wir, dass es sich hierbei um eine Studenten-Demonstration gehandelt hatte, bei der es einige Verletzte und auch Verhaftungen gegeben hatte. 2013 war eine solche Demonstration in Khartum völlig aus dem Ruder gelaufen, von der Regierung blutig niedergeschlagen worden. 250 Menschen fanden den Tod – viele mit Brust- oder Kopfschuss.… Zum Glück hat die in Port Sudan nicht so ein schlimmes Ende genommen. Tatsächlich sind die Menschen sehr unzufrieden mit der Regierung, da gerade wieder Subventionen, zum Beispiel für Treibstoff gestrichen wurden. „It´s blowing under the surface“ wie uns ein englischer Geschäftsmann erzähllte. Die Regierung scheint aber auch Demonstrationen an den Hochschulen durch eingeschleuste Studenten zu provozieren, um damit eine strukturierte Vorbereitung ins Leere laufen zu lassen.

Endlich wieder auf der Straße starteten wir in der Dämmerung auf die 800 km lange Strecke nach Khartum. Die Straße wurde von der Baufirma von Osama Bin Laden um die Jahrtausendwende gebaut und wies erstaunlicherweise nur wenige Bombentrichter auf. In den Bergen bauten wir unser Lager auf und erfreuten uns endlich wieder einer Nacht im Auto. Wir hatten die Hotelbetten ziemlich satt. Der Osama Highway ist die Hauptstrecke für unzählige LKWs, die Waren vom Hafen ins Landesinnere befördern. Die Straße ist gesäumt von geplatzten Reifen und überfahrenen Tieren. Wir selbst sahen allein 5 LKWs mit Reifenpanne am Straßenrand. Auffällig außerdem die zahlreichen Checkpoints von Polizei und Militär, doch diese verdienen ein extra Kapitel!

Endlich wieder in Khartum angekommen, freuten wir uns riesig auf unsere Bini und ihren Mann Jörn, die am gleichen Abend über Istanbul in Khartum eintreffen sollten. Doch durch einen Wintereinbruch in der türkischen Hauptstadt wurde daraus leider nichts. Ihr Flug war sowieso hoffnungslos verspätet gestartet und nachdem das Flugzeug dann auch noch mehrmals kreisen und den ersten Landeversuch abbrechen musste, war der Anschlussflug weg. So waren wir natürlich etwas traurig, trösteten uns jedoch mit dem schönen Pool und konnten die beiden 24 Stunden später endlich in die Arme schließen. Sie hatten ihren unverhofften Istanbul-Stop im Hotel mit Essen verbracht , was uns angesichts der kritischen Lage im Land sehr recht war – von dem schlimmen Anschlag 24 Stunden später in der Silvesternacht konnten wir natürlich noch nichts ahnen. Nachdem die beiden sich gründlich ausgeschlafen hatten und auch die polizeiliche Registrierung geschafft war, brachen wir am letzten Tag des Jahres auf in die Wüste. Bei den wunderschönen von deutschen Archäologen ausgegrabenen Naga-Tempeln fanden wir einen herrlichen Standplatz. Zuvor besichtigten wir den Tempel des Löwengottes Apedemak, dem Kriegsgott der Meroiten und den sogenannten Römischen Kiosk, der ägyptische, hellenistische und meroitische Elemente vereint. Da die Versorgungslage in Sudan verhältnismäßig überschaubar und eher eintönig ist, freuten wir uns über den mitgebrachten Käse aus Deutschland und feierten bei einem grandiosen Sternenhimmel den Beginn des Jahres 2017. Am Neujahrsmorgen stoppten wir bei einem 80 Meter tiefen Ziehbrunnen und hatten das Glück, den Nomaden bei der Arbeit zuzusehen. Zwei Esel zogen den schweren ledernen Wassersack, der ein ums andere Mal mit einem langen Seil aus der Tiefe befördert wurde. Zahlreiche Menschen kamen schließlich mit ihren Kanistern und Fässern, um das kostbare Nass mit Eselskarren nach Hause zu schaffen. Unser nächster Halt waren die Tempel von Musawwarat, ebenfalls von deutschen Archäologen ausgegraben. Über Atbara ging es zügig voran in den Norden, nicht ohne einen schönen Blick auf das fünfte Katarakt zu erhaschen. Dazu liefen wir querfeldein, vorbei an freundlich winkenden Menschen, die ihre Felder hegten und pflegten. Bevorzugt wird Ful angebaut, dicke Bohnensalat – das Nationalgericht der Sudanesen. Unseren Übernachtungsplatz fanden wir inmitten der Äcker. Eine Frau war erst nicht begeistert über unsere Anwesenheit, die Stimmung schlug jedoch sofort um, als wir sie freundlich auf Arabisch begrüßten. Sie erwiderte die Begrüßung traditionell mit Schnalzlauten, Handschlag und dem zur Stirn Führen der Hand. Mehrere junge Männer warnten uns, dass der Platz vor Schlangen wimmele und waren erst beruhigt, als wir ihnen Autoschlafplatz und Dachzelt zeigten. Tatsächlich sahen wir verschiedene Löcher, in denen wir Schlangen vermuteten, leider hatten die Schlangen aber Angst und zeigten sich nicht. Dafür führten uns am kommenden Morgen einige Jungs über die Felder zum Nil und erklärten uns dabei ihre Feldfrüchte. Immer wieder konnten wir feststellen, dass einige Sudanesen gut englisch sprechen und ihre Kenntnisse gerne anwenden.

Bei Abu Hamad begann die große Leere, nachdem wir zum ersten Mal Asphaltrillen queren mussten, die sogar für unseren Landi zu hoch waren. Zwei Tage querten wir die Nubische Wüste, suchten unseren Weg zum Teil durch Tiefsand entlang der Eisenbahnschienen und waren fasziniert von der endlosen Weite. Kein Auto war zu sehen, kein Zug, lediglich gebleichte Knochen verdursteter Kamele. Heiß schien die Sonne vom strahlend blauen Himmel, mehr als eine Fata Morgana narrte uns und nur der zum Teil heftige Wind kühlte ein wenig. Doch wir waren begeistert! Die Eisenbahnstationen waren fast komplett verlassen, kein Zug hält dort mehr. Lediglich die Station 6 war belebt. Hier befindet sich der einzige Haltepunkt vor Wadi Halfa, der nördlichsten Stadt Sudans und auch unserer Tour. An Station 6 treffen sich die Goldgräber aus der Nubischen Wüste, die zum Teil auf eigene Faust, zum Teil für meist ausländische Companies ihr Glück in der Wüste suchen und auf großen LKW´s zu ihren Claims fahren. Abgerissene und vor Schmutz starrende Menschen verbringen ihr Leben in dieser Ödnis, träumen vom großen Fund. Was sie an Gold der Wüste entreißen ist zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Als sie uns sahen, winkten sie freundlich, begrüßten Michael mit Handschlag. Dennoch hatten wir Respekt, hielten uns nachts lieber fern von den Camps. Station 2 gefiel uns besonders gut, ein alter Waggon lud ein zum Klettern und zahlreiche rostige Achsen von Sand überweht verliehen dem Ort eine mystische Atmosphäre. Schließlich erreichten wir Wadi Halfa und stockten unsere Vorräte in den kleinen Läden auf, die uns mit ihrem reduzierten und überall gleichen Angebot an die Mangelwirtschaft der DDR erinnerte. Natürlich machten wir auch einen kurzen Abstecher zum Nasser-See, der hier Nubier-See heißt. An der Fähranlegestelle schloss sich für uns ein Kreis, hatten wir diese Fähre doch in Abu Simbel schon gesehen und Überlegungen zur Überfahrt von Ägypten in den Sudan angestellt. Nun ging es wieder südwärts und wir folgten dem Nil. Trotz ausgiebigen Spähens konnten wir leider kein Nilkrokodil erblicken. Die Krokodile hatten offensichtlich Angst vor uns. Nur ein Skorpion hob bedrohlich seinen Stachel zum Angriff. Wahrscheinlich hatte er aber auch Angst... Östlich des Nils fuhren wir gemütlich in den Süden. Bei Abri (N 20°45.095´, E30°19.914´) und Wawa (N 20°26.738´, E30°20.440´) ließen wir uns mit Booten auf die andere Seite übersetzen, um die dortigen Tempel zu besichtigen. Interessant dabei war die Ausgrabung auf der Jazirat Say, einer Nilinsel, auf der sich zahlreiche Stätten der Besiedelung vom Paläolithikum über die Pharaonenzeit bis zur osmanischen Herrschaft befinden. Ein internationales Archäologenteam begann dort gerade eine Kampagne und eine erfahrene Studentin erzählte uns von ihrer Arbeit. Der ganze Boden ist übersät von zum Teil bemalten Tonscherben, leider durften wir keine mitnehmen. Der Amara-Tempel ist stark verfallen, dennoch kann man sich die Größe noch ungefähr vorstellen. Friedhöfe aus verschiedenen Epochen der meroitischen Zeit harren der weiteren Ausgrabung. Allerdings hat das Emirat Katar aufgrund der Ölkrise zahlreiche Gelder eingefroren, so dass es fraglich ist, wie es mit der Finanzierung weitergeht. Der Soleb-Tempel bei Wawa gilt als größter Tempel südlich von Luxor und wurde unter Amenophis III errichtet.

Bei der Suche nach den Felsgravuren von bei Sebu stellten wir erneut fest, dass das individuelle Reisen im Sudan Expeditionscharakter hat. Wir hatten im Netz alle Informationen zusammen gekratzt, die wir finden konnten, doch da wir nicht für alle Sehenswürdigkeiten GPS-Punkte fanden, verlangte es oft ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen, um bei der Suche nicht aufzugeben. Schließlich wurden wir in der Nähe des Dörfchens Sebu dann doch fündig und erstiegen einen kleinen felsigen Berg. Die Gravuren waren allerdings leider nicht so spektakulär wie wir sie uns erhofft hatten – vielleicht haben wir die richtigen doch nicht gefunden... Dafür hatten wir jedoch einen atemberaubenden Blick auf das dritte Katarakt (N 19°57.413´, E30°33.196´) und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Ähnlich suchen mussten wir nach den Steinbrüchen von Tombos um die umgestürzte Statue des Pharao Taharka (N 19°42.711´, E30°23.758´) zu finden und in Kerman en Nuzi auf der Suche nach der Defuffa, einer riesigen Anlage mit Ruinen aus Nilschlammziegeln, die Überreste der Hauptstadt des ersten Reiches von Kusch aus dem 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. Defuffa (N 19°36.034´, E30°24.667´) ist eine der ersten Tempelanlagen der Menschheit. 2003 wurden von Archäologen sieben absichtlich zerstörte Statuen von Pharaonen gefunden, die im angeschlossenen Museum wieder zusammengesetzt ausgestellt sind. Eine weitere angeschlossene Siedlung datiert sogar auf 3000 v. Chr. Die gesamte Anlage ist fertig restauriert und mit Wächtern und Sicherheitspersonal versehen. Gut vor Touristen versteckt mussten wir geduldig suchen und fragen, bis wir sie endlich gefunden hatten. Dafür erhielten wir anschließend eine nette Einladung zum Mittagessen bei einem freundlichen Sudanesen, der mit drei Frauen und einer ungenannten Anzahl Kindern ein schönes Haus bewohnt. „Only one?“ war seine ungläubige Frage auf Michaels Antwort, dass er nur eine Frau habe. Endlich hatten wir die Gelegenheit, das sudanesische Nationalgericht Ful mit Käse selbst zu probieren. Bini und Jörn hatten viel Spaß mit den Kindern aus dem Dorf, die sich alle gerne im Hause einfanden. Das Essen war hervorragend, dennoch fing sich Bini irgendeinen Parasiten ein, der in der kommenden Nacht mit voller Härte losschlug und uns in große Sorge versetzte. Glücklicherweise ging es ihr dank der guten Ratschläge meiner Schwester und einer befreundeten Ärztin aus Deutschland am nächsten Tag wieder besser, so dass wir die Tour ohne Krankenhausaufenthalt fortsetzen konnten. Das Internet reichte immerhin für WhatsApp-Nachrichten – Mails waren ebenso wenig möglich wie Anrufe nach Deutschland aufgrund des fehlenden Roaming-Abkommens.

Unsere nächste Station war Old Dongola (N 18°13.385´, E30°44.818´), die alte Hauptstadt des nubischen Reiches mit sagenhaften muslimischen Grabanlagen, bevor wir uns in Richtung Karima aufmachten. Die Nacht verbrachten wir im versteinerten Wald (N 18°25.811´, E31°44.144´). Umgestürzten Bäumen gleich liegen hier die mehrere hundert Millionen Jahre alten Versteinerungen. Wie Holz schauen die Stücke aus, sogar Jahresringe lassen sich zum Teil noch erkennen. Am nächsten Morgen erreichten wir die Ausgrabungsstätte El-Kurru. Hier gibt es zahlreiche Pyramiden und bis zu 3000 Jahre alte Grabanlagen der nubischen Stadt Napata zu bestaunen. Besonders faszinierte uns hier das Grab von König Tanotamun, das wunderbare Wandmalereien beinhaltet (N 18°24.546´, E31°46.258´). Eine kleine Tür verschloss den Eingang, so dass erst ein Wächter mit Schlüssel und Lampe herbei eilen musste. Eine lange unregelmäßige Treppe führte in die Dunkelheit, bevor der Strahl der Lampe die jahrtausenden alten Bilder ins Licht holte.. El-Kurru (N 18°33.756´, E31°54.91) liegt ca. 10 km südlich des heiligen Berges Jebel Barkal. Am Fuße des Berges befindet sich ein ausgedehntes Ruinenfeld mehrerer Tempelanlagen und eine Pyramiden-Nekropole. Auch im nahe auf der anderen Nilseite gelegenen Nuri gibt es Pyramiden zu bestaunen. Sie sind sogar größer als die in El-Kurru. Auch diese Nekropole gehörte zur antiken Stadt Napata und wurde gemeinsam mit den anderen archäologischen Stätten 2003 zum Weltkulturerbe erklärt. Eher zufällig stießen wir auf einen weiteren Höhepunkt, der nur in wenigen Reisebeschreibungen zu finden ist – der Klosteranlage El Ghazala (N 18°26.546´, E31°55.925´). Die Jünger des Heiligen Antonius waren in die Wüste gezogen um Gott näher zu sein. Im 11. Jahrhundert wurde das Kloster dann wieder verlassen. In der Abendstimmung boten Ruinen und Landschaft einen unvergleichlichen Eindruck, der fast volle Mond beleuchtete später die Szenerie und unser prasselndes Lagerfeuer. Wir waren in einer richtigen afrikanischen Savannenlandschaft angekommen, fast erwarteten wir Giraffen und Elefanten vorbei ziehen zu sehen. Besuch bekamen wir allerdings lediglich von einem Esel, der geführt von seinem Herrn bei uns Halt machte. Zwei der sechs Kinder der Familie waren dabei und zeigten deutlich aber völlig unaufdringlich, dass sie Hunger hatten. Auch der Vater achtete peinlich darauf, nicht zu stören, wollte sogar beim Aufbau des Dachzeltes helfen. Am kommenden Morgen saßen alle sechs leise vor dem Auto und warteten bis wir aufstanden. Sie hielten scheu Abstand und freuten sich sichtlich über Brot, Melone zum Sofortverzehr und einige Lebensmittel für die Mutter Zuhause. Dünn waren sie alle, die Nase lief, einige husteten – kein Wunder bei den dünnen Kleidern in der doch noch kühlen Morgenluft. Ein ärmliches Leben führen sie dort mitten in der Wüste. Hunger und Armut waren uns in einigen Gegenden des Sudan begegnet, allerdings vermieden wir es Geld zu geben, versorgten die Menschen aber wenn möglich mit Brot.

Schließlich ging es zurück nach Khartum durch die Bayuda-Wüste. Eine hervorragend ausgebaute Straße ließ uns die 300 km bis Atbara schnell zurücklegen. 100 km weiter waren wir dann in Meroe (N 16°56.210´, E33°44.848´) angekommen, um unsere letzte Nacht in der Wildnis bei dem berühmten Pyramidenfeld zu verbringen. Zunächst waren wir überrascht, dass das ganze Gebiet eingezäunt und nur über ein Tickethäuschen zu erreichen ist. Außer bei der Defuffa war das nirgends der Fall gewesen, auch Eintritte mussten lediglich in Naga, Musawwarat, El-Kurru und der Defuffa (hier doppelt, einmal für die Ausgrabung, einmal für das Museum) bezahlt werden. Wir hatten den Tipp bekommen, dass der Eintritt jeweils 50 SDG betrage. Vor Ort erfuhren wir, dass dies der Preis für Individualtouristen sei, mit Reiseveranstaltern jedoch 10 $ pro Person vereinbart seien. In Meroe hing jedoch ein Schild, dass der Eintritt für Ausländer bei 25 Dollar läge. Das erschien uns jedoch als wirklich zu teuer, so dass wir kurzerhand für eine Stunde zu Residents wurden... Wenn man bedenkt, dass wir für das Nationalmuseum in Khartum (N 15°36.367´, E32°30.501´) je 2 ! Pfund Eintritt zahlen mussten – das entspricht in etwa 10 Cent – stehen die Eintrittspreise im Sudan in keinem Verhältnis zueinander. Die Pyramidenlandschaft war noch einmal besonders schön, vor den alten Grabpyramiden stehen kleine Totentempel. Viel ist hier schon hergerichtet, die Arbeiten sind noch im vollen Gange. Auf der anderen Seite der Straße kann man noch die Ruinen der alten Königsstadt Meroe bewundern, wir schlugen schließlich unser Lager hinter einem Hügel bei den Pyramiden auf und verbrachten einen wunderschönen Abschiedsabend miteinander.

Die letzten 180 km bis Khartum zogen sich wieder hin, da der Verkehr immer dichter wurde. Dankenswerterweise fand sich dann noch eine etwa 1 m lange rote Speikobra am Wegesrand, die zwar auch Angst hatte, aber äußerst fotogen war. Auch häuften sich wieder die Kontrollen an den Checkpoints. Wie bereits erwähnt, sind diese von ganz besonderer Natur. Es gibt offizielle Checkpoints, gut zu sehen an den Häuschen an der Straße. Dann gibt es – oftmals genau 10 Meter dahinter – weitere Kontrollen von Männern in Straßenkleidung, die nicht im Stande oder Willens sind, sich auszuweisen, aber dennoch irgendwie offiziell sind. Weiterhin gibt es Polizeiwagen am Straßenrand, wo Verkehrspolizisten Pylone auf die Straße stellen, um den Verkehr zu stoppen. Es gibt Militärkontrollen, mal mit, mal ohne Uniform. Verkehrspolizisten runden das bunte Bild der sudanesischen Kontrollverwirrung ab. Die Kontrollen laufen alle unterschiedlich ab: Mal wird man freundlich durchgewunken, mal zum Anhalten genötigt und nach einem freundlichen Gruß wieder seiner Wege geschickt. Meist wird nach dem Weg gefragt und häufig die offizielle Reisegenehmigung, das sogenannte Travelpermit verlangt, das ab und an ganz genau studiert wird. Hier ist tunlichst darauf zu achten, dass die Hauptorte der geplanten Reise aufgeführt sind – uns wurde beispielsweise die Fahrt zum Merowe-Damm verweigert, weil dieser nicht aufgeführt war. Das Travelpermit ist tunlichst in ausreichender Zahl kopiert mitzuführen - wir haben es tatsächlich 12 mal abgeben müssen! Hin und wieder war auch eine Passkopie verlangt, den original Reisepass haben wir nie aus der Hand gegeben. Dann gibt es die Kameraden, die versuchen mit unbedarften Touristen ihr karges Einkommen aufzubessern, indem sie entweder eine Straßennutzungsgebühr verlangen, eine Geschwindigkeitsübertretung erfinden (als uns ein Polizist behauptete, wir seien 160 km/h gefahren, mussten wir wirklich lachen! Das schafft der Landi nicht mal leer, den Berg herunter und mit Rückenwind...) oder einfach unverblümt nach „Money“ fragen. Zusammenfassend kann man sagen – wir haben nie bezahlt! Ganz wichtig war jedoch, dass wir die Etikette immer eingehalten haben. Zunächst grüßten wir freundlich auf arabisch, meist mit Handschlag. Bei ungerechtfertigten Forderungen fragten wir ganz freundlich „Limada/Warum?“ Allein diese Frage führte meist dazu, dass wir weiter fahren durften. Bei ganz hartnäckigen Kandidaten warteten wir einfach ab, bevorzugt mitten auf der Fahrbahn, so dass der folgende Verkehr ungeduldig wurde. Einmal mussten wir das angebliche „EU-Papier gegen Korruption“ herausziehen, dass Mankei-Travel dankenswerterweise auf ihrer Homepage zum Downloaden haben. Als der Kontrolleur seinen Namen eintragen sollte, war die Sache schnell beendet :-). Doch mit einem freundlichen Lächeln, einem höflichen Abschiedsgruß konnten die Jungs ihr Gesicht wahren und ließen uns ziehen.

Vor dem (Nord-) Sudan wurden wir bei unseren Reisevorbereitungen vergleichsweise häufig gewarnt: „Be careful!“ Selten haben wir uns in einem Land so willkommen und sicher gefühlt. Die Sudanesen sind friedliche Menschen, interessiert aber nicht aufdringlich. Häufig riefen sie uns ein Willkommen zu, hoben den Daumen und strahlten uns an. Daran konnten auch die über 40 Kontrollen auf den etwa 3500 KM nichts ändern. Fantastische Landschaften am Nil, in der Wüste, jahrtausendealte Kulturen in verträumter Umgebung und immer wieder die freundlichen Menschen machten den Nordsudan zu einem unvergesslichen Reiseland für uns. Dazu war es eine besondere Freude, dieses Land gemeinsam mit unseren Kindern Bini und Jörn zu bereisen.

11 Sudan - 22. Dezember 2016 bis 13. Januar 2017
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