Afrika – endlich auf unserem Traumkontinent angekommen! Wenn auch ganz anders als geplant… Nachdem wir in Dubai die kurzfristige Entscheidung getroffen hatten, den Sudan nicht als Backpacker zu bereisen, sondern für die Erkundung dieses beeindruckenden Landes auf unseren Landi zu warten, flogen wir kurzentschlossen nach Ägypten. Ägypten – welch klangvoller Name einer beeindruckenden Hochkultur der Antike! Was ist davon heute noch übrig? Wir machen uns ein wenig auf Spurensuche, vor allem interessiert an Bauwerken, die wir noch nicht kennen. Gemeinsam waren wir vor 20 Jahren bereits in diesem Land auf einer der ersten Reisen mit unseren Kindern, ich außerdem noch einmal vor drei Jahren mit meiner Schwester Silke. Beide Male genossen wir eine Nilkreuzfahrt und die Pyramiden in Kairo. Nun möchten wir unser Bild erweitern, planen eher unbekannte und damit auch untouristische Tempel am Lake Nasser zu besuchen, außerdem die Mündung des Nils in der Nähe von Alexandria.

Nach mehreren Tagen zur Untätigkeit in Dubai verbannt, brannten wir förmlich darauf, wieder unterwegs zu sein. Allerdings bekam unsere Euphorie auch gleich den ersten Dämpfer, als wir in einer Eilmeldung der Tagesschau von einem Attentat auf einen Polizeiposten in Kairo lesen mussten – just an unserem Ankunftstag. Längere Zeit war es ruhig gewesen in diesem Land und ausgerechnet jetzt schlug der Terror wieder zu? Wir trösteten uns ein wenig mit der Annahme, dass ein Land gewöhnlich unmittelbar nach einem Anschlag am sichersten ist. Dass es noch schlimmer kommen sollte, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen… Der erste Eindruck bei unserer nächtlichen Ankunft war die unerwartet kühle Lufttemperatur. Wir waren wieder verhältnismäßig weit in den Norden zurück gereist, und auch wenn die Tage ausgesprochen angenehm sind, gehen die Nachttemperaturen im Dezember gerne einmal unter 10 °C.

Den kommenden Morgen nutzten wir zur Organisation unseres ersten Trips. Wir mieteten ein Auto und fuhren zunächst nach Gizeh, um die Pyramiden noch einmal zu sehen. Ich hatte vergessen, dass ich mir vor drei Jahren vorgenommen hatte, nicht mehr in die große Pyramide zu klettern, da der Weg eng, niedrig und stickig ist. Dennoch war es natürlich wieder äußerst beeindruckend, in der Grabkammer unter tonnenschwerem Gestein zu stehen. Sehr aufdringlich waren auf dem Areal leider die Verkäufer, was sicher daran lag, dass bei den hier sehr zahlreichen Besuchern kaum ausländische Gäste waren, sondern lediglich Einheimische, die den Tag für einen Familienausflug nutzten. Wir konnten die Not der Menschen gut verstehen, die nicht wissen, wie sie ihre Familien ernähren sollen und wenn man nichts kaufen möchte um Almosen bitten. Weiter fuhren wir in Richtung Alexandria. Unterwegs planten wir einen Abstecher ins Wadi Natrun, in dem sich verschiedene koptische Klöster befinden, die zum Teil schon seit Jahrhunderten von Mönchen bewohnt sind. Da es Sonntag war, hatten wir die Gelegenheit, Hunderten von Gläubigen zu begegnen, die am Gottesdienst teilnahmen und teilweise von weither mit Autobussen angereist waren. Aufgeschlossene freundliche Gesichter hießen uns willkommen, freuten sich über unser Interesse. Wir ahnten nicht, dass sich zum gleichen Zeitpunkt in einer anderen koptischen Kirche in Kairo ein furchtbarer Terroranschlag ereignete, der 25 unschuldige Menschen, zumeist Frauen und Kinder in den Tod riss. Dieses Ereignis bewegte uns tief und wir fühlten uns mit den 10 Prozent Christen in Ägypten besonders verbunden. Seitdem sich der koptische Papst Tawadros II beim Amtsantritt des Staatschefs Al Sissi demonstrativ neben diesen gestellt hatte, verschlechterte sich die Lage für die Minderheit noch mehr – fühlten sich doch fundamentalistische Kreise aus den Reihen der Muslimbruderschaft von der Geste provoziert. Die Autobahn – die gleiche neben der Anfang Februar ein italienischer Student gefoltert aufgefunden wurde, vermutlich weil er im Rahmen seiner Doktorarbeit zu viele kritische Fragen stellte – führte uns weiter nach Norden. Der Empfehlung von Einheimischen folgend bogen wir schließlich in den Nordwesten ab, um das Deutsche Kriegsgräberdenkmal in Al Alamein zu besuchen. Ein trutziges achteckiges Bauwerk erinnert an die mehr als 4000 deutschen Soldaten, die während des Afrikafeldzugs unter Generalfeldmarschall Rommel ihr Leben für das verblendete Vaterland lassen mussten. Eigentlich wären wir anschließend gerne auf der Küstenstraße nach Alexandria gefahren, doch bedauerlicherweise gibt es eine solche nicht. Die einzige Verbindungsstraße führt in circa einem Kilometer Entfernung zum Meer nach Osten. Hunderte von unvollendeten Wohn- oder Hotelanlagen säumen den Weg, kein Mensch weiß, wer hier eigentlich jemals wohnen soll? Hier entstand eine riesige Baublase, offensichtlich in der Erwartung, den Mittelmeerraum ähnlich wie das Rote Meer in eine Touristenhochburg zu verwandeln. Doch die politische Entwicklung in Verbindung mit dem Ausbleiben der Touristen, die um ihre Sicherheit in einem instabilen Land fürchten, haben dafür gesorgt, dass hier Millionen kaputt gemacht wurden. Bei den derzeitigen Ereignissen mutete auch die gebetsmühlenartig wiederholte Aussage vieler Einheimischer, „Ägypten – safe country“ wie Hohn an. Dennoch wussten wir keine wirkliche Antwort auf die Frage eines jungen Kioskbesitzers, warum seit Jahren keine Touristen ins Land kommen. Unser Hinweis auf die Sicherheitslage kam uns selber schal vor, hatten wir doch kurz vorher erst von einem Taxifahrer von dem schrecklichen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin erfahren. Doch das Ausbleiben der Gäste hat natürlich zu einer unglaublichen Armut geführt, die man überall da sieht, wo normalerweise kein Ausländer hinkommt. In den Vororten Kairos beispielsweise oder in Alexandria. Müllberge häufen sich, Straßen weisen unvermittelt tiefe Löcher auf, Häuser verfallen. Auf den klassischen Touristenstrecken ändert sich das Bild, hier wirkt es aufgeräumt und leidlich sauber. Trotzdem versuchen Andenkenverkäufer an der Corniche von Alexandria ihre Waren an die meist ägyptischen Besucher zu bringen, Europäer sieht man praktisch keine. Die Menschen bleiben hier dennoch freundlich und unaufdringlich, akzeptieren ein freundliches Nein als Nein. Das ist nicht überall so, wie wir in den ehemaligen Touristenhochburgen Luxor und Assuan erfahren sollten. Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Osten zum westlichen Nilarm. Im Delta spaltet sich der lebensspendende Fluss in zwei große Arme, die schließlich ins Mittelmeer führen – Rosetta und Damiette. Letzterer ist nun doch zu weit entfernt, aber entlang des westlichen Armes versuchten wir in Richtung Mündung vorzustoßen. Bekannt geworden ist das Gebiet besonders durch den Fund des Steins von Rosetta, der maßgeblich für die Entzifferung der Hieroglyphen durch Jean-Francois Champollion gewesen war. Das Ganze wuchs sich jedoch zu einer langatmigen Unternehmung aus. Die Straße führte alle paar Meter über riesige Bodenwellen, die teilweise mit dem Miet-PKW nicht einmal in Schrittgeschwindigkeit überwunden werden konnten ohne den Unterboden aufzuschrammen. Unglaublich, wie man so etwas bauen kann! Wir brauchten Stunden für wenige Kilometer auf dem engen Weg durch baufällige Häuser, Stände entlang am dreckstarrenden Ufer. Dreirädrige Taxis rasten vorbei, sie kamen besser über die Bodenwellen. So hatten wir keine Chance anzukommen. Doch Michael hatte die richtige Idee und fragte an einer Fähranlegestelle nach einem Boot. Das war schnell gefunden und nach kurzer Verhandlung schipperte uns ein Kahn in Richtung Meer. Nach einer halben Stunde war das Ziel erreicht – wir sahen das Meer vor uns! Hier also mündet der Nil( (Zumindest die Hälfte…) Hier wie überall im Land gibt es Militärposten vor Ort. Jedes Boot muss hier anlegen, egal aus welcher Richtung es kommt. Von uns wollte bislang noch niemand etwas, wir wurden bei den Checkpoints immer sehr freundlich durchgewinkt. Doch bei der Rückfahrt wurde unsere Kamera kontrolliert, vermutlich weil es streng verboten ist, Militärs aufzunehmen. Glücklicherweise fand der Posten nichts Verdächtiges und wir durften weiterfahren. Zufrieden machten wir uns auf den Rückweg nach Kairo, allerdings ziemlich spät, sodass wir im Dunkeln ankamen, was unsere Autovermieter in größte Aufregung versetzte. Das Fahren bei Dunkelheit in Ägypten ist tatsächlich kein Vergnügen, haben doch zahlreiche Autos kein Licht oder meinen es schonen zu müssen. Außerdem stößt man recht häufig auch auf andere unbeleuchtete Verkehrsteilnehmer wie Eselskarren oder Traktoren, bevorzugt auch auf der falschen Straßenseite, da es kaum eine Möglichkeit gibt, über die Mitte der Straße die Richtung zu ändern. Weiterhin sind die vielen unfertigen Baustellen ein großes Verkehrshindernis, an allen möglichen Stellen wird gleichzeitig gebaut bzw. der Verkehr behindert. Die Fahrweise in den Großstädten toppt durchaus noch den Iran, sodass wir selbst auch ganz froh waren, heil in Kairo zurück zu sein. Ein Taxi brachte uns zu unserem Hostel in der Innenstadt, und wir fühlten uns gleich wieder um Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte zurückversetzt. Einfache Betten, Gemeinschaftsbad… wir kamen überein, dass wir uns zukünftig auch ein Zimmer leisten können und werden, dass mehr als 10 $ / Nacht kostet…. Leider griffen wir auch bei der Wahl des Restaurants daneben, was sich allerdings erst später herausstellen sollte. Denn immerhin warb es mit einem Winner-Zertifikat von 2014 bei Tripadvisor und – es gab Bier! Nach den enthaltsamen Wochen waren wir natürlich begeistert. Doch leider begann bei mir schon am frühen Morgen die Rebellion des Verdauungstrakts, bei Michael einige Stunden später, dafür umso heftiger. Glücklicherweise hatten wir uns für den Zug von Kairo nach Luxor entschieden, einem reinen 1. Klasse-Zug mit leidlichen Toiletten. Michael ging es immer schlechter, er litt nicht nur am Üblichem sondern auch an Schüttelfrost, so dass er die 10-stündige Fahrt leider nicht genießen konnte. Endlich angekommen schafften wir es noch ins Hotel, bevor er nach einem Aufwärmbad kollabierte. Glücklicherweise konnte ich ihn nicht nur halten, sondern er kam auch nach einer halben Minute wieder zu sich…

Den nächsten Tag gingen wir nun etwas gemütlicher an, planten nur wenige Besichtigungen. Eine Fähre brachte uns über den Nil nach Theben-West. Zunächst jedoch stoppte unser Fahrer an den Memnon-Kolossen und brachte uns zum kleinen Habu-Tempel, dem Totentempel von Ramses III. Unser eigentliches Ziel war aber natürlich die faszinierende Nekropole. Das Tal der Könige wollten wir in jedem Fall noch einmal sehen! Die Eintrittskarte für 100 Ägyptische Pfund (ungefähr 5 Euro) erlaubt dem Besucher, drei der acht geöffneten Gräber zu besichtigen. Außerdem kann man Tickets für das Grab von Tunanchamun und Ramses VI. extra kaufen. Letzteres war der Höhepunkt der Gräber! Auch die anderen ausgewählten waren sehr interessant, zum Teil wegen ihrer Bemalungen, zum Teil der Lage wegen. Fotografieren ist seit 2008 im Tal der Könige komplett verboten, die Kameras werden am Eingang einbehalten. Doch in der zunehmenden Not der Menschen sind die Aufsichtspersonen auch hier für Zuwendungen empfänglich und so bot der Wärter im menschenleeren Grab von Ramses VI (Grab Nr. 9) freiwillig an, gegen einen Tip mit dem Handy zu fotografieren. Ägyptenreisenden sei ein Besuch dieses Grabes zu empfehlen, es ist unvergleichlich! Wieder zurück auf der anderen Nilseite war unser nächstes Ziel der Karnaktempel, der durch seine unglaubliche Säulenhalle immer wieder lohnend ist. Eine Kutsche brachte uns schließlich wieder zurück zum Hotel, Michael musste sich noch schonen und die Fahrt mit „Ahmed Mensch Maier“ hatte auch ihren Reiz.

Bereits bei der Ankunft in Luxor hatten wir mit dem Taxifahrer, der uns vom Bahnhof ins Hotel brachte, vereinbart, uns nach Assuan zu bringen. Für ihn war das ein Auftrag, der ihm einen halben Monatslohn (40 Euro) einbrachte, für uns ein kurzweiliger Tag mit einem freundlichen und ungewöhnlich reinlichen Menschen, der ununterbrochen sein altes Auto wienerte uns viel über seine Sicht der Revolution erzählte. Mohammed gehört sicher nicht zur Intelligenz des Landes und so merkte man im Gespräch, dass er als frommer Moslem die Worte der Imame nachplappert, die die neue Regierung natürlich nach Kräften verabscheuen und den Muslimbrüdern treu ergeben sind. Dennoch wirkte er in keiner Weise fanatisch, sondern einfach sehr gläubig. Wir durften auch den ganzen Tag Koranversen lauschen… Die sehr beeindruckenden kleinen Tempel von Esna und Edfu lagen auf unserem Weg, beide sehr schön, aber auch leider eher ungepflegt und menschenleer, dafür von Tauben bevölkert, die leider durch ihre Ausscheidungen die bedeutenden Kunstwerke zu zerstören drohen. Die Geschäfte im Umkreis sind verlassen. Dennoch werden auch diese Tempel streng bewacht von Soldaten mit Maschinengewehren, wie man sie überall im Land sieht. Man darf sich gar nicht vorstellen, wie viele Waffen sich in den Händen einfacher, oft mangelhaft ausgebildeter Menschen befinden. In jedem Hotel ist ein bewaffneter Sicherheitsdienst, das Gepäck soll (eigentlich) durch den Scanner, in Kairo werden zusätzlich Sprengstoffhunde eingesetzt. An dieses Bild mussten wir uns zwangsläufig gewöhnen. In der Abendstimmung erreichten wir Assuan und bezogen unser Zimmer im Sara-Hotel. Das kostete zwar etwas mehr als besagte 10 Dollar, hatte auch ein eigenes Bad, genügte aber sonst keinerlei europäischen Ansprüchen (die bei uns ja gar nicht so hoch sind). Das unglückliche Ende vom Lied war der Anfang desselben. Die laute Party, die draußen am Pool stattfand raubte uns den Schlaf. Wir hätten die Bewertungen bei booking.com wohl etwas genauer lesen sollen… Doch trotz des eher schauderlichen Ambientes aßen wir – auch in Ermangelung einer Alternative – im Hotel und waren wieder einmal verblüfft über die große Freundlichkeit der Menschen, in diesem Fall des Obers. Immer wieder durften wir in Ägypten erleben, wie nett und zuvorkommend die Menschen sind.

Am kommenden Morgen starteten wir früh zum Flughafen und flogen nach Abu Simbel. Wenige Tage vorher hatten wir die Kreuzfahrt über den Nassersee organisiert, was gar nicht so einfach war, da mangels Gästen kaum noch ein Schiff fährt. In Kairo wurde sogar behauptet, dass es gar keine Schiffe mehr gäbe aufgrund der 50 000 bis zu 12 Meter langen Krokodile, die es im See geben soll. Gejagt werden dürfen sie nicht und so verbreiten sie sich ungehindert und fressen die Fischbestände. Wir haben allerdings leider keines gesehen. Neben der großen und weltberühmten Tempelanlage von Abu Simbel, deren Rettung durch die UNESCO vor den Fluten des Stausees allseits bekannt ist, gibt es am Ufer des Sees noch zahlreiche andere kleinere Tempel, die von verschiedenen Staaten ab- und an trockenen Ufern wieder aufgebaut wurden. Hanni holte uns am Flughafen ab und brachte uns zu unserem Schiff, der MS Steigenberger Omar El Khayam, einem 5-Sterne-Schiff. Mit uns waren 47 Gäste an Bord, was bei 80 Kabinen natürlich überschaubar war. Bedenkt man aber, dass das Schiff zwischen Assuan und Abu Simbel lediglich 17 Fahrgäste beförderte und auf der nächsten Fahrt nach Abu Simbel lediglich 7, war es geradezu voll… Man kann sich ja durchaus schnell an den Luxus gewöhnen, und wenn man davon absieht, dass unsere Kleidung – die auf Backpack im Sudan eingestellt war – nicht gerade kreuzfahrttauglich war, fühlten wir uns sehr schnell wohl auf unserem Schiff. Einige andere deutsche Passagiere waren noch an Bord, mit Sybille und Bernd aus Hamburg führten wir nette Gespräche und mit Hans und Sabine aus Bochum verstanden wir uns sehr gut. Am nächsten Tisch saß eine französische Familie mit zwei kleinen Mädchen, dreieinhalb und eineinhalb Jahre alt, die sich bei den Besichtigungen meist wacker schlugen. Die Familie stammt aus Paris, lebt aber seit letztem Jahr in Kairo, wo Frédéric bei der Firma Suez als Maschinenbauingenieur arbeitet.

Unser Reiseleiter Mustafa begleitete uns die drei Tage und bemühte sich mit überschaubarem Erfolg uns die ägyptische Götterwelt nicht nur nahe zu bringen sondern auch einzutrichtern. Er ist Archäolologe, hat Frau und vier Kinder und natürlich zu wenig Arbeit. Er wirkte ein wenig sperrig, berichtete aber interessant über Land und Leute, war auch sehr interessiert an Politik und verfügte hier wie beim Thema Fußball über ein breites Wissen. Auch er war wie Taxifahrer Mohammed unzufrieden mit der jetzigen Regierung und der gesamten Revolution. Mit der Einschätzung seines Volkes gab er allerdings wieder, worin er noch einen Grund für die schwierige Lage und den Unterschied zu Deutschen sieht: „The Egypts rest 16 hours and then they sleep the other eight“. Interessanterweise ist auch er ein absoluter Fan der Deutschen Regierung, Angela Merkel wird hoch verehrt – wie auch in allen anderen Ländern, die wir bislang bereist haben! Die Kanzlerin scheint es geschafft zu haben, Deutschland nach außen hervorragend zu vertreten.

Den ersten Abend blieben wir noch im Hafen von Abu Simbel, besichtigten am Nachmittag die Tempelanlage und nahmen am Abend an der Sound and Light Show teil. Was soll man sagen. Natürlich war es nett, die Tempel beleuchtet zu sehen, die Qualität der Vorstellung war allerdings leider dürftig. Wir hielten uns allerdings höflich zurück, als Mustafa uns stolz berichtete, dass die Projektoren die mordernsten in Ägypten seien. Wenn man da an unsere Schlosslichtspiele in Karlsruhe denkt – was könnte man hier Tolles draus machen! Sehr interessant für uns war, dass wir auf dem Weg zum Tempel LKW-Kolonnen passierten, die auf die Fähre in das lediglich 48 Kilometer entfernte Wadi Halfa warteten. Der Sudan importiert vor allem Holz und Kartonagen, Ägypten dagegen 65% seines Fleischbedarfs! Lebende Kamele sind ebenfalls begehrte Handelsware zwischen Sudan und Ägypten. Wie einfach es scheint, ein Auto auf dieser Fähre in den Sudan zu bringen. Ob es möglich ist? Gehört haben wir davon noch nie.

Früh am nächsten Morgen fuhr unser Schiff los, allerdings lediglich zwei Buchten weiter. Der erste Stopp erfolgte bei der Ruine Kasr Ibrim, einer alten Zollstation. Weiter ging es dann zum Amada-Tempel, dem ältesten ägyptischen Tempel in Nubien, der aufgrund der Beschaffenheit des Steins im Ganzen verlegt wurde. Der Tempel ist traumhaft schön, da sich die Farben im Inneren so fantastisch erhalten haben. So gibt er einen guten Einblick in die Farbenwelt der Tempel des alten Ägyptens, die man heute nur noch gelblich oder rötlich kennt. Ähnlich, war der Derra-Tempel, der einzige von Ramses II auf der Ostseite des Nils errichtete. Auch hier leuchteten die Figuren an den Tempelwänden in wunderbaren Farben, wie man sie sonst in ganz Ägypten nicht sieht. Die Tempel zeichnen sich durch ihre traumhafte Lage inmitten der Wüste aus, der gelbe Sand vor dem blauen See bettet sie in ein besonders schönes Panorama ein. Diese Landausflüge erfolgten vom Schiff aus immer mit dem Motorboot, begleitet von zwei schwer bewaffneten Sicherheitskräften.

Überhaupt ist der Nassersee eine Reise wert. Schier unendliches Süßwasser mitten in der Wüste, das hat schon was. Mit 500 km Länge hat er ungefähr die Distanz zwischen Karlsruhe und Hannover und ist mit 165 m³ wohl der drittgrößte Stausee weltweit. Ganz Ägypten hängt an diesem Wasserreservoir, dass 90% des in Ägypten benötigten Wassers speist. Am Ende kommen dann auch nur noch etwa 5% des Nilwassers im Mittelmeer an. Argwöhnisch wird der Bau eines riesigen Nilstaudamms in Äthiopien beäugt, bei dem möglicherweise ein Drittel der Wassermenge des Nils den Ägyptern verloren gehen könnte. Ägypten hat Äthiopien bereits mit Krieg gedroht und ein Reiseleiter meinte lakonisch: „Before we die here, we go and die there“.

Am nächsten Tag ging es schon früh zum Wadi Sebou, einer wunderschönen, ebenfalls farblich gut erhaltenen recht großen Tempelanlage. Sie wird auch „Valley of the Lions“ genannt, da eine Sphinx-Allee zum Tempel führt. In der Nähe befinden sich noch der Dakka und Mehrakka-Tempel, ebenfalls landschaftlich wunderschön gelegen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Faulenzen und Essen, welchem auf einem Kreuzfahrtschiff ja besonderem Rang beigemessen wird. Einem opulenten Frühstück folgten ein Mittags- und Abendbuffet, die sich in Menge und Qualität in nichts unterschieden. Die Bedienungen waren gleich unsere Freunde und verwöhnten uns zum Teil auch kostenfrei mit Bier und Wein…. Wir können froh sein, dass unsere Kreuzfahrt nach drei Tagen endete, ansonsten würden wir vermutlich nicht mehr hinter das Steuer unseres Landis passen, wenn wir ihn endlich wieder haben. Die nubische Show am letzten Abend hielt nicht ganz oder gerade doch unseren Erwartungen stand, aber so etwas gehört zu einer Tourifahrt natürlich dazu. Da kaum europäische Gäste zugegen waren und die ägyptischen lediglich ausgelassen klatschten, hatte ich die zweifelhafte Ehre mich mehrfach auf der Bühne zu blamieren…. Der letzte Morgen brachte uns noch zu einem weiteren schönen Tempel, dem Kalabsha. Dieser Tempel war von der Bundesrepublik Deutschland verlegt worden, was Berlin-Charlottenburg als Dankeschön ein antikes Tor einbrachte. Auch alle anderen hilfreichen Staaten haben sich nach ihrer Rettungsaktion bedient und meist ein Tempelchen mit nach Hause genommen. Der Tempel stammt aus der Römerzeit und wurde nie vollendet, was seiner Schönheit aber keinen Abbruch tut. Nach der Christianisierung Ägyptens wurde er als Kirche verwendet, erkennbar an den zahlreichen meist koptischen Kreuzen, die in Säulen und Gravuren eingehämmert wurden.

Nach diesem schönen Abschluss war unser gemütlicher und dennoch sehr schöner Ägyptenurlaub schon fast zu Ende. Eine Nacht hatten wir uns in dem auf einer Nilinsel gelegenen Isis Island Hotel eingemietet, schön gelegen und nur mit dem Shuttleboot erreichbar. Auch hier merkt man das Ausbleiben der Gäste, das Hotel ist eigentlich für Gruppen ausgelegt und verkommt langsam. Die Zimmer vergammeln zunehmend, wenngleich der Blick vom riesigen Balkon atemberaubend schön war. Der Hotelmanager stammt aus dem Sudan und spricht hervorragend deutsch. Er steht voll hinter Al Sissi und fordert die Geduld seiner Landsleute. Sehr freundlich war das Personal auch hier, sodass wir an unserem Abreisetag unser Zimmer bis 17 Uhr nutzen durften, da wir den Nachtzug nach Kairo nehmen wollten. Den letzten Tag verbrachten wir zum einen klassisch mit einem Cocktail in Agatha Christies Old Cataract Hotel und einem Segeltörn mit einer Felukke, zum anderen zur Abrundung unserer Erlebnisse im Nubischen Museum, in dem viele Funde aus den besichtigten Tempeln ihre neue Heimat gefunden haben. Den Philae-Tempel schauten wir uns auch noch an, da er besonders schön ist und in einer einzigartigen Rettungsaktion des ägyptischen Staates den Fluten entrissen wurde. Er war schon beim alten Staudamm immer mal im Wasser gestanden, hatte mit dem neuen aber gar keine Chance mehr und soff sprichwörtlich ab. So mussten zwei Reihen Spundwände in den Boden getrieben werden, der Zwischenraum mit Sand aufgefüllt und das Wasser um den Tempel abgepumpt. So vorbereitet konnte er zerlegt und 600 Meter weiter auf einer höher gelegenen Insel wieder aufgebaut werden. Auf dem Weg zum Hotel kamen wir eher zufällig an der St. Michael Kathedrale vorbei, der größten koptischen Kirche in Assuan. Mit ihrem Bau wurde 1995 begonnen und sie ist noch immer nicht ganz fertig. Auch hier wurden wir sehr freundlich willkommen geheißen und erhielten – auf Deutsch – eine interessante Führung und einen Händedruck vom Bischoff.

Der Nachtzug brachte uns schließlich sicher wieder zurück nach Kairo, wo wir unsere Eindrücke im Ägyptischen Museum vertiefen konnten. Wir nahmen uns mehrere Stunden Zeit, um durch die unglaublichen Artefakte zu bummeln, zu staunen und zu genießen. Überraschender- und noch mehr freundlicherweise hatten wir am letzten Tag auf dem Schiff eine Übernachtungs-Einladung der französischen Familie in Kairo erhalten, die wir natürlich sehr gerne angenommen haben. Das gehört zu den Dingen, die das Reisen für uns so großartig machen – vielen Dank Sophie und Frédéric!

Ägypten hat uns wieder einmal mit großartigen Nillandschaften, dem Nassersee sowie seinen unfassbar beeindruckenden Kunstschätzen verwöhnt. Wir durften das Land auch von seiner weniger touristischen Seite kennen lernen und viele authentische Begegnungen erleben. Das Land leidet nach der Revolution und wartet darauf, dass die Touristen endlich wieder kommen. Großartige Landschaften, eine kaum zu überbietende Zahl großartiger Tempel und Grabanlagen und nicht zuletzt die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Ägypter hätten es verdient. Wir haben den Grundstein gelegt für unsere Reise von der Mündung des Nils bis zu seinen Quellen im Hochland von Äthiopien und am Victoriasee in Uganda. Dieser magische Fluss wird uns also noch eine ganze Weile auf unserer Reise durch Afrika begleiten. Jetzt dürft ihr uns alle die Daumen drücken, dass wir unseren Landi heil und unversehrt aus dem Hafen in Port Sudan bekommen und unser eigentlich geplantes Afrika-Abenteuer beginnt.

 

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