Die Grenzformalitäten waren bei Türken wie Georgiern erfreulich schnell erledigt, bei Letzteren endete auch die Zollkontrolle just in dem Moment, in dem ich die türkische gegen die georgische Flagge am Landi wechselte… Die Hafenstadt Batumi überraschte uns positiv. Zahlreiche alte, wunderschön renovierte Prachtbauten wechselten sich mit futuristischen aber sehr gefälligen Neubauten ab. Batumi scheint zu einem guten Teil aus Casinos zu bestehen, zumindest drängt sich dieser Eindruck auf. Eine 2 km lange Strandpromenade rundete das positive Bild ab. Leider überfiel uns wieder einmal schnell die Dunkelheit, so dass sich die Frage nach einem Schlafplatz stellte. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, bogen wir in eine Nebenstraße in die umliegenden Hügel ab und versuchten unser Glück, Bewohner zu fragen, ob wir auf ihrem Grundstück übernachten dürfen. Also klopften wir an einem Holzhaus und brachten unser Anliegen vor. Allerdings war es inzwischen dunkel und so konnten wir es dem Eigentümer nicht verübeln, dass er uns wieder wegschickte. Glücklicherweise erreichten wir bald eine große Brückenbaustelle. Den Rat von erfahrenen Reisenden (vielen Dank Gaby und Dirk) annehmend fragten wir dort nach einer Übernachtungsmöglichkeit – und hatten Erfolg. Der Nachtwächter ließ uns nach Rückfrage beim chinesischen Bauleiter den Landi unter die Baracke so stellen, sodass wir gut beschützt die Nacht verbringen konnten. Die Sanitäreinrichtung war freilich etwas abenteuerlich…

Kutaissi – ein sehr schönes Städtchen - empfing uns am nächsten Tag freundlich, wir hatten unglaubliches Glück mit dem wunderbaren Herbstwetter. Hier war unser Hauptanliegen der Erwerb einer Sim-Karte, um Zugang zum Internet zu haben. Ohne russische Sprachkenntnisse ist so ein Unterfangen nicht ganz einfach, sprechen doch kaum Georgier englisch oder gar deutsch und wir leider kein russisch. Doch glücklicherweise fanden wir in einem Computergeschäft eine Mitarbeiterin, die als Au-pair in Deutschland gewesen war. Sie war auch die einzige, die sich in dem Laden bewegte, alle anderen 8 Mitarbeiter saßen statuengleich an ihren Arbeitsplätzen und hatten Angst, von uns angesprochen zu werden. Die Mitarbeiterin erklärte uns den Weg zur Verkaufsstelle von „Magti“, dem ihrer Aussage nach besten Netz in Georgien. Für 2 GB Datenvolumen zahlten wir 9 Lari, sage und schreibe 3,60 €. Hier kann man Sim-Karten kaufen!

Gut gerüstet konnten wir uns nun den zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Landes widmen, zunächst dem Kloster Motsameta, einer wunderschönen Anlage etwas nördlich von Kutaissi. Auch die Akademie Gelati ganz in der Nähe war sehr schön restauriert. In der Hauptkirche befinden sich traumhafte Fresken. Singende und betende Mönche mit Kerzen in den Händen, versammelt um ein altes Grab im Kirchenraum, gaben dem Ganzen noch den passenden Rahmen.

Trotz furchterregender Berichte verschiedener Reisender, beschlossen wir dennoch die Überquerung des kleinen Kaukasus zwischen den beiden in die Jahre gekommenen Kurorten Sairme und Abastumani Richtung Süden zu wagen. Unsere Hoffnung war, dass sich die Straßenverhältnisse inzwischen gebessert haben könnten, da die Berichte bereits 3 – 4 Jahre alt waren. Und wir haben unsere Entscheidung nicht bereut! Die Straße war bis zur Passhöhe auf 2800m aufgeschottert und gut zu befahren. Die Abfahrt auf meßchetischer Seite war zwar deutlich schlechter, aber dennoch problemlos zu meistern. Allerdings war das Wetter immer noch trocken und man kann sich gut vorstellen, dass die Verhältnisse nach dem Winter oder heftigen Regenfällen ganz andere sind. Doch die Landschaft ist unvergleichlich! Zerklüftete Berge, alpine Matten in unterschiedlichen Farben, atemberaubende Ausblicke auf die 150 Millionen Jahre alte Bergwelt! Wir waren absolut begeistert. Die Nacht verbrachten wir einsam in einem Waldstück im Nationalpark Bordjomi Khragauli und lasen zum Glück erst am nächsten Tag in unserem Reiseführer nach: „Es gibt stabile Populationen von Braunbären, Wölfen, Luchsen…“ Nun ja, unsere Nacht verlief ruhig.

Nach geglückter Ankunft in Akhaltsikhe besichtigten wir sehr begeistert das Sapara-Kloster, das noch immer von Mönchen bewohnt wird. Überhaupt ist die Frömmigkeit der Menschen in Georgien anrührend. Unser nächstes Ziel war das Höhlenkloster Vardsia. Lauter kleine Höhlen wurden von Menschenhand in das weiche Tuffgestein gegraben und sind über Treppchen und sogar Geheimgänge miteinander verbunden. Besonders beeindruckend ist ein langer nur spärlich beleuchteter Gang hinter der Kirche durch den Berg. Wir waren absolut begeistert und kletterten unaufhörlich in den Höhlen herum. Nach wie vor hatten wir großes Glück mit dem Wetter und konnten immer noch die Sonne genießen. Das war auch gut, befindet man sich doch in Georgien oft auf einer Höhe von um die 1800 m, so dass es nachts empfindlich kalt wird. Bis Tiflis verlief die Straße dann etwas karg, alleiniges Higlight waren die Kuhherden, die abends von den Weiden in die Orte getrieben wurden und eigenständig in ihre jeweiligen Ställe strebten. Überhaupt sind die Kühe unglaublich phlegmatisch. Da kann es schon mal sein, dass die mitten auf der Straße stehen bleiben und einen mit stoischer Ruhe anschauen. Auch mögliche Übernachtungsplätze waren rar gesät. Wir fanden glücklicherweise ein Waldstück, in dem wir die Nacht verbringen konnten. Hier erwischte uns dann aber doch der Regen, der leider auch in Tiflis unser Begleiter blieb. Darum und durch die mehr als chaotischen Verkehrsverhältnisse konnten wir diese eigentlich sehr schöne Stadt nicht so ganz genießen. Doch zumindest die Schwefelbäder probierten wir aus, was inclusive Massage bei dem unfreundlichen Wetter eine tolle Sache war. Um unser kaputtes Türschloss reparieren zu lassen – wir wollten ja nicht noch mehr unliebsame Überraschungen erleben und mussten die Tür ständig mit einem Spanngurt sichern – fuhren wir eine Land Rover Werkstatt an. Die beeindruckte uns wirklich! Ein funkelnagelneues schickes Gebäude, im Ausstellungsraum lediglich ein Range Rover, von einer Werkstatt keine Spur. Akribisch wurden unsere Daten aufgenommen, das Problem notiert. Und siehe da, es gab eine hochmoderne blitzsaubere Werkstatt im Untergeschoss, jeder Arbeitsplatz mit Kameras ausgestattet, so dass man in einer bequemen Sofaecke bei Wifi und Kaffee die Arbeit am Fahrzeug mit verfolgen konnte. Das Schloss war leider nicht vorrätig und eine Bestellung hätte 2 – 4 Wochen gedauert. Doch die Jungs waren Profis und reparierten das alte innerhalb einer Stunde für sage und schreibe umgerechnet 24 Euro! Hätten sie keinen Erfolg gehabt, hätten wir selbstverständlich auch nicht zahlen müssen.

In Tiflis einen Übernachtungsplatz zu finden war fast unmöglich, da der angebliche Campingplatz nicht vorhanden war. Das bemerkten wir aber erst, als uns unser Navi zielsicher in einen Park gelotst hatte. Wir beschlossen weiter zu unserer nächsten Station, der heiligen Stadt Mzcheta zu fahren, was sich als hervorragende Entscheidung erwies. Zum einen konnten wir unbehelligt die Nacht auf dem großen Parkplatz verbringen, zum anderen kamen wir am Vorabend des 14. Oktober in dem Städtchen an, dem Tag von Swtizchoweli, einem Georgisch-Orthodoxen Fest, das in Mzcheta begangen wird. Die schöne Kirche war voller Gläubiger, die Abendstimmung wunderschön. Insgesamt hat das kopfsteingepflasterte Viertel um die Kirche sehr viel Flair und mutet fast toskanisch an mit kleinen Läden und Kneipen. Zwei Übertragungs-LKW des georgischen Fernsehens bereiteten alles für die Übertragung des Gottesdienstes am nächsten Tag vor, immer mehr Pilger, Mönche und Priester reisten an – ein faszinierendes Schauspiel. Am nächsten Tag besuchten wir auch die sehenswerte Kapelle von Dzhavri, die von einem angrenzenden Hügel auf das Städtchen.

Ein besonderes Highlight war für uns die Fahrt auf der alten georgischen Heerstraße bis zur russischen Grenze und wieder zurück. Glücklicherweise hatte das Wetter ein Einsehen, sodass wir das Fort Ananuri wieder bei Sonnenschein besichtigen konnten. Durch den Feiertag waren natürlich viele Menschen unterwegs, Andenkenverkäufer priesen ihre Waren an. Die Straße führt weiter in die Berge in den großen Kaukasus, im Vergleich zum kleinen lächerliche 2 Millionen Jahre alt. Viele LKWs kämpfen sich die Straße hinauf, ist diese jedoch die wichtigste Verbindung für den Warenaustausch mit Russland. Die langsam fahrenden LKW verleiten natürlich auch zum Überholen, auch an durchgezogenen Linien… Eine Polizeikontrolle winkte uns an den Rand und teilte uns freundlich aber bestimmt mit, dass an durchgezogenen Linien nicht zu überholen sei. Die Strafe betrug 50 Lari, allerdings wohl um der Korruptionsgefahr zu begegnen, nicht in bar zu entrichten, sondern als Banküberweisung. Das wiederum brachte uns in Schwierigkeiten, da zum einen ja Feiertag und anschließend Wochenende und zum anderen wir auf dem Weg nach Armenien waren. Das sah dann auch der Polizist ein und erließ uns die Strafe – „touristgift“ – Glück gehabt! Vorbei am Wintersportort Gudauri schraubte sich die Straße weiter hinauf – bis zum atemberaubenden Blick auf den zweithöchsten Berg Georgiens, den Kasbek, an dem der Sage nach Prometheus zur Strafe dafür angekettet wurde, dass er den Menschen das Feuer brachte. Wir hatten ihn aber trotz des tollen Wetters nicht gesehen.

Unser letzter Abend in Georgien verlief denkwürdig. Nach dem langen Abstecher entlang der georgischen Heerstraße bis zur russischen Grenze und wieder zurück, wollten wir unbedingt noch den Moloch Tiflis hinter uns bringen und uns dann einen Übernachtungsplatz suchen. Wir beschlossen noch einmal Essen gehen, um das von unseren Nichten und unserem Reiseführer hoch gelobte georgische Essen zu genießen inclusive dem in Georgien erfunden Schaschlik, das in der Region Kachetien besonders gut sein soll. Es dämmerte schon, als Michael ein Restaurant ausmachte, das zu einem Hotel gehörte und nett aussah. In dem gemütlichen Gastraum saßen lediglich zwei Männer vor Bergen von Essen. Die Bedienung war ganz geschockt, als sie merkte, dass wir weder georgisch noch russisch sprachen und einer der beiden Männer sprang ein, um uns bei der Bestellung zu helfen. Der andere ging gleich aufs Ganze und lud uns an den Tisch ein. Ein dritter Mann kam dazu und stellte sich als Albert vor – er war der Chef des Hotels und hieß uns ebenfalls herzlich Willkommen. Schnell waren neue Teller gebracht und die besten Speisen wurden uns angereicht. Dabei gab es alles, was die georgische Küche zu bieten hat. Verschiedene kalte Fleischspeisen, Gemüsesorten und unterschiedliche Soßen. Die typischen Teigtaschen Chingali und zwei riesige Schaschlik-Spieße bestellten sie gleich für uns dazu. Wie bei einem georgischen Gastmahl typisch wurde natürlich auch ununterbrochen Wein gereicht. Schnell erinnerten wir uns an die Belehrung unseres Reiseführers, dass Nippen am Glas gar nicht geht. Vielmehr erhebt sich einer am Tisch, sagt einen Trinkspruch auf und alle stoßen an und leeren das Glas in einem Zug. Natürlich verstanden wir kein Wort, was dem gemeinsamen Gelage aber keinen Abbruch tat. Schnell hatten wir uns darauf verständigt, dass Hitler und Stalin „Daumen runter“ sind, damit war das Nötigste geklärt und die Grundlage für einen gelungenen Abend geschaffen. Unser Fotobuch kam auch wieder mal zum Einsatz. Unser angesprochenes Fahrproblem – bezüglich des Weins - war schnell geklärt, der Chef lud uns ins Hotel ein – natürlich ohne Bezahlung. Später wurden die Trinkrunden mit einem typischen georgischen Horn fortgesetzt, in den die doppelte Menge Wein vom „Trinksprecher“ in einem Zug geleert werden musste. Wir wissen nicht, mit wieviel Promille wir an diesem Abend ins Bett gefallen sind. Aber wir wissen, dass man solche Erlebnisse nur auf Reisen hat und dass wir diesen Abend georgischer Gastfreundschaft nie vergessen werden.

3 Georgien - 10. Oktober - 15. Oktober 2016
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