1 Türkei - 4. Oktober - 10. Oktober 2016

Wir sind unterwegs – und können es immer noch nicht richtig glauben…

Der 3. Oktober hat sich als günstiger Tag erwiesen, um richtig Strecke zu machen. Durch den Feiertag fehlten die LKWs und in Richtung Süden waren auch nicht viele Autos unterwegs. So kamen wir gut voran auf dem Start in unser persönliches Abenteuer. Österreich ließen wir schnell hinter uns, lediglich eine kleine Pause in malerischer Bergkulisse mit schnatternden Enten am Millstätter See gönnten wir uns. Auch Slowenien und Kroatien durchquerten wir zügig. Die Grenzübertritte waren problemlos, durch die Schließung der Balkanroute war auch von Flüchtlingen keine Spur. Die Nacht verbrachten wir nach ca. 1200 km auf einem kleinen Autobahnparkplatz in Serbien. Am nächsten Morgen ging es ebenso zügig weiter durch Bulgarien, allein der schönen Hauptstadt Sofia gönnten wir einen zweiten Blick, da die Hauptroute durch die Innenstadt mit ihren prachtvollen Bauten führt. Etwas aufgeregt erreichten wir bereits am zweiten Abend die Grenze zur Türkei. Wir wussten nicht recht, wie der Empfang sein würde, und die Aufforderung, in den Hangar zu fahren, ließ uns Schlimmeres befürchten, doch alles lief korrekt und freundlich ab. Die Zöllnerin wollte lediglich unsere großen Kleidertaschen geöffnet haben und die Erklärung für das voluminöse Dachgepäck – unser Dachzelt. Keine Fragen nach Waffen, Medikamenten oder noch schlimmer - Devisen. In einer halben Stunde waren wir durch. Den Ömür Camping-Platz in Edirne (N41°37.196´, E26°38.349´) kannten wir noch von unserer Reise vor 10 Jahren nach Syrien und Jordanien, sodass wir beschlossen, dort zu übernachten. Vorher umfuhren wir jedoch noch die beeindruckende Selimiye-Moschee des Baumeisters Sinan, die auch im Dunkeln – da wunderschön beleuchtet – ein Hingucker ist.

Auf dem Weg zum Campingplatz durchquerten wir einige tiefe schlammige Pfützen, die den eigentlich schwarzen Landi schnell in ein sandfarbenes Gewand hüllten, was Michael in unregelmäßigen Abständen dazu veranlasst, zumindest den gröbsten Schmutz von Türgriffen und Karosserie zu waschen, um unser Wohn- und Schlafzimmer einigermaßen sauber zu halten. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass die Ursache der erste Regen seit 4,5 Monaten war. Einiges davon erlebten wir auch noch – der Herbst war da! Die Besitzerin des Campingplatzes, die diesen ganz allein betreibt, erzählte uns, dass erst 12 Camper vor uns in diesem Jahr da waren. Sie investiert viel Geld für die Anlage, betreibt einen großen Pool auch als Freibad für die Stadt mit extra Eintritt für die Camper und die Einwohner. Doch auch diese einheimischen Kunden fehlten ihr in diesem Jahr, da bald nach Start der Freibadsaison der Ramadan begann. Die Anschläge und der Putsch taten ihr Übriges. So zahlten wir gerne die Gebühr von 45 Lira/15 Euro für eine Nacht. Weiter ging es auf der Autobahn in Richtung Istanbul, auf dem Campingplatz konnten wir noch das Formular für den notwendigen Klebestreifen der HGS-Maut ausfüllen. Notwendig ist hier die Eintragung von Namen, Adresse, Fahrzeugschein- und Autonummer. Die Information des ADAC, dass es den Klebestreifen an Shell-Tankstellen gibt, erwies sich zumindest in dieser Ecke als falsch, glücklicherweise erhielten wir exakte Informationen auf dem Campingplatz. Vor der ersten Mautstelle zu Beginn der Autobahn, heißt es rechts am Seitenstreifen anhalten, die Fahrbahn überqueren und im letzten Häuschen auf der gegenüberliegenden Seite das Teil zu erstehen. Wir hatten den Tipp bekommen, 50 Lira Gebühr zu zahlen, um die Bosporusbrücke und die Autobahngebühr zu begleichen. Wir werden sehen, ob das Guthaben ausreicht. Schnell kamen wir nach Istanbul und überquerten die zweite Brücke. Da wir jedoch sehr gerne die neue Hängebrücke mit den weltweit höchsten Stützen bewundern wollten, die erst im August für den Verkehr freigegeben worden war, wandten wir uns nach Norden. Auf dem Parkplatz unterhalb der Ruine (N41°10.734´, E29°05.828´) hat man einen traumhaften Blick auf die Brücke.

Für uns hielt sich der Umweg in Grenzen, da wir sowieso direkt an die Küste wollten. Große Bauprojekte zerschneiden hier die Landschaft, entweder werden Trassen für die neue Autobahn oder riesige Gasleitungen gebaut. Dennoch gefiel uns die kurvige Landschaft recht gut, und wir fanden an der kleinen Bucht zwischen Seli und Agva einen hübschen Übernachtungsplatz (N41°09.355´, E29°46.646´). Die Sommerhäuschen der Wohlhabenderen waren verweist, wir erhielten lediglich ab und an Besuch von Hunden, Katzen, Anwohnern und vor allem Fischern, die ihren Fang einbrachten. Alle waren durchweg freundlich und hatten nichts dagegen, dass wir hier übernachteten. Nach einem kurzen Blick auf Karlsruhes Projektpartnerstadt Sakarya (nicht wirklich soooo toll….), hieß es wieder Strecke machen, um das riesige Land zu durchqueren. Je weiter wir uns nach Osten bewegten, desto mehr freilebende Hunde liefen an der Straße entlang oder lagen in den Dörfern auf dem warmen Asphalt. Überfahrene Hunde sieht man nur wenige, vermutlich gewöhnen sich die meisten von klein auf an die Gefahr. Allerdings sahen wir auch einen frisch überfahrenen armen Kerl, dessen Rudel ganz aufgeregt an der Schnellstraße entlanglief. Das Bild dauerte uns sehr. Uns fiel außerdem auf, dass fast alle wildlebenden Hunde einen Knopf im Ohr tragen, sodass wir vermuten, dass sie kastriert und gekennzeichnet werden.

Die gut ausgebaute Schnellstraße in Richtung Osten führt an zahlreichen Feldern vorbei, die meist schon abgeerntet sind. Die roten Zwiebelsäcke liegen überall auf den Äckern und warten auf den Abtransport. Sie geben einen schönen Farbklecks in der hier eher kargen Landschaft.

Ungewöhnlich hier ist die Geschwindigkeitsregelung. Normalerweise darf man 110 km/h fahren, doch unvermittelt wird die Geschwindigkeit auf 70 oder gar 50 reduziert ohne dass diese Reduzierung verlässlich wieder aufgehoben wird. Die Einheimischen scheint das auch nicht zu stören, obwohl es verhältnismäßig viele Verkehrskontrollen durch die Polizei gibt. Einmal wurden auch wir angehalten, was sich aber schnell als Missverständnis rausstellte, die Polizisten hatten uns schlicht verwechselt und wollten nicht einmal die Papiere sehen. Das war allerdings nicht unser einziger Kontakt mit der Polizei…

Die Route führte uns an der Haselnussküste entlang weiter – leider ist die Erntezeit vorbei. Bei Fatsa verließen wir die Schnellstraße, um die Landzunge auf der wunderschönen Küstenstraße zu umrunden und beschlossen, nicht bis Trabzon durchzufahren, sondern bei Vafikebir in die Berge abzubiegen. Eine folgenschwere Entscheidung! Zunächst schraubte sich die Straße durch eine wunderschöne Bergwelt immer höher hinauf. Kurz vor Tonya war sie allerdings gesperrt und wir konnten leider das zugehörige Schild nicht lesen. So fuhren wir frohgemut einen kleinen Weg immer höher hinauf, bis wir an einer Moschee in einem kleinen Dorf ankamen. Der Imam musterte uns irritiert, wobei wir uns aber nichts dachten. Der kleine Friedhof gefiel uns und wir bewunderten die Menschen, die in so abgelegener Gegend leben.

Tatsächlich fanden wir zum Glück auch wieder einen Weg hinab in die Stadt, allerdings wurden wir recht schnell von einem Polizisten gestoppt, der uns mit seinem Maschinengewehr zum Anhalten bewegte. Trotz der Sprachbarriere verstanden wir schnell, dass es sich um eine gezielte Kontrolle handelte. Sehr freundlich wurden wir zum Tee geladen, während unsere Pässe verschwanden. Immer wieder wurden uns Fragen gestellt, was wir auf dem Berg gemacht haben, wieso wir in das Dorf gefahren sind, wo wir herkommen, wo wir übernachtet haben, wo wir hinwollen… Schließlich kam sogar ein Dolmetscher dazu. Die Frage, ob wir Archäologen seien, ließen bei mir alle Alarmglocken schrillen, erinnerte ich mich doch an die für mehrere Wochen inhaftierten Deutschen, die unter Verdacht standen, illegal Artefakte aus dem Land schmuggeln zu wollen. Aus gutem Grund gab ich mich lediglich als Deutschlehrerin aus und verschwieg sowohl mein Fach Geschichte als auch Religion… Wir waren ganz froh, als wir schließlich mit der Versicherung, nichts falsch gemacht zu haben – und überall übernachten zu dürfen! – wieder entlassen wurden. Da es inzwischen dunkel war, konnten wir nicht mehr allzu lange weiterfahren und hielten – nach der Vergewisserung der Polizei ganz selbstbewusst – an einem kleinen Parkplatz an der Straße. Einige Besucher wurden von uns freundlich begrüßt, die meisten zogen ebenso freundlich ihrer Wege. Wir zogen uns schon früh in den Landi zurück. Nach einer Stunde-Michael schlief fest- ein Menschenauflauf vor unserem Auto. Grelle Lampen leuchteten ins Fahrzeuginnere, Stimmengewirr und Rütteln an den Türgriffen. Zum Glück haben wir den Landi fest verriegelt! Plötzlich wurde die hintere rechte Tür aufgerissen (das Türschloß war kaputt). Michael war dann auch wach und wir wurden von einem Dutzend Bergbauern aufgefordert, das Auto zu verlassen und unsere Pässe zu zeigen. Wir dachten nicht daran! Eine längere Diskussion entspann sich, ein „Cousin“ wurde telefonisch als Übersetzer dazu geschaltet, die Alten keiften, die Jungen palaverten. Das Vorzeigen des Passports verweigerten wir auch einem Soldaten in Zivil mit dem Hinweis, dass er nicht in Uniform sei, was ihn später dazu verleitete, mit Uniform und Kalaschnikow herumzuwedeln, um sein Verlangen zu bekräftigen. Nach langem hin und her waren die Dörfler schließlich mehr oder weniger überzeugt, dass wir hier bleiben konnten. Besonders hilfreich war hier der Hinweis auf die Polizei und unser Dolmetscher, der uns via Handy aus der Patsche half. Dass in der Folge in der Nähe noch Schüsse knallten und Böller krachten, gefiel uns zwar nicht, aber na ja. Man spürte deutlich die Anspannung, die bei den Menschen herrscht, wir waren fremd und sollten weg – das kennt man ja…

Nach kurzem Ausflug in die Großstadt Trabzon ging es wieder in die Berge zum Kloster Sumela, dass atemberaubend an einer Steilwand hängt, aber leider bis 2018 wegen Renovierung geschlossen ist.

Noch einmal genießen wir die Bergwelt, um schließlich bei Sarpi wieder am Schwarzen Meer die Grenze zu Georgien zu passieren.

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